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"The Last King of Scotland" und sein Hofstaat: Forest Whitaker (M.) als Idi Amin, der in einem jungen schottischen Arzt (James McAvoy, li.) einen neuen besten Freund gefunden hat.
Wien – Angesichts der viel strapazierten globalen Unübersichtlichkeit und angesichts diverser prekärer westlicher Versuche, anderswo für "Ordnung" zu sorgen, scheint man auch im Genre des Politthrillers nicht mehr an rechtschaffene Didaktik zu glauben. Die Zeiten, in denen engagierte Journalisten und Aufklärer in verkommenen Systemen die guten Menschen gaben (wie man es in den 70er- und 80er-Jahren in Filmen wie Salvador oder Under Fire praktizierte) – diese Zeiten und das mit ihnen verbundene (Anti-) Heldentum scheinen vorerst ad acta gelegt.
Verstärkt orientiert man sich wieder an den ambivalenten Spielern, Schiebern und Agenten, wie sie seit Zeiten des kalten Krieges durch die Romane eines John Le Carré tänzeln und stürzen. Im Fall von Kevin Macdonalds The Last King of Scotland könnte man sogar noch weiter zurückgehen und Shakespeare oder Joseph Conrads Reise ins Herz der Finsternis herbeizitieren:
Auch hier macht sich ein reichlich ichbezogener Europäer (James McAvoy als junger schottischer Arzt) auf einen Weg ins bedrohlich Unbekannte (das im teils hysterischen Umbruch befindliche Uganda der frühen70er-Jahre). Auch hier wird sich der vermeintlich Zivilisierte der eigenen Triebe und Untiefen bewusst, so, als bilde das "fremde" Getöse, die Wildnis rund um ihn seine eigenen inneren Tumulte ab. Und: Auch hier trifft er auf einen mächtigen Diktator (bei Conrad war’s der Handelsagent Kurtz, hier ist’s Forest Whitaker als Idi Amin), der rund um sich ein erratisches, willkürliches System irrationaler Abhängigkeiten aufgebaut hat.
Wie in jedem (Königs-)Drama und wie vermutlich auch in jedem über einen längeren Zeitraum funktionierenden Machtapparat hat der Wahnsinn aus nächster (oft: bevorzugter) Nähe Methode. Mehr noch: Er gibt sich verführerisch kumpan und großzügig zugleich, im Dienste eines nachvollziehbaren Ziels.
Die hohe Kunst vor allem des Drehbuchs von Peter Morgan (zuletzt: The Queen) besteht nun darin, dass es den Betrachter aus einem westlichen Überdruss heraus pronto in einen Zusammenhang entführt, in dem der junge Arzt tatsächlich noch etwas "bewirkt" – egal, ob er die tatsächlichen Folgewirkungen abschätzen kann oder nicht (er kann es definitiv nicht).
Das heißt: zuerst in einem kleinen Provinzhospital Basisversorgung leisten. Das heißt weiters: ohne obligate bürokratische Zwischenstationen engster Berater und Freund, also auch "Sohn" des Landesvaters werden. Es heißt letztlich: den eigenen Handlungsspielraum falsch einzuschätzen. Es geht – noch ein Vergleich – dem naiven Tor, der da "Karriere" ohne Leiter macht, so wie einem lebensfrohen Pizzabäcker, dem Marlon Brando als "Godfather" ein Angebot gemacht hat, das man nicht ausschlagen kann.
Auch in The Last King of Scotland geht es eher darum, auszuloten, was den Verführten so anfechtbar gemacht hat. Wie grausam Amins Regime wirklich war und ob es sich eher auf alte Stammesregeln und Rituale begründete oder auf einen ganz individuellen Wahnwitz – das lässt der Film offen. Forest Whitaker ist ein wahrer Meister darin, behände zwischen den Klischees vom "impulsiven", "naiven", "seelenvollen", "rhythmusbegabten", "unberechenbaren" schwarzen Mann derart zu switchen, dass ununterscheidbar wird, ob er seine momentanen Stimmungen und manischen Anfälle selbst glaubt. Oder ob er nicht längst selbst den Bildern, die man sich von ihm macht, wie im Voodoozauber verfallen ist.
