Quelle wird Häuselbauer

27. Juni 2007, 13:33
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Der Versandhändler steigt in den Markt für Fertigteilhäuser ein. Produktionspartner ist Elk. Mitbewerber sind skeptisch

Wien - Der Versandhaus-Riese Quelle AG will zu Österreichs größtem Häuselbauer werden. Der Konzern bietet ab sofort Fertigteilhäuser aus dem Katalog an. Produktionspartner ist Elk, europäischer Marktführer bei Fertighäusern. Das Ziel ist im ersten Jahr rund 500 Einfamilien- und Doppelhäuser zu verkaufen. Elk verspricht sich von der Kooperation eine Umsatzverdoppelung auf 560 Millionen Euro. Über Österreich ist der Schritt in die Schweiz und mittelfristig auch auf den deutschen Markt geplant.

Neuland

"Wir steigen in Neuland ein - mit einem Werbedruck, den die Branche bisher nicht kannte", sagt Wolfgang Binder, Vorstandschef der Quelle Österreich AG. Der Versandhändler bringe Häuser schlüsselfertig, aus einer Hand, inklusive Einrichtung und aller Möbel auf den Markt. Elk sattelt dafür auf Zwei-Schicht-Betrieb um.

Sorge, das eigene Geschäft zu beschneiden, hat Elk-Chef Johann Weichselbaum nicht. "Auch in der Automobilindustrie hat ein Konzern mehrere Marken." Doch Branchenkenner und Konkurrenten zeigen sich äußerst skeptisch. "Wir haben selbst versucht, Häuser über Versandhändler zu vertreiben. Der Erfolg war nicht berauschend", sagt Hellfried Gugel, Vorstand der Griffner AG. Der Bau eines Hauses sei eine Lebensentscheidung und Hürde, über die ohne intensive Beratung keiner ohne Weiteres springe. Josef Gruber, Geschäftsführer von Vario-Bau, schlägt in dieselbe Kerbe. "Ein Haus lässt sich nicht über den Katalog verkaufen." Elk und Quelle drehten an der Preisschraube, es fehle aber an Beratung. Auch Christian Murhammer, Geschäftsführer des Fertighausverbandes hat seine Zweifel. Aber: "Es ist ein innovativer Vertriebskanal und zumindest einen Versuch wert."

Fix fertig ab 139.000 Euro

Quelle verspricht fix fertige Häuser ab knapp 139.000 Euro und eine unbürokratische Finanzierung. Partner ist die BA-CA. Zur Auswahl stehen vier Modelle. Alle heizen ohne Öl und Gas, ermöglicht werde das durch eine Wärmepumpe und Dämmung. Beflügelt sieht sich der Konzern durch eine neue Imas-Studie. Demnach träumten 71 Prozent der Österreicher vom eigenen Haus. Für jeden zweiten sei der Hausbesitz fixes Lebensziel. Die Frage, ob sie auf extravagante Architektur Wert legen, beantworteten nur zehn Prozent mit Ja.

In Österreich sind im Vorjahr 5672 Fertigteilhäuser aus dem Boden geschossen, um 62 mehr als 2005. Damit ist jedes dritte neue Familienhaus vorgefertigt, belegt Murhammer. Die 25 größten Hersteller setzten 2005 rund 426 Mio. Euro um, ihre Exporte steigen. Elk baute 2006 etwa 2000 Häuser, 1100 davon im Ausland.

Der Preisverfall hat sich eingebremst. Der deutsche Fertighausmarkt steckt jedoch nach wie vor in der Krise. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.3.2007)

  • Jedem sein Häuschen im Grünen: Was Raumplaner schmerzt, lockt die Bauindustrie. Jetzt mischt auch Versandhaus-Riese Quelle am Markt mit, Baustart ist in Österreich.
    foto: quelle

    Jedem sein Häuschen im Grünen: Was Raumplaner schmerzt, lockt die Bauindustrie. Jetzt mischt auch Versandhaus-Riese Quelle am Markt mit, Baustart ist in Österreich.

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