Die Suche nach einem Star

19. März 2007, 13:27
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Formel-1-Boss Bernie Ecclestone vermisst Michael Schumacher. "Wir brauchen wieder einen Superstar, ein Zugpferd. Obwohl sich die Räder weiter drehen"

Melbourne - Formel-1-Boss Bernie Ecclestone vermisst Michael Schumacher ein bisserl, trotzdem geht er davon aus, "dass sich die Räder weiter drehen. Als 1994 Ayrton Senna tödlich verunglückt ist, hat jeder gesagt: Das ist das Ende der Formel 1. Ich denke und hoffe, dass die Formel 1 größer als jeder Einzelne ist", sagte der 77-jährige Engländer vor dem Saisonstart am Sonntag in Melbourne (4.00 Uhr MEZ/live ORF 1 und RTL).

Dennoch hat der nicht unbedingt als Heulsuse verschriene Ecclestone seinem einstigen Zugpferd manche Träne nachgeweint. "Jeden, der so lange bei uns war wie Michael, vermisse ich persönlich." Es sei, als würde Tiger Woods plötzlich mit dem Golfen aufhören. "Ich glaube sehr daran, dass wir Superstars brauchen. Jetzt müssen wir einen anderen finden."

Ecclestone geht davon aus, dass es ohne Schumacher eine andere Formel 1 sein wird. Ob besser oder schlechter, müsse die Zeit erst zeigen. Der besondere Reiz an Superstars sei, dass die Menschen sie verlieren sehen wollen. Als Schumacher alles gewonnen habe, hätten sich die Fans darüber beklagt, dass die Formel 1 zu langweilig sei. Ähnlich sei es momentan im Tennis, wo jeder nur auf eine Niederlage von Branchenprimus Roger Federer warte.

Obwohl sich Michael Schumachers Entscheidung über die Zukunft seiner Karriere über Monate hingezogen hat, habe Ecclestone nicht versucht, ihn zum Weitermachen zu überreden. Dass der siebenmalige Weltmeister wie einst Niki Lauda, Nigel Mansell oder Alain Prost nur eine Auszeit nimmt und danach wieder im Rennauto sitzen könnte, hält der Formel-1-Boss für unwahrscheinlich: "Michael ist ein bisschen anders als diese Piloten. Ich denke, er hat sich entschieden aufzuhören und hat es dann auch gemacht."

Bei der Frage, wer für ihn der größte Rennfahrer aller Zeiten ist, zieht sich Mister Ecclestone diplomatisch aus der Affäre. Das seien ganz unterschiedliche Zeiten gewesen, das könne man so nicht vergleichen: "Ich denke, Michael würde Rennen gewinnen, die Senna nicht gewonnen hätte. Und Senna würde Rennen gewinnen, die Michael nicht gewonnen hätte."

Dass Kimi Räikkönen nach dem Wechsel von McLaren-Mercedes zu Ferrari die Lücke schließen kann, die Schumacher hinterlassen hat, bezweifelt Ecclestone.Wer wird Weltmeister? "Es gibt viele gute Burschen. Alonso, Räikkönen, Massa, Kovalainen. Button im Honda, wenn die ihre Arbeit gut machen." Alexander Wurz im Williams hat Ecclestone nicht erwähnt. (red - DER STANDARD PRINTAUSGABE 14.3. 2007)

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    Im Albert Park von Melbourne wird noch fleißig geputzt, die Formel 1 soll ja schön ausschauen.

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