Zentral sind, abseits der zunehmend brutalen Szenen, vielleicht zwei kurze Momente. Am Anfang: Der junge Schotte in seinem Elternhaus, der mit geschlossenen Augen einen Globus dreht, eine Reisedestination auswählt, quasi blindwütig die Welt erobern will. Dagegen muss er sich später Idi Amins Vorwurf gefallen lassen: Er sei nur nach Afrika gekommen, um sich selbst zu verwirklichen.
Es ist schwer vorstellbar, dass so ein Film vor wenigen Jahren bereits gemacht hätte werden können. Interessant, dass es gerade heute wieder möglich wird, jenseits von Gut und Böse von der Welt als Wille, Vorstellung und Krankheit zu erzählen. (Claus Philipp/ DER STANDARD, Printausgabe, 14.03.2007)
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Steven Spielberg hat mit "Lincoln" kein staatstragendes Präsidentenporträt, vielmehr ein spannendes Lehrstück über politische Mehrheitsfindung gedreht. Daniel Day-Lewis begeistert in der Titelrolle des für zwölf Oscars nominierten Films
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Mit "Der Fall Wilhelm Reich" widmet der österreichische Filmemacher Antonin Svoboda dem ebenso heftig verehrten wie verfolgten Grenzgänger Reich nun auch einen Spielfilm. Klaus Maria Brandauer verkörpert den Titelhelden
Eine Wal-Trainerin, die sich schwer verletzt, und ein Alleinerzieher, der sich durchboxt: Jacques Audiard lässt in "Der Geschmack von Rost und Knochen" zwei ungewöhnliche Charaktere aneinander Halt finden
Das Kinodebüt von Henning Backhaus, der an der Wiener Filmakademie bei Michael Haneke studiert, wirkt erzählerisch etwas unentschlossen
Der zweite Teil von Ulrich Seidls filmischer Trilogie über weibliche Glückssuchende und weitere Filmstarts der Woche
In Ben Lewins Film findet ein gelähmter Mann zu sexueller Erfüllung. Helen Hunt und John Hawkes zeigen in den Hauptrollen, dass es dafür Pragmatismus und Humor braucht
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Manuel von Stürlers Dokumentarfilm und weitere Filmstarts der Woche
Jan-Ole Gersters Film "Oh Boy" schickt einen netten Scheinstudenten durch die Berliner Erlebniswelt
Ang Lee hat aus Yann Martels Roman "Life of Pi" eine kitschige Wunderkammer des Kinos gebaut: In spektakulären 3-D-Bildern entwirft er eine Parabel übers Geschichtenerzählen
Die fesselnde Musiker-Doku "Searching for Sugar Man" begibt sich auf die Spuren des Detroit-Phänomens Sixto Rodriguez
Dan Bradleys Action-Trash-Remake "Red Dawn" - und die weiteren Filmstarts der Woche im Überblick
Ken Loachs erbaulich-simple Whisky-Komödie "The Angel's Share" wurde in Cannes mit dem Jury-Preis ausgezeichnet
Harald Friedls Dokumentarfilm "What Happiness Is" führt nach Bhutan
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"Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" / "Bachelorette" und die weiteren Filmstarts der Woche
Benh Zeitlins viel beachtetes Gegenwartsmärchen "Beasts of the Southern Wild" startet am Freitag in Österreichs Kinos
Der Dokumentarfilm "Trains of Thoughts" von Timo Novotny sieht und hört sich in sechs Metropolen in der U-Bahn um. Musik: Sofa Surfers
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Eine neue schwarze Komödie von Barbara Gräftner - und die weiteren Filmstarts der Woche
Peter Jackson hat nach "Herr der Ringe" die nächste Tolkien-Adaption in Angriff genommen
US-Schauspieler Paul Dano ist eines der ungewöhnlichsten Gesichter seiner Generation. In "Ruby Sparks" spielt er nun einen Schriftsteller, der sich in eine von ihm erfundene Frau verliebt. Porträt eines Mannes, der weiß, was er will
Martin McDonaghs Komödie "7 Psychos" - und die weiteren Filmstarts der Woche
