Polen: "Nichts entschieden"

16. März 2007, 16:03
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Ausgang der Raketen-Gespräche mit den USA offen, sagt Warschau

Wien/Berlin - Warschau habe über eine Beteiligung am US-Raketenabwehrsystem noch nicht entschieden. Es habe auf eine Anfrage Washingtons nur seine "Bereitschaft für Gespräche über Bedingungen, Art und Weise und Bereich" einer Teilnahme bekundet, sagte der polnische Vizeaußenminister Krzysztof Szczerski am Dienstag in Wien bei einer Dialogveranstaltung der EU-Vertretung.

Polens Ziel ist laut Szczerski "die Stärkung der Sicherheit in einer internationalen Dimension". Der Ausgang der Gespräche "auch im Kreis unserer Partner" sei heute nicht klar. Deshalb stimme er auch der These, dass Polen im Sicherheitsbereich bereits seine Wahl zugunsten der USA getroffen habe, nicht zu, sagte der Vizeaußenminister auf eine entsprechende Frage des Standard.

Zuletzt hatte sich ein führender polnischer Außenpolitiker für einen zusätzlichen Sicherheitspakt Warschaus mit Washington ausgesprochen. Auf die Nato sei im Fall eines Angriffs kein Verlass, sagte Pawel Zalewski, Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses im Unterhaus (Sejm) in einem Interview. Neben Polen hat auch die Tschechische Republik den USA ein grundsätzliches Ja zur Teilnahme an dem Raketenschirm signalisiert. Geplant sind eine Radarstation in der Nähe von Prag und damit korrespondierend zehn Abschussrampen für Abwehrraketen in Nordpolen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will bei ihrem am Freitag beginnenden Polen-Besuch Warschau von einem Alleingang abbringen. "Wir von der deutschen Seite, und das werde ich auch in Polen sagen, präferieren eine Lösung innerhalb der Nato und auch ein offenes Gespräch mit Russland darüber", sagte sie im ZDF. (jk, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2007)

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