Wo das Wachstum keine Grenzen kennt

16. März 2007, 07:00
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Nach BRIC zieht eine neue Zauberformel die Anleger in den Bann: „N-11“ bzw. die „Nächsten Elf“ - von Christian Scheid

Hinter der Bezeichnung verbergen sich Schwellenländer, denen Volkswirte glänzende Wachstumsperspektiven einräumen. Gehen Sie mit uns auf die Weltreise durch diese Staaten. Wir sagen Ihnen, welche Regionen uns besonders aussichtsreich erscheinen und mit welchen Zertifikaten Sie die gesamte „Elf“ oder ausgewählte Einzelmärkte abdecken können.

BRIC ist noch nicht alles

Mit der Erfolgsformel BRIC konnten Anleger in den vergangenen Jahren traumhafte Gewinne erzielen. Berühmt geworden ist auch der Begründer des BRIC-Konzepts Jim O`Neill. Der Chefvolkswirt von Goldman Sachs suchte vor fast sechs Jahren nach neuen Bausteinen für die Weltwirtschaft und fand sie in der Bezeichnung BRIC, die er als Abkürzung für die Wachstumsriesen Brasilien, Russland, Indien und China verwendete. Börsianer aus aller Welt reagierten auf O`Neills These vom Aufstieg der BRIC-Länder zu Wirtschaftssupermächten begeistert. Und tatsächlich rückte das Quartett – allen voran China – den etablierten Industrienationen schon gehörig auf den Pelz. Der hemdsärmlige Ökonom gab sich damit aber noch nicht zufrieden. In einer weiteren Studie fragte er „Are there more BRICs out there?“ – gibt es draußen noch mehr BRICs? Die Antwort lieferte er gleich mit: Ja, es gibt sie. Und wieder hat O`Neill dafür eine passende Abkürzung gefunden: „N-11“.

Die neue Zauberformel für das Depot

„N-11“ – das steht für „Next Eleven“ oder die „Nächsten Elf“. Sie haben eines gemeinsam: Wachstumspotenzial. Wie schon bei der BRIC-Studie war auch hier die Größe der Bevölkerung das Hauptkriterium von O`Neill und seinem Team. Daneben wurden aber auch noch weitere volkswirtschaftliche Faktoren untersucht. Dies waren beispielsweise die Verschuldung, die Inflationsrate oder auch die Verbreitung von Computern. Dies erleichterte die Einschätzung, ob die Staaten ökonomisch zu der „ersten Welt“ aufschließen können. Das Ergebnis ist erstaunlich: Neun der „N-11“-Länder haben die Voraussetzung bis zum Jahr 2050 den Sprung unter die „Top 20“ der Wirtschaftsnationen zu schaffen.

No-Go-Area Iran

Bei der Auswahl von den „N-11“-Ländern griff der Chefökonom von Goldman Sachs auch zu gewagten Thesen. So findet sich auf der Liste mit dem Iran ein Land, das seit der Wahl von Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten im Jahr 2005 politisch und wirtschaftlich im Abseits steht. Auch die Börse im Hochhaus in der Teheraner Hafez Avenue stöhnt unter den Unwägbarkeiten der Tagespolitik sowie dem sich verschärfenden Ton im Atomkonflikt. Der Leitindex der Teheran Stock Exchange „Tepix“ stürzte in den vergangenen zwei Jahren von 14.000 auf unter 10.000 Punkte ab. Von diesen Verlusten dürfte glücklicherweise so gut wie kein deutscher Privatanleger betroffen gewesen sein. Die Abschottung des Landes sowie zahlreiche Reglementierungen für ausländische Investoren hielten die Emittenten davon ab, das ehemalige Perserreich in ein Zertifikat „zu packen“.

Auch Bangladesch bleibt außen vor Ein weißer Fleck auf der Zertifikate-Landkarte ist auch noch das „N-11“-Mitglied Bangladesch. Die von Überschwemmungen geplagte indische Nachbarrepublik zählt mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von lediglich 447,00 US-Dollar und einer Analphabetenquote von mehr als 40 Prozent zu den ärmsten Ländern auf dem asiatischen Kontinent. Auch wenn Bangladesch über zwei Aktienbörsen verfügt, scheuen ausländische Investoren aus Angst vor Rechtsunsicherheit, Regulierungswut und Korruption davor zurück, Geld in das Land zu pumpen. Eine Firma aus Bangladesch hat es allerdings zu Weltruhm gebracht. Es ist die Grameen-Bank, besser bekannt als die „Bank der Armen“. Das Institut und sein Gründer, Mohammad Yunus, haben den letztjährigen Friedensnobelpreis erhalten.

