Durnwalder: "Wir haben noch nie so viel gezählt wie jetzt"

3. April 2007, 15:08
9 Postings

Landeshauptmann Südtirols im STANDARD-Interview: Werden Prodi weiter mit Senatoren und Abgeordneten der SVP unterstützen

Bei den Landtagswahlen 2008 trete er wieder an, kündigte er im Gespräch mit Markus Bernath an.

*****

STANDARD: Die italienische Regierung von Premier Prodi macht keinen sehr stabilen Eindruck. Wie lang soll das in Rom noch gehen?

Durnwalder: Dass die derzeitige Regierung nicht sehr sehr stabil ist, weil ihr einfach die Mehrheit fehlt, muss man sagen. Andererseits verleiht das Eingeständnis, schwach zu sein, aber oft Kräfte, die vielleicht länger halten, als wenn man eine gewisse Mehrheit hat und nachlässig wird.

Hier weiß man: Es darf niemand fehlen und man muss eine Politik betreiben, die letztlich die Minderheiten oder den einen oder anderen von der Opposition dazu veranlasst zu sagen: Das ist vernünftig, und deshalb stimmen wir dafür. Ich glaube, diese Regierung wird länger leben, als man es ihr zumuten könnte.

STANDARD: Zumuten oder zutrauen?

Durnwalder: Zumuten und auch zutrauen. Mindestens die erste Hälfte der Legislaturperiode, zweieinhalb Jahre, werden sie überstehen. Die Regierung Prodi hat Mut bewiesen und, obwohl sie schwach ist, Reformen umgesetzt und sich an Maßnahmen zur Liberalisierung herangetraut. Wir werden die Regierung Prodi weiter unterstützen, so weit wir mit ihren Programmen einverstanden sind. Die alte Regierung war alles eher als minderheitenfreundlich. Und ich muss insgesamt sagen: Unser kleines Gewicht als Südtiroler Volkspartei - drei Senatoren und vier Abgeordnete - haben wir noch nie so einsetzen können wie jetzt. Wir haben noch nie so viel gezählt wie jetzt.

STANDARD: Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, die Autonomie Südtirols und die Schutzfunktion Österreichs in der neuen österreichische Verfassung festzuschreiben?

Durnwalder: Es ist so: Hätte man von vornherein nicht gesagt, dass es möglich ist, so etwas in die Verfassung hineinzuschreiben, hätte wir auch mit der alten Form weiter leben können. Wir haben uns auch so immer auf Österreich verlassen können. Wir sind eine österreichische Minderheit, wir haben eine sehr sehr gute Autonomie ausgearbeitet. Wenn man jetzt die Idee fallen ließe, dies in die Verfassung zu schreiben, dann würde es aber bedeuten: Österreich lässt uns fallen.

STANDARD: Der frühere Nationalratspräsident Andreas Khol hat im Februar in seiner Rede zum Andreas-Hofer-Tag erklärt, "Wir sind wieder Herren im eigenen Haus." Wie verstehen Sie das?

Durnwalder: Ich bin Herrn Dr. Khol sehr dankbar, dass er bei dieser Gelegenheit klar gemacht hat, dass wir mit Rechtsgruppierungen nichts zu tun haben und Südtiroler und Österreicher, die für Südtirol eintreten, nicht mit rechts verwechselt werden wollen. Er hat gesagt, dass uns die Autonomie die Möglichkeit gibt, dass wir im eigenen Land selber etwas zu reden haben. Und er hat weiter sagen wollen, dass die Entwicklung in Europa uns Chancen gegeben haben, die wir früher nicht gehabt haben.

STANDARD: Nächstes Jahr sind Landtagswahlen. Sie sind seit 1978 in der Südtiroler Landesregierung ...

Durnwalder: ... und seit 1989 bin ich Landeshauptmann, und Sie wollen jetzt wissen, ob ich noch einmal kandidiere. So, wie ich es heute sehe, werde ich wieder kandidieren, weil ich mich noch im vollen Saft fühle und die notwendige Energie und Freude habe. Solange ich den Eindruck habe, dass mich die Bevölkerung noch mag und ich noch etwas geben kann, werde ich mich auch einbringen.

*****

Zur Person
Luis Durnwalder (65) studierte Jus und Agrarwissenschaften in Wien und ist seit 1989 Südtiroler Landeshauptmann. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2007)

  • Luis Durnwalder, Landeshauptmann
    foto: standard/cremer

    Luis Durnwalder, Landeshauptmann

Share if you care.