Mehr als nur opulentes Ausstattungskino: "Anna Karenina" von Joe Wright gibt Tolstois russischem Liebesdrama eine surreale Dimension, die das Innerste gnadenlos an die Öffentlichkeit zerrt
Im neuen, klugen Film des Franzosen François Ozon, "In ihrem Haus", entspinnt sich ein raffiniertes Spiel des Fabulierens
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Die deutsche Antwort auf "Das Fest" von Thomas Vinterberg: "Was bleibt", der neue Film von Hans-Christian Schmid, setzt nicht auf die auffällige Geste, sondern auf die Kleinigkeiten, in denen sich für moderne Menschen das Schicksal erfüllt
Andrew Dominiks ins Jahr 2008 verlegte Adaption eines George-V. -Higgins-Thrillers und weitere Filmstarts der Woche
Hüseyin Tabaks sehenswerter Kinderfilm "Das Pferd auf dem Balkon" nach einem von Milan Dor geschriebenen Drehbuch
Holprig: Stefan Ruzowitzkys US-Thriller "Cold Blood" / "Deadfall"
Barbara Albert erzählt in "Die Lebenden" von einer jungen Frau, die sich in der Vergangenheit umsieht, um die Gegenwart besser bewältigen zu können
Pierce Brosnan in Susanne Biers "Love Is All You Need" - und die weiteren Filmstarts der Woche im Überblick
Vier Jahre nach seinem Leinwanddebüt geht das von Millionen Teenagern verehrte neuromantische Traumpaar Bella Swan und Edward Cullen mit "Breaking Dawn - Bis(s) zum Morgengrauen (Teil 2)" ins Finale
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Der österreichische Regisseur Florian Flicker stellt mit "Grenzgänger" seinen neuen Kinofilm vor: eine Dreiecksgeschichte nach klassischem Vorbild
Tom Tykwer hat "Cloud Atlas" mit den Geschwistern Wachowski ("Matrix") inszeniert. Der deutsche Filmemacher übers Regieführen zu dritt im 24. Jahrhundert
Der portugiesische Regisseur Miguel Gomes verbindet in seinem preisgekröntem Film "Tabu" eine verbotene Liebe in den Kolonien mit einer Ode an das frühe Kino
Dietrich Brüggemanns Twentysomethings-Berlin-Komödie "3 Zimmer/ Küche/ Bad" und die weiteren Filmsstarts der Woche
Schauspiel-Star Ben Affleck hat mit "Argo" einen höchst unterhaltsamen Politthriller realisiert, der von einer ungewöhnlichen Verschränkung zwischen Hollywood und Weltpolitik erzählt
Matthias Glasners im äußersten Norden Norwegens situiertes Drama "Gnade" und weitere Filmstarts der Woche
Gustav, Clara Luzia, Luise Pop und Teresa Rotschopf machen Musik: Mirjam Ungers "Oh Yeah, She Performs!" ist eine energetische Hommage an vier alternative Stars
Charmanter US-Film: "The Perks of Being a Wallflower" / "Vielleicht lieber morgen"
"Robot & Frank", das Spielfilmdebüt des US-Regisseurs Jake Schreier, erzählt die etwas konstruierte, letztlich aber gefühlvolle Geschichte eines demenzkranken alten Mannes und seines elektronischen Helfers
Im 23. James-Bond-Abenteuer "Skyfall" richtet sich die Bedrohung gegen den Geheimdienst selbst
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Stadtführungen in Polen, Hausbesuche in Wien: Mit Dariusz Kowalskis "Richtung Nowa Huta" und Michael Schindeggers "Nr 7" kommen zwei heimische Dokumentarfilme ins Kino, die für die Filmemacher prägende Orte einer näheren Betrachtung unterziehen
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Ich fand den Film sehr dümmlich in seiner kinder-TV-programmartig gestrickten Weise, einen Protagonisten (den schottischen Arzt) herzunehmen, durch dessen Augen der Zuseher die Ereignisse vorgeführt bekommt, und ihn so schwuppdiwupp zum engsten Vertrauten/Komplizen/Opfer etc. Amins zu machen.
Wobei der Autor sich - Stichwort Kinder-TV - gar nicht erst lange mit kunstvoll plausiblen Zusammenhängen rumschlägt, wie sich dies denn ergibt.
