US-Medien in der Krise - Einbußen selbst im Internet

19. März 2007, 15:15
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Zeitungen verlieren weiter an Auflage, Zahl der Zuschauer der großen Fernsehanstalten sinkt

Die US-Medienbranche ist von einer Krise bedroht: Zeitungen verlieren weiter an Auflage, die Zahl der Zuschauer der großen Fernsehanstalten sinkt, die Hörerschaft der klassischen Radiosender schrumpft. Selbst bei der Internet-Nutzung für Informationen gibt es Einbußen. Einzige Gewinner in der Medienwelt sind derzeit neue Internet-Portale, Blogger sowie die Medien der ethnischen Minderheiten. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des am Montag veröffentlichten Jahresberichts der angesehenen "Columbia School of Journalism" an der Universität Columbia (New York) zur Lage der US-Medien.

"Die Veränderungen im Journalismus sind epochal", heißt es in der Studie. Angesichts sinkender Einkünfte sei vielfach der seriöse, daher oft aufwendige Journalismus bedroht. Journalisten seien nicht mehr die "Schrankenwärter" der Informationsströme. Die Webwelt öffne die Kommunikation in alle Richtungen. Die Mediennutzung der Amerikaner verändere sich weiter, vor allem konkurrierten verstärkt alle möglichen Anbieter von Informationen mit den klassischen Medien. 2007 werde zunehmend von sinkenden Erwartungen der Medienbranche geprägt, heißt es in dem Analyse.

Minus drei Prozent bei Auflagen

Zeitungsauflagen, Aktienkurse der Medienhäuser und die Zahl der Zeitungsleser sind demnach im vergangenen Jahr weiter gesunken. Die Auflagen der Blätter habe 2006 um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr abgenommen, was einer deutlichen Beschleunigung des Negativtrends entspreche. 51 Millionen US-Bürger kauften 2006 noch täglich eine Zeitung, 124 Millionen informierten sich regelmäßig in Zeitungen - 5,2 Prozent weniger als im Jahr 2000. Auch die großen Fernsehanstalten haben laut der Studie eine Million Zuschauer im Tagesschnitt verloren. Selbst die Zahl derer, die sich im Internet von Medien informieren ließen, sei von 34 Prozent im Juni 2005 auf 27 Prozent im Juni 2006 gesunken.

Um die Verluste der traditionell hoch-profitablen Medienbranche auszugleichen, versuchten die Medienhäuser der Analyse zufolge seit Jahren mit moderner Technik, Rationalisierungen, Entlassungen und Auslagerungen die Kosten zu senken. Auch konzeptionell gingen die Medien neue Wege: Viele Blätter würden sich stark aufs Lokale konzentrieren, selbst große Zeitungen wie der "Boston Globe" hätten ihr Auslandsnetz deutlich beschnitten. Andere versuchten mit starker Personalisierung und betontem Meinungsjournalismus attraktiver zu werden. Viele Zeitungen hofften, die Leser als Amateur-Reporter einbinden zu können.

Keine Chance für kostenpflichtige Angebote im Internet

Die US-Medienbranche, die in den vergangenen Jahren ihre Internet-Aktivitäten drastisch ausgeweitet hat, sei zunehmend enttäuscht über die Web-Einnahmen, heißt es. Kostenpflichtige Medienangebote seien am Markt kaum durchsetzbar, die Werbeeinkünfte blieben niedrig. Da die Nutzer im Internet kostenlose Nachrichtenangebote erwarteten, versuchten Medien nun verstärkt ihre Informationsangebote an Internetbetreiber und Web-Portale zu verkaufen. Dabei würden die US-Verlage derzeit trotz aller Konkurrenz Konsortien mit gemeinsamen und kostenpflichtigen Informationsangeboten erwägen. (APA/dpa)

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