"Massenmord wurde erst durch banale Menschen möglich"

20. März 2007, 15:40
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Thomas Kretschmann spielt Adolf Eichmann: Er war nicht teuflisch, sondern "einfach nur kalt und gleichgültig"

Köln - Hollywood-Schauspieler Thomas Kretschmann hat die Rolle des Nazi-Verbrechers Adolf Eichmann erst nach längerem Abwägen übernommen. Der 44-Jährige sagte in einem Interview des Kölner "Express": "Ich habe sogar lange mit mir gerungen - rund ein Jahr. Ich war nicht sicher, ob ich wirklich in so eine Haut schlüpfen möchte." Er habe zugesagt in der Hoffnung, dass der Film nicht mit der Feststellung abgetan würde "Ach, hat der Kretschmann mal wieder 'nen Nazi gespielt".

Beide letzten Lebensjahre von Eichmann werden beleuchtet

Der Film "Eichmann" handelt von den letzten beiden Lebensjahren des von israelischen Agenten in Argentinien aufgespürten Nazi-Verbrechers, der Hitlers Koordinator der so genannten Endlösung und damit verantwortlich für die Ermordung von sechs Millionen Menschen war. Kretschmann sagte: "'Eichmann' will zeigen, dass das Massenmorden erst durch banale Menschen möglich wurde." Es sei ein Film für die Aufklärung, "vor allem aber eine Verbeugung vor den Opfern; denn diese dürfen wir niemals vergessen".

Eichmann sei nicht teuflisch gewesen: "Er war einfach nur kalt und gleichgültig", sagte der Schauspieler. Auf die Frage, ob ihn die Rolle auch nach Drehschluss beschäftigt habe, antwortete Kretschmann, er betrachte die Schauspielerei mit einer gewissen Nüchternheit: "Ich bin ein Gesichts- und Körper-Verleiher." Der Film wurde im Jänner abgedreht. (APA/AP)

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