Deutsche Oper lässt es weiter krachen: Schlingensief, Netrebko und Garanca

20. März 2007, 13:04
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Nach "Idomeneo" setzt das Berliner Haus auf große Namen und selten gespielte Werke

Berlin - Nach dem Skandal um die Absetzung von Mozarts "Idomeneo" setzt die Deutsche Oper Berlin in der nächsten Saison auf selten gespielte Werke und große Namen. Programmatisch steht die Spielzeit unter dem Motto "Das Heilige in unserer Zeit". Christoph Schlingensief, der mit seinem Bayreuther "Parsifal" für Schlagzeilen gesorgt hatte, führt Regie bei den "Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna" des von den Nazis verfolgten Komponisten Wolfgang Braunfels (1882-1954). Schlingensief habe versichert, dass "es eine seriöse Arbeit" wird, betonte Intendantin Kirsten Harms am Montag bei der Vorstellung der Saison 2007/2008.

Harms war im vergangenen Jahr wegen der "Idomeneo"-Absetzung wegen später nicht bestätigter islamistischer Bedrohungen heftig kritisiert worden. In der Produktion von Hans Neuenfels werden am Ende die Figuren von vier Religionsstiftern, darunter auch Mohammed, geköpft. Nach Protesten war die Oper unter Polizeischutz wieder zwei Mal gespielt worden. Sie steht in der kommenden Spielzeit nicht im Programm.

"Traviata" mit Netrebko

Am größten der drei Berliner Opernhäuser sind acht Premieren vorgesehen. Zu den bekanntesten Künstlern zählen die Sopranistin Anna Netrebko, die in einer laufenden Inszenierung von "La Traviata" singen wird. Weitere Stars sind Elina Garanca, die als "Octavian" zusammen mit Christine Schäfer ("Sophie") im "Rosenkavalier" singen wird sowie der Tenor Marcelo Alvarez in "Tosca". Der argentinische Tenor José Cura wird bei einem Symphoniekonzert sein Debüt als Dirigent an der Deutschen Oper geben.

Harms wird die selten aufgeführte Kurzoper "Cassandra" von Vittorio Gnecchi (1876-1954) sowie Richard Strauss' "Elektra" inszenieren, die an vier Abenden gemeinsam aufgeführt werden sollen. Zu den Neuproduktionen zählen auch Eugen d'Alberts "Tiefland" (Regie: Roland Schwab), Verdis "Aida" (Christopher Alden), "Der Fliegende Holländer" von Richard Wagner in der Regie von Tatjana Gürbaca, einer Schülerin von Götz Friedrich und Ruth Berghaus. Geplant ist außerdem eine konzertante Version von Rossinis "La Donna del Lago" sowie Gershwins "Porgy and Bess".

Braunfels gehörte in den zwanziger Jahren unter anderem dank seiner Oper "Die Vögel" zu den erfolgreichsten deutschen Komponisten. Seine "Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna" entstanden zwischen 1938 und wurden erst im Jahr 2001 erstmals konzertant aufgeführt.

Überschuss erwirtschaftet

Mit einem Überschuss von knapp 1,4 Millionen Euro habe die Deutsche Oper nach langer Zeit finanziell wieder Tritt gefasst, sagte Harms. Die Stärke des Hauses sei das 34 Werke zählende Repertorie. Davon werden 26 Opern in der nächsten Saison gezeigt. "Die Zeit der Opernzerredungsdiskussion ist vorbei", sagte Harms mit Blick auf den Streit um die Berliner Opernstiftung als Dach für die drei Musiktheater der Hauptstadt. (APA/dpa)

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