"Auch Leerstand soll gefördert werden"

14. März 2007, 11:03
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Architekt Albert Wimmer empfiehlt neue Wege zur Belebung der Erdgeschoßzone

Ein klarer, prägnanter Vorschlag mit bedeutsamen Folgen: Wie schon in vielen Ausschreibungen setzte sich Architekt Albert Wimmer mit seinen Tischnachbarn auch beim Wohnsymposium mit seiner Antwort auf die Frage durch, wie Politiker und Praktiker das Arbeiten im Wohnbereich erleichtern könnten. Die Mehrheit der Teilnehmer kürten seine Empfehlung zum Sieger.

Wimmer wünscht sich von der Wohnpolitik die Schaffung einer Leerstandsförderung, konkret für fünf Prozent jedes Wohnbauobjektes. Erst nach Fertigstellung und Bezug einer Anlage sollen die Bewohner dann entscheiden, was mit diesem Freiraum – meist im Erdgeschoß – geschehen soll, sagt Wimmer im STANDARD-Gespräch.

"Die Qualität eines Objektes oder eines Grätzels ist gekennzeichnet durch den Erlebnisbereich Erdgeschoßzone. Das Gegenstück dazu ist die Verödung. Ein Leerstand gibt dem Bauträger den Spielraum für weitere Entwicklungen: Wir können ein Haus auf Stützen stellen und in Ruhe die optimale Nutzung für diese Zone finden. Wollen wir ein neues Working, einen Nahversorger, Leisure-Raum oder einen Wirtschaftsraum? Wir haben dann die Möglichkeit, das später auszubauen." Dafür aber müsse die Gesellschaft den "Mut aufbringen, nicht alles sofort zu definieren. Wir müssen ein intelligentes Produkt für das Defizit finden." Auch im Städtebau sei man bemüht, Sichtachsen freizuhalten.

Derzeit sei jede Art von Leerständen finanziell höchst problematisch, weil es zu höheren Kosten für den Bauträger führt. Mittelfristig aber würde sich ein solches Vorgehen rentieren, ist Wimmer überzeugt. Denn: "Wir schaffen damit einem Bonus für das ganze Objekt, wodurch die Mieten dann billiger werden können."

Für eine solche "Zwischenfinanzierung" würden die bestehenden Instrumente nicht ausreichen, betont Wimmer. Er tritt deshalb für eine Kombi-Förderung von Wohnbau- und Wirtschaftsförderung ein.

Wimmer sieht in solcher Leerstandsförderung auch eine Möglichkeit, die Mietermitbestimmung zu verbessern. In einem demokratischen Prozess würde man bei der Entscheidung für den Ausbau der leeren Erdgeschoßzone auf die Wünsche der Bewohner reagieren. "Wir bauen dann keine großen Pflegeheime, sondern schaffen dezentralisierte Gemeinschaften und denken in kleineren Einheiten." (ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.3.2007)

  • Albert Wimmer will Leerstände später ausbauen.
    foto: standard/newald

    Albert Wimmer will Leerstände später ausbauen.

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    grafik: standard
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