Nationalstaat ist Menschen wichtiger als Gemeinde, Region oder EU

21. März 2007, 14:05
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FWF-Studie ortet enge Verbundenheit mit dem eigenen Staat - Weiteres Ergebnis: Staatliche Strukturen prägen Ansichten der Menschen

Graz/Wien - Trotz Globalisierung einerseits und Förderung der Regionen andererseits bleibt der Nationalstaat die mit Abstand bedeutendste gesellschaftliche Einheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Studie des Instituts für Soziologie der Universität Graz. Das Forscherteam um Max Haller konnte klar zeigen, dass Bürger eines Staates mehr miteinander verbindet als Menschen aus kulturell einander nahe stehenden Regionen verschiedener Länder.

Für ihre Studie analysierten die Soziologen Daten - darunter aus dem International Social Survey Program (ISSP) - aus mehr als 40 Ländern. Es zeigte sich, dass sich die Menschen nach wie vor am stärksten mit dem eigenen Staat identifizieren und nicht mit der Gemeinde, der Region oder dem Staat übergeordneten Einheiten wie der EU. Während sich mehr als die Hälfte der Befragten mit dem eigenen Staat "sehr eng verbunden" fühlt, sind es im Fall "Europas" weniger als 30 Prozent.

Die Wertvorstellungen der Menschen sind laut Haller innerhalb eines Landes am ähnlichsten. "Man könnte vermuten, dass die katholischen Bayern in ihren nationalen Wertauffassungen den Österreichern ähnlicher sind als den protestantischen Norddeutschen, die auch von anderer ethnisch-sprachlicher Herkunft sind", erklärte der Wissenschafter. Dies sei aber nicht der Fall, Bayern und Norddeutsche würden in puncto Wertauffassungen immer noch stärker übereinstimmen als Bayern und Österreicher.

Staat prägt Ansichten

Nicht zuletzt fanden die Experten heraus, dass staatliche Strukturen und hier dominierende Wertehaltungen die Ansichten der Menschen eindeutig prägen. Sichtbar wird dies etwa, wenn Bürger die soziale Gleichheit bzw. die soziale Ungleichheit innerhalb des eigenen Landes beurteilen müssen. Dort, wo Ungleichheiten groß sind, wie beispielsweise in Brasilien, können diese sehr kritisch bewertet werden. "In Staaten wie den USA kann hingegen der Glaube an den individuellen Aufstieg eine solche kritische Haltung stark abschwächen. Hier lebt der Traum 'vom Tellerwäscher zum Millionär'", so die Wissenschafter. (APA)

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Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung:
Neue Studie zeigt: Nationalstaaten liegen im Trend
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