Ötzi und die rasenden Teilchen

19. März 2007, 20:56
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Mit Teilchenbeschleunigern kann man das Alter von Mumien, Knochen und Kunstwerken bestimmen

Teilchenbeschleuniger sortierten Elektronen, Atome und andere exotische Partikel. Das klingt kompliziert, hat aber einen ganz praktischen Nutzen: Mit einem solchen Gerät konnte etwa der Todeszeitpunkt der Eismumie Ötzi (vor 5300 Jahren) festgestellt werden, wie die Wissenschafterin Petra Kröpfl vom Institut für Isotopenforschung und Kernphysik den Kinderuni-Reportern erklärte.

Dabei wurden Haut- und Haarreste im Teilchenbeschleuniger in Einzelteile zerlegt und die übrig gebliebenen Kohlenstoffatome, die jede Pflanze und jeder Mensch aufnimmt, gezählt. Denn nach einer Halbwertszeit von 5730 Jahren ist nur mehr die Hälfte der radioaktiven Kohlenstoffatome vorhanden, erst nach 50.000 Jahren ist davon nichts mehr übrig.

Blick in die Vergangenheit

Dass man mit rasenden Teilchen einen Blick in die Vergangenheit werfen kann, hat auch die Kunst für sich entdeckt: Im Pariser Louvre befindet sich eine Anlage, die das Alter von Kunstwerken bestimmt - und so Original von Fälschung unterscheiden kann. Dabei werden Farbschichten auf Gemälden oder die Tinte von Handschriften auf ihre Zusammensetzung analysiert, wodurch man den Entstehungszeitpunkt zuordnen kann. Dank eines Teilchenbeschleunigers konnte auch das Alter des Turiner Grabtuchs bestimmt werden: Das angebliche Grabtuch Christi stammt aus der Zeit von 1260 bis 1390 nach Christi.

Die Forscher müssen bei ihren Berechnungen aber auch andere Faktoren beachten: Vor 40.000 Jahren schwankte das Klima stark, Kalt- und Warmphasen wechselten sich ab, was den Kohlenstoffgehalt der Atmosphäre beeinflusste und zu verfälschten Messungen führen kann. Ebenso gab es durch die Atombombenversuche im letzten Jahrhundert einen starken Anstieg von radioaktivem Kohlenstoff. Ende dieses Jahres startet der bisher größte Teilchenbeschleuniger der Welt: Tief unter der schweizerisch-französischen Grenze wird der Urknall und somit die Entstehung des Universums nachgestellt, um die kleinsten, noch unentdeckten Bestandteile der Materie zu finden. (kri/DER STANDARD-Printausgabe, 13.03.2007)

Thema der nächsten Ö1-Kinderuni:
"Sterben wir aus?",
Sonntag, 17.10 Uhr, auf Ö1 (http://oe1.orf.at)
und am Dienstag im STANDARD.
  • Mit dem bisher größten Teilchenbeschleuniger der Welt, der aus einem 24 Kilometer langen ringförmigen Tunnel besteht, wollen Wissenschafter den Urknall nachstellen.
    foto: epa

    Mit dem bisher größten Teilchenbeschleuniger der Welt, der aus einem 24 Kilometer langen ringförmigen Tunnel besteht, wollen Wissenschafter den Urknall nachstellen.

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