Allein gegen EADS: Vertrag ohne Spezialisten

26. März 2007, 11:23
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Beamter klagt: "Nicht einmal Schreibkraft" - Ehepaar Rumpold für 22. März neuerlich vorgeladen

Wien – Er hätte sich zumindest "zwei Sekretärinnen in Maturarang" gewünscht, aber Josef Christl, Kabinettsmitarbeiter von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, habe "nur gelächelt". Der mittlerweile pensionierte Abteilungsleiter und zuständige Finanzbeamte Herbert Hillingrathner hat bei seiner Befragung vor dem Eurofighter-U-Ausschuss am Dienstag darüber geklagt, während der Vertragsverhandlungen mit dem Jet-Hersteller "überlastet" gewesen zu sein. "Ich hatte nicht einmal eine Schreibkraft."

Es sei das größte Geschäft der Republik nicht wert gewesen, Spezialisten in die Verhandlungen einzubinden, klagte Hillingrathner. "Der Vertrag hätte nicht anders ausgeschaut, wenn wir Professoren dabei gehabt hätten." "Im Stich gelassen" habe er sich aber nicht gefühlt, so Hillingrathner selbstbewusst.

Bei Ausschussvorsitzendem Peter Pilz sorgten diese Aussagen für Verwunderung, er zeigte sich aber froh, dass Hilligrathner verhandelt hat. "Hätten Sie verhandelt, hätten wir Mähdrescher um fünf Milliarden Euro", sagte Pilz in Richtung der ÖVP. Zum Standard sagte Pilz: "Hillingrathner war chancenlos. Den haben sie EADS zum Fußballspielen überlassen."

Für Debatten sorgt weiter der Steuerakt Rumpold. So gibt es widersprüchliche Angaben darüber, ob alles ausreichend belegt sei, oder nicht. Fragen aufgeworfen haben auch die im Firmenbuch ausgewiesenen Rückstellungen von bis zu 2,7 Mio. Euro sowie einen Vorschuss bzw. Kredit für die Geschäftsführung in fast gleicher Höhe. Für den 22. März wurden die EADS-Werber Erika und Gernot Rumpold neuerlich als Zeugen vorgeladen. (APA, miba/DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2007)

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