Dümmlich, seicht, klischeehaft.
der film ist nicht so neu, auch versteh ich nicht warum er erst jetzt möglich gewesen sein sollte. nicht desto trotz ist er spannend und gut - wenn auch nicht richtig und eben amerikanisch/britisch/deutsch. idi amin ist noch heute ein afrikanischer held weil er die asiaten des landes verwiesen hat. die eigentlich beispielhafte allianz von libanesen, israelis und indern ist die kollonilalmacht der zweiten hälfte des 20zigsten jahrhunderts. was den umgang mit seine politischen gegnern angeht - sieht usa gb iran etz.
bringt die regierungspartei in den usa die opposition auch in massen auf der straße um? nicht, dass es manchen nicht zuzutrauen wäre, aber die realität schaut da doch ein wenig anders aus.
vielleicht sollten sie im anti-usa-rausch, mag er bisweilen auch noch so nachvollziehbar sein, nicht blind um sich schlagen, sondern die vernunft doch eingeschalten lassen.
Nun war es mir bisher nur vergönnt, einige Ausschnitte zu sehen, was sich mir jedoch in der deutschen Synchronfassung darbot, erregt mein Unverständnis dafür, dass gerade dieser Punkt noch nie thematisiert wurde:
Was bitte haben sich die Herrschaften dabei gedacht, dem Herrn Whitaker eine derartige "Bimbosprache" anzusynchronisieren?
Den Eindeutschungsanstalten scheint ein Afrikaner, der sich gerade ausdücken kann, jenseits jeder Vorstellung zu sein...
Auch - und gerade wenn - der Dargestellte ein übler Ungustl war...
und withaker hat ihn perfekt kopiert.
nur ist es halt nicht so einfach einen solchen schlag vom englischen ins deutsche mitzunehmen. diesmal ist es aber nicht unbedingt misslungen und in jedem fall besser, als den akzent wie in 85% aller anderen filme einfach wegzulassen, in der synchronisation...
so oder so:
kein deutscher durchschnittsschauspieler ist einem withaker gewachsen und mal sollte sich den film im original anschauen...
in einem fikiven Werk, wie es ein Film nun einmal ist, ist bekanntlich ein Hund.
Aber darum ging es nicht.
Sondern darum, dass den Eindeutschungsanstalten der großen Verleiher ein uneuropäischer Mensch - und ein böser noch dazu - scheints naturgegeben niemals über das sprachliche Vermögen von: "...Du grosses Massa - ich Bwana..." hinauszukommen scheint.
doch, darum gings.
abgesehen davon: die synchronfirmen (so heißen die nämlich, wenn man die polemik weglässt) bekommen einen (hier: englischsprachigen) film und übersetzen/synchronisieren denselben. maßgabe dabei ist einzig die originaltonspur. beschwerden also bitte direkt an regisseur/produzent richten.
locker bleiben.
Habe alle Ihre Erläuterungen mit Genuss und Belehrung gelesen und gebe Ihnen nun gerne recht.
Doch ein andere Frage lässt mich nimmermehr ruhen: Warum müssen beim Herrn Bond, James Bond, die bösen Russen auch untereinander immer mjit fjürchtjerljichem Akzjent rjadebrjechen?
Russisch mit russischem Akzent?
Oder schlägt sich der böse Sowjeter auch in der Synchronisierung nieder...?
in der synchronisation spricht bond akzentfreies hochdeutsch, die russen und asiaten dagegen gebrochenes deutsch mit schwerem muttersprachlichen einschlag.
ist die alternative dazu jetzt, wie Sie meinen, die russen russisch sprechen zu lassen und das zu untertiteln? oder ist die alternative nicht vielmehr die russen akzentfrei oder aber bond mit britischem einschlag zu synchronisieren?
prinzipiell ist die alternative, den film im original zu sehen. da kriegen sie russisch, englisch mit russischem akzent und british english zu hören.
da sie sich die filme offensichtlich aber lieber übersetzt ansehen, müssen sie wohl damit leben, dass man sie, wie in 98% aller filme auf die seite des (meist) englisch sprechenden hauptcharakters stellt und damit in erster linie das englische ins deutsche übersetzt...
die russen sollten akzentfrei übersetzt (bzw. gesprochen) werden. punkt. die ganoven sind russen und nicht russische migranten in deutschland.
es geht um das ideologische süppchen, das da gekocht wird.
ich persönlich schaue kinofilme ausschließlich OV und bond hab ich seit urzeiten keinen mehr gesehen
Forest Whitaker ist einfach genial in der Umsetzung des Diktators!
Der Film ist entgegen meinen Befuerchtungen nicht sehr brutal oder blutruenstig.
Wenn moeglich sollte man sich den Film, der ueber grosse Teile in Uganda mit afrikanischen Schauspielern gedreht wurde in der Originalversion anschauen!
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