KiK-Betriebsratswahl wird zur Farce

13. April 2007, 11:19
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Heute und morgen wird beim Textildiskonter ein Betriebsrat gewählt, wähl­bar ist allerdings nur der Assis­tent des Chefs, die alternative Mitarbeiter-Liste ist abgeblitzt

Wien - Der Arbeitskonflikt beim Textil-Diskonter KiK droht zu eskalieren. Bei den Betriebsratswahlen, die von Dienstag bis Mittwoch stattfinden, hat der vom Unternehmen dominierte Wahlvorstand endgültig nur den Assistenten der Geschäftsführung zugelassen. Eine alternative Liste des ursprünglich wegen seiner Kandidatur geschassten Filialleiters Andreas Fillei ist wegen Formfehlern nicht zugelassen worden. Mit einem Antrag auf Einstweilige Verfügung gegen die Ablehnung beim Arbeitsgericht ist Fillei am Montag gescheitert.

"Schwer undemokratisch"

Der Chef der Gewerkschaft Privatangestellter (GPA), Wolfgang Katzian, bezeichnete die Betriebsratswahl als "Farce" und kündigte "weitere Maßnahmen" an. Die Vorgehensweise sei schwer undemokratisch. Details zu den weiteren Protesten wollte er noch nicht nennen. Die Maßnahmen würden "vom Überraschungseffekt leben". Man werde aber auch in Deutschland den öffentlichen Druck erhöhen. Die Abstimmung mit der dortigen Gewerkschaft verdi sei im Laufen. Außerdem werde man alle rechtlichen Mittel ausschöpfen und die Betriebsratswahl anfechten, sagte Katzian am Montagnachmittag.

Laut dem Gewerkschafter hat das Arbeits- und Sozialgericht die Vorgehensweise von KiK rechtlich scharf verurteilt. Die Aufhebung der Ablehnung der Liste Fillei durch Einstweilige Verfügung sei rein an formalen Gründen gescheitert, da das Gericht eine Einzelentscheidung des Wahlvorstandes nicht aufheben könne.

Im Unternehmen weist man die Vorwürfe zurück: Die Liste Fillei habe von 18 notwendigen Unterstützungserklärungen nur 15 vorgelegt. Die Wahlen würden "ordnungsgemäß stattfinden". Der Betriebsrat dagegen sagt, keine 18 seien es nur deshalb, weil der Wahlvorstand Unterschriften als nicht lesbar abgelehnt habe.

Selbst wenn Fillei zur Wahl zugelassen worden wäre, hätte es laut Gewerkschaft nur fünf Wahllokale für sämtliche rund 1.200 KiK-Bediensteten in ganz Österreich gegeben. "Bei der dezentralen, filialisierten Struktur des Unternehmens werden viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Schwierigkeiten haben ihr Wahlrecht überhaupt auszuüben", kritisierte der streitbare KiK-Filialleiter.

Protest vor der Zentrale

Der Textildiskonter mit Konzernsitz in Deutschland hatte sich laut Gewerkschafts-Darstellung monatelang gegen Betriebsratswahlen zur Wehr gesetzt. Nach der Entlassung des Spitzenkandidaten spitzte sich der Konflikt schon im Februar einmal zu. Vor vier Wochen demonstrierten etwa 300 Mitarbeiter und Gewerkschafter vor der KiK-Zentrale in Wien. Die Gewerkschaft wirft dem Unternehmen vor, Vor- und Abschlussarbeiten von mindestens einer Stunde am Tag trotz Niedrigstgehältern nicht auszuzahlen und Arbeitszeiten extrem kurzfristig zu verschieben. (APA)

  • Der Chef der GPA, Wolfgang Katzian, vor vier Wochen vor der KiK-Zentrale in Wien.
    foto: derstandard.at

    Der Chef der GPA, Wolfgang Katzian, vor vier Wochen vor der KiK-Zentrale in Wien.

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