Was Sie beachten sollten

Mit Iran und Bangladesch können „Emerging Markets“-Fans mangels Investierbarkeit sowie fehlender Perspektiven schon einmal zwei Länder von der „N-11“-Watchlist streichen. Was bleibt, ist ein Potpourri aus neun reizvollen Schwellenländern, die jedoch nicht über einen Kamm geschert werden dürfen. Zu groß klaffen die Lücken – etwa zwischen einem fast schon etablierten Staat wie Südkorea und einem von Milizen und Banden zermürbten Land wie Nigeria. Bevor wir Ihnen ausgewählte Zertifikate auf die aussichtsreichsten „N-11“-Länder vorstellen, möchten wir Sie kurz auf einige grundlegende Aspekte bei Investments in Schwellenländer hinweisen. Punkt 1: Für Anlagen in diesen „Emerging Markets“ ist eine gesunde Portion Risikobereitschaft unerlässlich. Zwar werden vereinzelt auch Teilschutz-Zertifikate oder sogar kapitalgarantierte Produkte auf Wachstumsländer angeboten. Doch während sich bei den zuerst genannten etwaige Sicherheitspuffer schnell als Makulatur erweisen können, haben die meisten Kapitalschutz-Produkte den Nachteil, die Renditechancen zu begrenzen bzw. die Performance nach oben einzuschränken. Dabei ist es doch gerade die Aussicht auf überproportionale Gewinne, die den Reiz solcher Investments ausmacht.

Im 2. Teil: Endlos-Zertifikate sind die erste Wahl

Endlos-Zertifikate sind die erste Wahl

Punkt 2: Anlagen in Schwellenländer sollten nie als Kernelement, sondern lediglich als Beimischung eines Depots verstanden werden. Ansonsten droht das Gesamtrisiko Ihres Portfolios aus dem Ruder zu laufen. Punkt 3: Der Anlagehorizont sollte von vorne herein langfristig gewählt werden, um durch temporäre Schwankungen, die in Wachstumsländern sehr extrem ausfallen können (siehe Kurseinbruch in Shanghai), nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Am besten lassen sich die genannten Punkte mit Endlos-Zertifikaten umsetzen. Sie ermöglichen es Ihnen, in einem angemessenen Volumen sowie mit unbegrenzter Partizipation breit und langfristig in Schwellenregionen zu investieren.

Die erste Station ist Mexiko

Zu unseren Favoriten unter den „N-11“-Kandidaten gehört Mexiko. Im Windschatten der USA hat sich die Wirtschaft des Aztekenstaates in den letzten Jahren mit Wachstumsraten zwischen vier bis fünf Prozent gut entwickelt. Die Grundlage dafür lieferte die in den letzten zehn Jahren rasant vorangetriebene wirtschaftliche Liberalisierung, die zu zahlreichen Freihandelsabkommen unter anderem mit den USA und Kanada (NAFTA) führte. Mittlerweile nimmt die Wirtschaft Mexikos den zwölften Rang unter den größten Volkswirtschaften weltweit ein. In seiner Studie geht Jim O`Neill davon aus, dass die Mittelamerikaner bis zum Jahr 2050 sogar bis in die „Top 5“ der Wirtschaftsmächte vorrücken könnten. Die Voraussetzungen hat das Land. Vor allem die geographische Nähe zu den USA und die vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten sollten den Aufstieg fördern. Auf eine gleichfalls rasante Entwicklung blicken die Kurse an der Bolsa Mexicana de Valores zurück. An Mexikos Börse schnellte der 35 Aktien umfassende Leitindex IPC seit Beginn 2006 von rund 16.000 auf bis zu 29.000 Punkte nach oben, bevor der weltweite Kursrutsch dem Höhenflug Ende Februar ein jähes Ende bereitete und das Börsenbarometer wieder unter die 26.000-Zähler-Marke drückte.

