Übung macht den Bauträger

13. März 2007, 19:23
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So manches Konzept greift erst nach einigen Versuchen und einigem gezahlten Lehrgeld. Doch neue Lösungs­ansätze zeugen von Hoffnung

Kundenwünsche ändern sich im Laufe der Zeit. Darauf müssen Bauträger reagieren. Im Falle des relativ jungen Trends, demnach sich die Gesellschaft zunehmend zu selbstständigen Teleworkern generiert, hat man den Eindruck, dass die Bauträger den Trend sogar vorweggenommen haben. Etliche Anbieter sind seitdem auf gemischtes Angebot von Wohnen und Arbeiten unter einem Dach spezialisiert. Laut einer Studie der Arbeiterkammer sind es immerhin zwei bis vier Prozent der Österreicher, die von zu Hause aus arbeiten und sich durch diese Maßnahmen angesprochen fühlen sollen.

Eines der bisher radikalsten Konzepte wurde in den so genannten City Lofts am Wienerberg realisiert. Gemeinsam mit dem Architekturbüro Delugan Meissl Associated Architects entwickelte Kallco ein komplexes Gefüge aus privaten Wohnflächen und zusätzlich anmietbaren Büroräumlichkeiten. Einige Büros sind über einen gemeinsamen Vorraum an den Wohnverband angeschlossen, bei anderen muss man über den Gang huschen, um zu seinem Schreibtisch zu gelangen.

"Im Prinzip hat sich das Konzept der Arbeitsraumzuschaltung bewährt und wird von uns weiterverfolgt", erzählt Winfried Kallinger, Geschäftsführer des Bauträgers Kallco, "wichtig ist dabei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen einem akzeptablem Näheverhältnis zum Wohnverband und einer eindeutigen funktionellen und räumlichen Trennung." Kallinger selbst halte nichts davon, Arbeitsräume in die Wohnung zu integrieren – es gäbe nichts Unangenehmeres als das Abhalten einer Besprechung, während die Kinder nebenan mit dem Papa und der Mama Lego spielen wollen.

Großes Raumangebot

Das neueste Projekt mit Delugan Meissl wird in Bälde auf dem Gelände der ehemaligen Brau AG in Wien Liesing entstehen; es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt mit dem Österreichischen Volkswohnungswerk. Die fließende Bewegung des Wohnbaus geht auf ein städtebauliches Gutachterverfahren aus dem Jahre 2000 zurück, aus dem Coop Himmelb(l)au als Sieger hervorgegangen waren. Nach Süden und mit Blick auf den Wienerwald sind die Wohnbereiche angesiedelt, die Arbeitsräume und Servicezonen richten sich zur Stadt.

Angeboten werden Wohnformen mit integrierten Arbeitsmöglichkeiten, aber auch Wohneinheiten mit koppelbaren Arbeitsräumen, wie sie bereits in den City Lofts zum Tragen gekommen sind. Auffällig ist vor allem das fünfte Stockwerk, das als Freiluftgeschoß ausgebildet ist. Delugan Meissl: "Die so genannten Luftgeschoße sind als attraktive Aufenthaltszonen konzipiert, die für vielfältige Nutzungen durch die Bewohner in Besitz genommen werden können." Die gesamte Wohnnutzfläche beträgt 9600 Quadratmeter, die Arbeitsbereiche, die sich zwischen 16 und 25 Quadratmetern einpendeln, schlagen unterm Strich mit 650 Quadratmetern zu Buche. Planungsbeginn war letztes Jahr, ein genauer Fertigstellungstermin steht noch nicht fest.

Mit dem Architekturbüro AllesWirdGut läuft gerade die Planung für ein Mischwohnhaus in der Rauchfangkehrergasse auf Hochtouren. Auch hier sind die Büros im Norden angesiedelt. Kallinger: "Die Nordlage ist kein absoluter Must, aber sie bietet sich in den meisten Fällen an, da die direkte Sonneneinstrahlung für die Computerarbeitsplätze schädlich ist." Welche Nachfrage ist zu erwarten? "Aus Erfahrung kann man sagen, dass zwei Drittel der angebotenen Büroräumlichkeiten von Anfang an angemietet werden, die restlichen Einheiten folgen dann im Laufe der Zeit." Eine Wohnung anzuschaffen sei eine große Investition, selbst im geförderten Bereich. Da brauche es einige Monate, bis sich die Leute finanziell wieder erholt haben. Die Miete für die zusätzlichen Arbeitsräume liegt zwischen 6,50 und acht Euro pro Quadratmeter.

Niemals günstig genug

Dass die Vermietung der Arbeitsflächen nicht immer auf Anhieb klappt, kann auch Michael Pech, Geschäftsführer des Österreichischen Siedlungswerks (ÖSW) bestätigen. In der intensiven Beschäftigung mit dem Thema habe man bereits genügend Lehrgeld gezahlt. Zu einem Projekt in Wien Favoriten sagt er: "Die Zielgruppe, die wir im Auge hatten, wohnte nicht im Haus. Und im Arbeiterbezirk Favoriten konnten wir die Leute auch nicht aus dem Umfeld anziehen." In den kürzlich fertig gestellten Wohnhäusern in Monte Laa werden die zuschaltbaren Arbeitsräume dank der Förderung mit schlanken neun Euro pro Quadratmeter angeboten. Damit liegt der Mietpreis ident mit jenem der Wohnungen, aber eben "noch nicht günstig genug", so Pech.

In der Kollmayergasse werde man nun einen anderen Weg verfolgen. Ein rund 250 Quadratmeter großes Objekt wird in elf kleine Einheiten eingeteilt, die als Büros oder Arbeitsräume kurzfristig angemietet werden können – für insgesamt 220 Euro im Monat. Pech hofft auf einen gemeinsamen Betreiber, der dann auch zusätzliche Bürodienstleistungen wie beispielsweise Kopierer und Sekretariat zur Verfügung stellen könnte. Andernfalls würde dies das ÖSW selbst managen. "Ich bin überzeugt, dass das funktionieren wird", sagt Michael Pech, "meine Kollegen und ich wären glücklich, wenn wir in der Nähe unserer Wohnung einen Platz hätten, um unsere Arbeitspapiere zu lassen." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.3.2007)

  • Ehemalige Brau AG in Wien Liesing: Wohn- und Arbeitsschlange von Delugan Meissl.
    visualisierung: architekten

    Ehemalige Brau AG in Wien Liesing: Wohn- und Arbeitsschlange von Delugan Meissl.

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