Ein Zwischenruf - Von Volker Kier
Am 7. März bemühte sich Susan McCaw, US-Botschafterin in Wien, an dieser Stelle um eine Korrektur des Bad-Guy-Images der USA in Sachen Klimaschutz ("Der amerikanische Klima-Freund").
Wenn ich mich recht erinnere, haben die USA seinerzeit das Kyoto-Protokoll zwar unterschrieben, dann aber - inzwischen war George W. Bush ins "Weiße Haus" eingezogen - nicht ratifiziert. Offenbar hatte sich die neue Administration davon überzeugen lassen, der US-Wirtschaft emissionssenkende Investitionen ersparen und ihr dadurch Wettbewerbsvorteile verschaffen zu können. Genau in diese Richtung argumentiert folgerichtig Susan McCaw, US-Botschafterin zu Wien, wenn sie feststellt, dass in den Jahren 2000 bis 2004 der Ausstoß von Treibhausgasen auf Seiten der USA lediglich um 1,3% angestiegen, jener der ursprünglich EU-15 hingegen um 2,4%. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass während dieses Zeitraums die amerikanische Wirtschaft um rund € 1,46 Mrd. (also fast $ 1,8 Mrd.) gewachsen sei.
Leider aber sind diese Daten für die Argumentation der Frau Botschafterin nur beschränkt von Wert. Der Vergleich von Zuwächsen des Ausstoßes von Treibhausgasen ist nämlich nur aussagekräftig, wenn sie auf die jeweilige Grundmenge bezogen werden. Zuletzt lag nämlich der Energieverbrauch der USA pro Kopf der Bevölkerung um mehr als 66% über jenem der EU-15 und immerhin noch um 39% über dem OECD-Durchschnitt. Noch dramatischer ist ein diesbezüglicher Vergleich des Energieverbrauchs pro Einheit des Bruttonationalprodukts: Die diesbezüglichen Werte der USA übertreffen jene der EU-15 um rund 105% und der OECD 86%.
Wenn also die USA von einem wesentlich höheren Verbrauchsniveau ausgehend einen Emissionsanstieg von nur 1,3% zu verantworten haben, so sind ihre Werte zwar langsamer gewachsen, haben aber in realen Mengen stärker zugenommen als in Europa!
Der Versuch von Susan McCaw, die hierzulande vorherrschende Einschätzung zu widerlegen, die amerikanische Regierung nehme das Problem des Klimawandels nicht ernst genug, Europa hingegen leiste zur Verringerung des Treibhauseffekts wesentlich mehr als die USA, hält also einer Überprüfung nicht stand.
Übrigens: Die Zahl jener US-Bundesstaaten und -Gouverneure, die ganz offensichtlich mit der Umweltpolitik der Bush-Administration ähnlich unzufrieden sind wie etwa die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, wächst rasant... (Volker Kier, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.03.2007)
Zur Person
Volker Kier, ehemals Nationalratsabgeordneter des Liberalen Forums, ist Unternehmensberater in Wien.