Mexikos Blue Chips sind eine Sünde wert

Weil der IPC charttechnisch derzeit etwas angeschlagen ist, dürfte es ratsam sein, eine Bodenbildung abzuwarten. Ist diese erfolgt, können Sie mit dem „Open End“- Zertifikat auf den IPC (ISIN DE 000 GS0 J2K 9) von Goldman Sachs auf Mexikos Blue Chips setzen. Das Produkt ist zwar nicht währungsgesichert, dafür fällt der Spread mit lediglich 0,6 Prozent im Vergleich zu IPC-Produkten anderer Emittenten sehr günstig aus. Weitere Gebühren fallen nicht an, dafür werden Dividenden nicht in den Index reinvestiert. Die drei größten Werte im IPC sind der Telekomriese America Moviles, der Handelskonzern Wal Mart de Mexico sowie die Baufirma Cemex. Zusammen kommen sie auf ein Gewicht von rund 45 Prozent. Das Klumpenrisiko darf also nicht unterschätzt werden.

Im 3. Teil: Absturzgefahr am Hindukusch

Absturzgefahr am Hindukusch

Reisen wir von Mittelamerika nach Zentralasien. In Pakistan regiert Präsident Pervez Musharraf mit harter Hand. Das Land ist bei uns vor allem aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage zu Afghanistan bekannt. Was nur wenige wissen: Pakistan befindet sich schon seit Jahren auf einem marktwirtschaftlichen Reformkurs – mit durchaus beachtlichen Erfolgen. Mit dem „Open End“ S&P Pakistan Top 15 Total Return Index-Zertifikat (ISIN NL 000 081 298 0) von ABN AMRO können Anleger an einem Korb aus 15 ausgewählten Aktien aus Pakistan partizipieren. Dividenden fließen in das nicht währungsgesicherte Produkt mit ein. Auch wenn der pakistanische „KSE 100“ in den vergangenen zwei Jahren zu den am besten performenden Indizes innerhalb der Schwellenländer gehörte, zeigt unser Daumen für Pakistan nach unten. Zwar kooperiert die Regierung in Islamabad mit den USA im Kampf gegen Terroristen, das kann aber nicht über die starken fundamentalislamistischen Tendenzen in der Bevölkerung hinwegtäuschen. Musharraf wandelt auf dünnem Eis: US-Nachrichtendienste halten eine Revolte bzw. einen Umsturz jederzeit für möglich.

Auf großer Fahrt nach Indonesien

Unter den „N-11“-Staaten befinden sich auch zwei große Inselreiche: Indonesien und die Philippinen. Indonesien ist gemessen an den Einwohnern die viertgrößte Nation der Welt. Das Land ist reich an Bodenschätzen und besitzt bedeutende Vorkommen an Bauxit, Gold, Silber, Diamanten und Uran. Außerdem ist Indonesien der weltweit drittgrößte Produzent von Zinn. ABN Amro hat sich des Vielvölkerstaats im östlichen Indischen Ozean angenommen und bereits im Mai 2004 ein „Non Quanto“ Endlos-Zertifikat (ISIN NL 000 040 016 6) auf zehn ausgewählte indonesische Aktien auf den Markt gebracht.

Noch nicht reif für die Insel

Seit Auflegung im Mai 2004 hat sich der Kurs des Produkts zwar verdoppelt, im Vergleich mit den Traumrenditen anderer „Emerging Markets“ nimmt sich die Performance jedoch eher bescheiden aus. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Die indonesischen Inseln werden regelmäßig von Unruhen (Stichwort: Osttimor) und terroristischen Anschlägen (Stichwort: Bali) erschüttert. Die Regierung in Jakarta scheint machtlos. Bei einem Gemisch von 300 verschiedenen Völkern fühlen sich die Indonesier eher ihrer Religion – 86 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an – als dem Staat verpflichtet. Ein Spiegelbild des immer wieder kehrenden Chaos liefert die Entwicklung des indonesischen Leitindex LQ45, dessen Chartbild von extremen Ausschlägen gekennzeichnet ist. Wie Pakistan halten wir auch Indonesien – trotz seiner nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Erfolge – für ein äußerst riskantes Zielgebiet für Investments. Unser Tipp: Hände weg!

