Je niedriger der Pulsschlag, umso länger das Leben

21. März 2007, 16:02
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Neues Medikament zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit - Für Patienten, die Beta-Blocker nicht vertragen

Wien - Mäuse haben eine Herzfrequenz von 600 und mehr Schlägen pro Minute - und werden nicht alt. Je weniger Pulsschläge, desto größer ist die Lebenserwartung von Tierarten. Auch beim Menschen ist ein Zusammenhang zwischen Pulsfrequenz und Lebenserwartung in epidemiologischen Studien beobachtet worden. Ein neues Medikament, das selektiv den Puls bremst, ist jetzt für Patienten mit koronarer Herzkrankheit und Angina Pectoris-Beschwerden auch in Österreich auf dem Markt. Der Wirkstoff Ivabradin ("Procoralan") ist vor allem für Betroffene gedacht, die Beta-Blocker nicht vertragen oder nicht einnehmen können.

"Die Durchblutung des Herzens erfolgt vor allem in der Erschlaffungsphase. Das Verhältnis zwischen Erschlaffungs- und Pumpphase beträgt normalerweise 2:1. Bei zunehmender Herzfrequenz nimmt die Durchblutung ab. Das Verhältnis zwischen wandelt sich auf 1:1", sagte Kardiologe Bernd Eber (KH Kreuzschwestern/Wels) am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Herzbremse Beta-Blocker

Bei erhöhtem Puls wird somit einerseits der Sauerstoffbedarf des Herzens größer, auf der anderen Seite arbeitet es unökonomischer und wird schlechter durchblutet. Bei Patienten mit Gefäßverkalkung in den Herzkranzarterien führt das zur Angina Pectoris. Üblicherweise werden seit Jahrzehnten Beta-Blocker eingesetzt, um das Herz der Kranken zu bremsen. Doch sie sind nicht immer geeignet bzw. werden nicht immer vertragen.

Kardiologe Gerhard Stark vom Landeskrankenhaus Deutschlandsberg: "Eine Kontraindikation für Beta-Blocker besteht bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung und Asthma." Auch eine Schuppenflechte kann sich durch die Einnahme von Beta-Blockern stark verschlechtern. Ein Teil der Männer, die Beta-Blocker einnehmen müssen, bekommt dadurch auch eine erektile Dysfunktion. Der deutsche Experte Thomas Meinertz vom Universitäts-Herzzentrum in Hamburg-Eppendorf: "Die empfohlene volle Dosis an Beta-Blockern nehmen gerade einmal 50 Prozent der Patienten."

Große Studie geplant

Mit dem Wirkstoff Ivabradin hat der französische Pharmakonzern Servier eine neue Substanz als Alternative entwickelt. Sie blockiert die If-Ionenkanäle der Zellen des so genannten Sinusknotens des Herzens. Dort wird der Puls gesteuert. Dadurch kommt es zu einer Senkung der Frequenz. Die Durchblutung des Organs verbessert sich.

Patienten mit Angina Pectoris bei körperlicher Belastung schaffen wieder mehr körperliche Leistung ohne Beschwerden, ohne dass es zu den Nebenwirkungen der Beta-Blocker kommt. Eine groß angelegte Studie soll jetzt belegen, dass das auch eine Verringerung der Mortalität bringt. Das Arzneimittel kann auf Kassenkosten verschrieben werden. (APA)

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