Industriechefs warten weitere Entwicklung ab

24. Juli 2000, 17:18

Chefs jener Unternehmen, die teilweise oder zur Gänze der Bank Austria gehören, beurteilen Auswirkungen des Deals gelassen


Claudia Ruff

Wien - Die Industriekapitäne, deren Unternehmen teilweise oder zur Gänze der Bank Austria gehören, beurteilen den Bankendeal und dessen Auswirkungen auf die jeweiligen Unternehmen gelassen. Sie alle wissen seit Jahren, dass es das erklärte Ziel der Bank Austria (BA) ist, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und Nicht-Bank-Beteiligungen abzugeben. Konkrete Verkaufsverhandlungen gibt es derzeit nur bei Lenzing und der Immobilientochter Örag.

Wienerberger-Chef Erhard Schaschl, sieht keine unmittelbaren Auswirkungen auf seinen Konzern, an dem die Bank Austria mit rund 30 Prozent beteiligt ist. An einen ad- hoc-Verkauf dieses Anteils glaubt Schaschl nicht, und "im Übrigen brauchen sich gute Unternehmen davor nicht zu fürchten". Er wertet den Schulterschluss von Bank Austria und HypoVereinsbank als "interessante Lösung, weit blickend und vorausschauend".

Semperit-Chef Rainer Zellner sieht ebenfalls keine unmittelbaren Folgen für sein Unternehmen, an dem die Bank Austria 25 Prozent hält. Je stärker der Kernaktionär, desto lieber ist es ihm, dadurch ergäben sich gewisse Möglichkeiten, die man sonst nicht hätte. Als hervorragend verdienende Firma brauche er sich vor einem Verkauf nicht zu fürchten.

Der Generaldirektor der zu 37 Prozent der Bank Austria gehörenden Baufirma Porr, Horst Pöchhacker, verweist ebenfalls darauf, dass ein Verkauf des Anteils bereits seit langem Ziel der Bank ist. Vielleicht wird die neue Bankenehe diesen noch beschleunigen, so Pöchhacker. Ein Verkauf an einen unliebsamen Konkurrenten sei aber durch das bestehende Syndikat (BA, Wiener Städtische, Ortner-Gruppe und GTM) ausgeschlossen. Die HypoVereinsbank habe jedenfalls seinen Informationen zufolge keine Baubeteiligungen.

Verkaufsgerüchte

Bei der Baufirma Universale, die zur Gänze der CA und damit der Bank Austria gehört, ortet Vorstand Martin Neidthart ebenfalls keine besonderen Auswirkungen auf das Unternehmen. Ob es unter den neuen Bank-Austria-Eigentümern nun doch zu einem Verkauf kommt, könne er nicht beurteilen. Im Übrigen sei er der ewigen Verkaufsgerüchte um die Universale schon müde.

Oberbank-Generaldirektor Hermann Bell meinte, es sei völlig irrelevant, wer die Minderheitsanteile halte. Die BA ist seit der Übernahme der CA an den drei Regionalbanken mit jeweils rund 30 Prozent beteiligt. Deutlich über 50 Prozent sind in festen Händen. Bisher habe die Drei- Banken-Gruppe noch von jeder Großfusion profitiert.

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