Wachstum durch "viele Wiener Jobs"

10. April 2007, 11:11
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Standortvorteile bestimmen die NÖ-Erfolge, sagt der Ökonom Bernhard Felderer im STANDARD-Gespräch

STANDARD: In Niederösterreich wird derzeit ein im Bundesvergleich hohes Wirtschaftswachstum gefeiert. Besteht wirklich Grund dafür?

Felderer: Schon - der Erfolg zeigt, dass eine Reihe von Fehlern nicht gemacht worden sind. Etwa Schritte, die zum Aufbauschen der Verwaltung geführt hätten wie die Handymastensteuer in ihrer ursprünglichen Version.

STANDARD: Wo liegen die Erfolgsfaktoren?

Felderer: Etwa dort, wo viele Industriebetriebe aus Wien an den Stadtrand und somit nach Niederösterreich gezogen sind. Niederösterreich steht nicht erst seit Kurzem gut da, Wien verliert Industriearbeitsplätze in atemberaubender Geschwindigkeit, viele Jobs sind nach Niederösterreich gewandert.

STANDARD: Der zunehmende Handel mit osteuropäischen Staaten ist ein weiterer Positivbeitrag. Ist dieser Handel weiter ausbaubar?

Felderer: Ja, und zwar noch sehr weit. Hier leben wirtschaftliche Strukturen wieder auf, die in der 1920er-Jahren sehr eng waren. Damals gingen 27 bis 28 Prozent aller Exporte in die k. u. k. Nachfolgestaaten.

STANDARD: Wie hoch kann dieser Ost-Anteil noch werden?

Felderer: Ich glaube, dass wir hier in den kommenden zwanzig Jahren österreichweit auf über 30 Prozent kommen werden - und in Niederösterreich vielleicht sogar noch mehr.

STANDARD: Der Wirtschaftserfolg geht auch in Niederösterreich mit Klagen über Facharbeitermangel einher. Was meinen Sie dazu?

Felderer: Dass das auf uns zukommt, habe ich schon vor fünf Jahren vorausgesagt. Jetzt muss massiv in Qualifizierungsmaßnahmen investiert werden, sonst wird das noch zum Wettbewerbsnachteil. (Irene Brickner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.3.2007)

Zur Person
Der 1941 geborene Wirtschaftswissenschafter Bernhard Felderer leitet seit 1991 das Wiener Institut für Höhere Studien (IHS).
  • Bernhard Felderer
    foto: standard/fischer

    Bernhard Felderer

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