Internet nimmt bei Spielsucht massiv zu

21. März 2007, 10:37
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Anonyme Spieler Salzburg: Gefolgt von Sportwetten und Automaten - Glücksspiel ist männlich dominiert

"Glücksspiel ist männlich dominiert, und die Männer beginnen früh zu spielen." In den westlichen Ländern liege die Spielsucht nach dem Alkoholismus an zweiter Stelle, erklärte der Präsident des Vereins Anonyme Spieler Salzburg (ASS), Gerald Granig, am Montag bei einem Pressegespräch in Salzburg, wo er den Tätigkeitsbericht 2006 präsentierte. Massive Zuwächse gebe es beim Internetspiel, gefolgt von den Sportwetten und den Automaten, so Granig.

315 Mal kontaktiert

2006 wurde der Verein ASS 315 Mal kontaktiert, im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit fanden 277 Kontakte statt. Der kontinuierliche Besuch der Selbsthilfegruppe wird von 15 bis 20 Personen pro Woche wahrgenommen, die Homepage wurde 25.629 besucht, erläuterte der ASS-Präsident. Von den Klienten waren 68 Prozent Glücksspieler (2005: 71 Prozent), 32 Prozent Angehörige (2005:29 Prozent). 61 Prozent der Glücksspieler waren Männer und 31 Prozent Frauen. Bei 37 Prozent beginnt die Glücksspielproblematik vor dem 18. Lebensjahr und bei neun Prozent schon vor dem 14. Lebensjahr.

Beim Spielen nehmen Internetspiele massiv (27 Prozent im Jahr 2006, 17 Prozent 2005), allerdings sei es schwer Daten zu überprüfen. Übertroffen werden könnte diese Sucht noch von der Computerspielsucht. "Sportwettcafes schießen wie die Pilze aus dem Boden und agieren als Tarnmantel, um illegales Automatenspiel zu forcieren." Nach Spielart gegliedert liegen die Sportwetten mit 43 Prozent an der Spitze, gefolgt vom Casino mit 40 Prozent, Karten bzw. Angebote der privaten Pokercasinos mit 32 Prozent, Automaten mit 32 Prozent und Glücksspielen via Internet mit 27 Prozent. Begonnen werde oft in der Trafik - beispielsweise mit Brief- oder Rubbellosen.

"87 Prozent des Klientels sind verschuldet und zwar im Durchschnitt mit 35.245 Euro"

Die Spielsucht gehöre zur kostenintensivsten Sucht und gehe oft einher mit der Beschaffungskriminalität - hier vor allem durch Betrug und Veruntreuung sowie schweren Raub. "87 Prozent des Klientels sind verschuldet und zwar im Durchschnitt mit 35.245 Euro", so Granig. Der ASS-Präsident kritisierte unter anderem auch, dass Geld im Casino leichter zu bekommen sei: Beim Bankomat könne man pro Tag nur 400 Euro beheben, im Casino jedoch 1.200 Euro. Außerdem sollte die Polizei mehr beim illegalen Glücksspiel von der Beschlagnahme (Automaten und Spieltische) Gebrauch machen. Hoch sei auch die Suizidgefahr bei den Spielern, allerdings gebe es hier keine Untersuchung.

Der Verein ASS möchte mit der Universitätsmedizin "Charite Berlin" zusammenarbeiten und ein längerfristiges Programm sowie eine Datenerhebung vornehmen. "Untersuchungen über Suchterkrankungen sind nämlich mangelhaft", stellte die Leiterin der Charite, Sabine Grüsser-Sinopoli, fest.(APA)

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