Die Chancen zum Spitzenkünstler: 1 zu 500

13. März 2007, 18:40
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Titania Seidl schreckt das nicht ab: Sie studiert an der Angewandten bei Attersee

Künstlerin zu werden, war schon früh der Lebenstraum von Titania Seidl, der 1988 geborenen Tochter des "Bierpapstes": Davon zeugt ein Selbstporträt mit Barett, das sie als Zehnjährige malte. Nach der Matura meldete sie sich mit 80 anderen zur Aufnahmeprüfung an – für die Klasse von Christian Ludwig Attersee an der Angewandten. Dessen Team begutachtete die vorgelegten Mappen und wählte etwa 20 Prüflinge aus, die sich einer dreitägigen "optischen Befragung" stellen durften. "Es war furchtbar stressig", so Titania.

Zehn, elf junge Menschen, zu zwei Drittel Frauen, nimmt Attersee jedes Jahr auf. Seine Kriterien: "Es genügt ja nicht nur, begabt zu sein, sondern man muss auch eine Bereitschaft zu haben, Teil dieser Klasse sein zu wollen. Natürlich können wir uns in der Auswahl auch einmal irren." Die Klasse, untergebracht in der Expositur am Salzgries mit heftiger Platznot, ist einzigartig. Denn es wird auch künstlerische Tapisserie und Animationsfilm unterrichtet. Titania, nun im zweiten Semester, ist von den Möglichkeiten und der Betreuung begeistert. Attersee lässt seine Schüler auch nach dem Diplom nicht im Stich: "Ich versuche, die Besten unterzubringen. Denn wenn ich schon so viel Arbeit aufwende, will ich nicht, dass sie dann verkommen. Ungefähr 30 Prozent schaffen es in die Welt der Galerien. Das ist ein sehr hoher Wert! Aber nur ein kleiner Teil von ihnen kann auf Dauer von der Kunst leben. Und nur einer von 500 schafft es zum Spitzenkünstler. Es ist wirklich der härteste Beruf der Welt!" (trenk/DER STANDARD-Printausgabe, 14. März 2007)

  • Christian Ludwig Attersee mit seiner Schülerin Titania Seidl, die, wie man sieht, gerne Patrick Wolf hört.
    foto: fischer

    Christian Ludwig Attersee mit seiner Schülerin Titania Seidl, die, wie man sieht, gerne Patrick Wolf hört.

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