Skepsis der Österreicher gegenüber der EU steigt

26. Juli 2000, 10:16

Nur ein Drittel sieht Mitgliedschaft positiv - Schweden und Briten sind noch skeptischer

Grafik: APA
Brüssel - Immer weniger Österreicher sehen in der EU-Mitgliedschaft ihres Landes einen Nutzen. Dies geht aus einer "Eurobarometer"-Umfrage hervor, die am Montag in Brüssel vorgestellt wurde. Glaubten zu Ende des Vorjahres noch 45 Prozent der Österreicher, eine EU-Mitgliedschaft bringe konkrete Vorteile für das Land, so fiel dieser Anteil nunmehr auf 34 Prozent. Österreich rangiert damit EU-weit an drittletzter Stelle: Weniger Vorteile einer EU-Mitgliedschaft ihres Landes sehen derzeit nur Schweden und Briten.

Generell beurteilt derzeit jeder dritte (33 Prozent) Österreicher die EU-Mitgliedschaft als insgesamt positiv. Ende 1999 äußerten sich noch 41 Prozent positiv. Die stärkste Zustimmung erhält die Union in Irland und Luxemburg (jeweils 75 Prozent), in Irland werden auch die Vorteile der Mitgliedschaft am höchsten bewertet (86 Prozent). Im EU-Schnitt hielten 49 Prozent der Befragten die Mitgliedschaft ihres Landes für eine gute Sache (minus 2 Prozent).

Unter dem EU-Durchschnitt

Auch in Einzelbereichen der europäischen Integration ist die Zustimmung der Österreicher zur EU in den vergangen sechs Monaten gesunken. Das Vertrauen in die Europäische Kommission sank um sechs Prozentpunkte auf nunmehr 40 Prozent, die Unterstützung für den Euro um zehn Prozentpunkte auf nunmehr 48. Einer gemeinsamen EU-Außenpolitik stimmen immerhin noch 63 Prozent der Österreicher zu (minus drei Prozentpunkte), einer gemeinsamen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik 61 Prozent (minus vier Prozentpunkte).

Nahezu unverändert ist die Einstellung der Österreicher zur Osterweiterung: Für 77 Prozent (Ende 1999: 76 Prozent) ist sie keine vorrangige Aufgabe. Für eine europäische Verfassung sprechen sich 65 Prozent der heimischen Befragten aus. In allen abgefragten Bereichen liegt die Zustimmung der Österreicher zur EU damit unter dem Durchschnittswert in der Union.

Durchgeführt wurde die Eurobarometer-Umfrage, die im September im vollen Wortlaut veröffentlicht wird, im April und Mai dieses Jahres. Befragt wurden EU-weit über 16.000 Personen.

Ferrero-Waldner Skepsis ist Folge der Sanktionen

Für Außenminister Benita Ferrero-Waldner (V) hängen die negativen Umfragedaten "sicher mit den Sanktionen zusammen", wenngleich sie selber die Umfrage noch nicht im Detail kenne. Sie habe genau diese Tendenz vorhergesagt.

Die Außenministerin appellierte erneut an die 14 EU-Partner, die Sanktionen nach Vorliegen des Berichts der drei Weisen so rasch wie möglich aufzuheben. "Ich glaube es wird jetzt Zeit", so die Ministerin

(APA)

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