Kopflose Leiche: Prozessauftakt in Linz

13. März 2007, 16:54
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Mutter soll ihre 21-jährige Tochter erschlagen, geköpft und angezündet haben

Das wohl wichtigste Beweisstück in dem spektakulären Mordfall fehlt bis heute: Der Kopf von Sandra M.. Der enthauptete Leichnam der 21-jährigen Niederösterreicherin wurde am 16. Jänner von Straßenarbeitern bei Sarmingstein (Bez. Perg) in der Donau treibend gefunden. Die medizinischen Ermittlungen ergaben, dass die junge Frau durch einen Schlag auf den Kopf getötet worden war und anschließend ihre Leiche mit Benzin übergossen und angezündet wurde. Kopf und Hände trennte der Täter mit Messer, Hacke und Säge vom Torso.

Heute, Dienstag, muss die Mutter des Opfers auf der Anklagebank am Landesgericht Linz vor Richterin Katharina Neumayr Platz nehmen, Staatsanwalt Dietmar Gutmayer plädiert auf Mord. Die 42-Jährige soll ihre Tochter im Streit erschlagen und der Toten dann in einem Waldstück Kopf und Hände abgetrennt haben. Am Donauufer dürfte die Frau dann versucht haben, den Leichnam anzuzünden. Als dies misslang, habe die Mutter ihre tote Tochter in die Donau geworfen, so die Anklageschrift. Ein letzter Versuch von Verteidiger Andreas Mauhart,die Mutter mittels Gutachten für zum Tatzeitpunkt unzurechnungsfähig zu erklären, scheiterte vergangene Woche. Der Psychiater Reinhard Haller diagnostizierte eine "volle Verhandlungsfähigkeit".

Blut im Auto Identifiziert werden konnte Sandra M. erst nach mehreren Tagen via ORF-Sendung. Ein Tätowierer erkannte die auffälligen Rücken-Tattoos des Mordopfers als sein Werk und informierte die Kriminalisten. Unmittelbar darauf wurde die Mutter, die bis heute die Tat leugnet, verhaftet. Zahlreiche Indizien würden aber, so die Anklage, für die Schuld der Niederösterreicherin sprechen. So hätte die Mutter behauptet, ihre Tochter sei für mehrere Monate nach Südamerika zu einem Indianerstamm gereist. Verdächtig schien den Kriminalisten aber, dass die 21-Jährige ihr Handy zurückgelassen hatte. Nur kurze Zeit später meldete sich dann ein Tankwart, der angab, die Frau habe jene Benzinkanister, die am Tatort gefunden wurden, bei ihm mit Benzin gefüllt. Eine entsprechende Rechnung fanden die Ermittler später im Haus der Angeklagten. Schließlich konnten die Fahnder auch noch Blutspuren im Kofferraum des Autos der Mutter sicherstellen.

Für Verteidiger Mauhart ist trotzdem noch unklar, wie Sandra M. zu Tode gekommen ist. Es erscheine auch durchaus plausibel, dass sich das Opfer selber umgebracht habe und es sich daher "lediglich Störung der Totenruhe" handle. Anzunehmen ist, dass die Angeklagte, die derzeit auf einer geschlossenen Abteilung der Linzer Landesnervenklinik Wagner Jauregg untergebracht ist, wenig zur Tat sagen wird. Zu Wort kommen dürften in dem für vier Tage anberaumten Geschworenenprozess eher die Gutachter.

Zum Prozessauftakt wird in erster Linie die schwierige und von permanenten Streitigkeiten geprägte Beziehung zwischen Mutter und Tochter im Vordergrund stehen. Auskunft soll da vor allem der Vater des Mordopfers geben, der neben Bekannten am ersten Prozesstag geladen ist. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 13.03.2007)

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