"Weniger Auto fahren, mehr fliegen"

11. April 2007, 13:50
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Tim Clark, CEO von Emirates Airline, hält im STANDARD-Interview nichts von Umweltminister Josef Prölls Forderung, auf Fernreisen zu verzichten

STANDARD: Österreichs Umweltminister forderte jüngst die Bevölkerung auf, keine Fernflugreisen mehr zu machen, um die Umwelt zu schonen.

Clark: Ich finde die Diskussionen, dass die Luftfahrt die Umwelt zerstört, ermüdend. Die EU peilt eine Reduzierung der Autoabgase auf 120 Gramm CO2 Ausstoß pro Kilometer an (derzeit liegt der Wert bei 136 Gramm, Anm.). Moderne Flugzeuge stoßen heute im Vergleich 80 Gramm aus.

STANDARD: Was halten Sie von solchen Forderungen?

Clark: Man muss den Leuten sagen, sie sollen weniger mit dem Auto fahren und mehr fliegen, da das umweltschonender ist. Diese Herren verstehen nicht, welch treibende Kraft die Luftfahrt für die Weltwirtschaft ist. Zudem kommen mit der Boeing 787 oder dem Airbus A350 noch effizientere Flugzeuge auf den Markt. Und man bedenke: Es hat immer wieder Hitze- und Kälteperioden auf der Erde gegeben. Dass eine globale Erderwärmung stattfindet, ist für mich kein geprüftes Faktum.

STANDARD: Wie ist Emirates mit der Destination Wien zufrieden?

Clark: Wien folgt exakt dem Muster von München oder Zürich, wo wir bereits zweimal täglich hinfliegen. In Wien sind wir "the new kids on the block". Wenn wir wo neu beginnen, müssen wir zuerst die Aufmerksamkeit des Marktes wecken und diesen Markt sozusagen "aufbrechen". Ist das geschehen, geht es weiter. Wir werden künftig mit der größeren Boeing 777 oder zweimal täglich von Dubai nach Wien fliegen. Ich wünschte, wir könnten das schnellstmöglich tun. Aber dafür haben wir zu wenige Flugzeuge.

STANDARD: Wo immer Emirates landet, löst dies enorme Aufmerksamkeit aus. Welche neuen Ziele sind etwa in Europa geplant?

Clark: Wenn Sie unser Streckennetz betrachten, sehen Sie, wo wir noch nicht sind: Kiew, Warschau, Bukarest, Stuttgart, Berlin usw.

STANDARD: Wann erreicht Emirates das Ende des Wachstums?

Clark: Ich glaube, das Ende des Wachstums wird nicht in meiner Periode erreicht werden. Wenn wir so weiterwachsen wie bisher, wird Emirates bald global sein. Andere Gesellschaften folgen uns und werden auch, wie wir, zu so genannten Super-Carriern. Wichtig wird sein, den "Emirates-Spirit" auch in Zukunft weiterzutragen. Die Leute werden uns dabei genau beobachten. Gelingt uns das nicht, haben wir versagt. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.03.2007)

Zur Person
Seit über 20 Jahren ist der Brite Tim Clark bei Emirates Airline tätig, seit Juli 2003 als Präsident und CEO. Nahosterfahrung sammelte der Ökonom mit Abschluss von der London School of Economics zuvor schon zehn Jahre lang in Bahrain bei Gulf Air.
  • Emirates CEO Tim Clark:
Mehr Kapazität für Wien –
aber Flieger fehlen.
    foto: standard/emirates

    Emirates CEO Tim Clark: Mehr Kapazität für Wien – aber Flieger fehlen.

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