"PDF ist noch ein Teenager"

20. März 2007, 15:37
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Adobe geht gelassen in Wettbewerb mit Microsoft-Format XPS - Gespräch mit PDF-Architekt Jim King

Microsoft hat in Windows Vista die Unterstützung für ein neues Dateiformat eingebaut, mit dem der Software-Marktführer in Konkurrenz zum verbreiteten PDF-Format tritt. Das PDF-Unternehmen Adobe blickt dem Wettbewerb mit der "XML Paper Specification" (XPS) gelassen entgegen, nimmt den Konkurrenten aber auch nicht auf die leichte Schulter: "Jedes Mal wenn Microsoft etwas unternimmt, muss man das ernst nehmen, allein schon deswegen, weil es ein so großes Unternehmen ist", sagt Jim King, der bei Adobe als "PDF-Architekt" tätig ist.

Meilenstein

Als Microsoft im November vergangenen Jahres die Spezifikation für XPS 1.0 fertig stellte, feierten dies die Entwickler als einen großen Meilenstein für Microsoft und die ganze Branche. Bei Windows sei es schon immer darum gegangen, Dokumente für den Bildschirm und den Druck optimal aufzubereiten, erklärt XPS-Mitentwickler Andy Simonds in seinem Blog mit Blick auf die Darstellung von XPS als "PDF-Killer". "Ich kann mir schon vorstellen, wie sich diese Technologie in den vor uns liegenden Jahren entwickeln wird."

In Vista ist die XPS-Unterstützung von vornherein integriert

Wie bei PDF geht es auch bei XPS um die Möglichkeit, digitale Dokumente originalgetreu zu betrachten und auszudrucken, ohne dass man die Software benötigt, mit der das Dokument erstellt wurde. Im Unterschied zu PDF ist XPS eine Umsetzung von XML, folgt also der "Extensible Markup Language" und damit dem allgemein anerkannten Standard für den Umgang mit elektronischen Dokumenten. XPS bietet Hyperlinks, Volltextsuche und digitales Copyright-Management (DRM). In Vista ist die XPS-Unterstützung von vornherein integriert, für XP ist das .NET-Framework 3.0 erforderlich. Außerdem gibt es einen gesonderten "Viewer" – bisher allerdings nur für Windows (ab XP), während PDF auf allen Betriebssystemen zu Hause ist. Erstellt werden XPS-Dateien mit den Anwendungen in Office 2007 – dafür muss zunächst ein Plugin heruntergeladen und installiert werden, mit dem sich Dokumente dann wahlweise als PDF oder XPS speichern lassen.

"PDF ist weit mehr als nur ein Papierersatz"

PDF-Architekt King erklärt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP, dass XPS noch ganz am Anfang stehe – etwa auf dem gleichen Entwicklungsstand wie PDF im Jahr 1993. "PDF ist weit mehr als nur ein Papierersatz", sagt der Adobe-Experte mit Blick auf die im "Portable Document Format" enthaltenen Funktionen für interaktive Formularangaben oder für die Zusammenarbeit im Team. Außerdem verweist er auf die Stellung des PDF-Formats als weltweit verbreiteter De-Facto-Standard. Der Prozess der ISO-Standardisierung wurde kürzlich in die Wege geleitet. Eine Google-Suche nach PDF-Dokumenten im Web ergibt 248 Millionen Treffer, während man XPS-Dateien noch mit der Lupe suchen muss. "Warum wollen Sie da etwas anderes?" fragt King.

Künftig

Die Antwort könnte für manche lauten, dass XPS rundum XML ist und deswegen auf lange Sicht Zukunftssicherheit verspricht. XML sei allerdings nur für die nackte Darstellung der Daten auf Code-Ebene wichtig, während es bei PDF nicht zuletzt ums optische Layout gehe, erklärt King dazu. Jedoch habe auch Adobe zu Testzwecken eine reine XML-Umsetzung des PDF-Formats entwickelt und sei gespannt auf Rückmeldungen. Dieses "Mars-Projekt" bietet ein Plugin für die PDF-Software Acrobat 8, mit dem sich PDF-Dokumente in einem ZIP-Archiv speichern lassen, das dann mehrere einzelne XML-Dateien enthält. Ähnlich funktionieren auch die XML-Formate von Office-Anwendungen. (Von Peter Zschunke/AP)

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