Auf zu einem anderen Inselparadies

Wesentlich erfreulicher sehen die Perspektiven im zweiten Inselstaat aus. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten präsentieren sich die Philippinen als moderne und stabile Demokratie. Die in diesem Zeitraum konsequent vorangetriebene Liberalisierung hat dem Land einen beachtlichen Aufschwung beschert. Die historisch enge Bindung an den westlichen Kulturkreis und die große Zahl an gut ausgebildeten, englischsprachigen Arbeitskräften machen die aus rund 7.100 Inseln bestehende Republik für ausländische Investoren zu einem attraktiven Standort. Es ist daher kein Zufall, dass gerade Zukunftsmärkte wie die Informationstechnologie und IT-gestützte Dienstleistungen zu den wichtigsten Wachstumsbranchen auf den Philippinen zählen. Selbst der kritische Internationale Währungsfonds (IMF) lobte das Land für seine wirtschaftlichen Reformen und seine „starke ökonomische Performance“. Die passende Anlage dazu kommt von der Deutschen Bank: Mit dem „Open End“-Zertifikat auf den „MSCI Philippines“- Index (ISIN DE 000 DB6 HDF 8) können Sie auf eine Fortsetzung der Aufwärtstrends an der Börse Manila setzen. Das Zertifikat ist nicht währungsgesichert, dafür wird der Index durch den Indexanbieter MSCI regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten. Gebühren fallen nicht an, allerdings werden keine Dividenden angerechnet. Der Spread beträgt drei Prozent.

Im 4. Teil: Kurs auf den südostasiatischen Kontinent

Kurs auf den südostasiatischen Kontinent

Von den südostasiatischen Tigerstaaten haben es lediglich Südkorea und Vietnam auf die „N-11“-Liste geschafft. Obwohl Südkorea den Sprung zu einer Exportmacht bereits geschafft hat, heißt unser Favorit Vietnam. Das einst getrennte Land ist nach China die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft Asiens. Auslöser des Booms ist die „Doi Moi“ – die vor 20 Jahren eingeleitete Politik der Erneuerung. Inzwischen ist Vietnam der weltweit zweitgrößte Kaffee- und Reisexporteur. Neben dem Reichtum an Bodenschätzen dürfte das Land auch von der kürzlich erfolgten Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO profitieren.

In Vietnam macht die LBB das Rennen

Unglücklicherweise ist der vietnamesische Kapitalmarkt stark reguliert und durch mangelnde Liquidität gekennzeichnet. Ein Zertifikat auf den „Ho-Chi-Minh“-Leitindex, der übrigens mit einem Plus von 196 Prozent im vergangenen Jahr der Überflieger des Jahres war, gibt es daher nicht. Die Landesbank Berlin hat dennoch einen Weg gefunden, um an den Wachstumschancen des Landes zu profitieren. Im Gegensatz zum „Vietnam Top Select“-Zertifikat (ISIN DE 000 DB6 GSC 5) der Deutschen Bank und dem „Vietnam TR Index“-Zertifikat (ISIN DE 000 DWS 0GB 2) von DWS GO beschränkt sich das „Vietnam Opportunity“-Zertifikat (ISIN DE 000 LBB 1XG 8) der Berliner nicht nur auf ausgewählte vietnamesische Aktien, sondern enthält darüber hinaus auch Beteiligungen an nicht börsennotierten Gesellschaften bzw. Start-Ups sowie eine Cash-Komponente. Damit ist dieses Produkt zwar riskanter und weniger transparent, dafür wird das Entfaltungspotenzial des Landes besser wiedergegeben. Für das bis November 2016 laufende „Non-Quanto“-Zertifikat fällt eine faire jährliche Managementgebühr von einem Prozent an, die Geld/Brief-Spanne liegt bei 1,6 Prozent.

Südkorea als konservative Alternative

Wem Vietnam wegen möglicher Kapitalverkehrskontrollen bzw. Beschränkungen für ausländisches Kapital, über die derzeit in der Presse spekuliert wird, zu heiß ist, sollte besser mit dem „N-11“-Nachbarstaat Südkorea vorlieb nehmen. Eine Möglichkeit dazu bietet das „End-los X-pert Index“-Zertifikat (ISIN DE 000 372 142 9) der Deutschen Bank auf den KOSPI 200, dem Leitindex des Landes. Das „Non Quanto“-Produkt bildet Südkorea breit ab und ist mit einem Spread von 0,8 Prozent vergleichsweise günstig. Der KOSPI 200 ist ein Kursindex, Dividenden werden also nicht berücksichtigt. Als Ausgleich verzichten die Deutschbanker auf eine Managementgebühr.

Im 5. Teil: Afrika hat mehr zu bieten als nur Klischees

Afrika hat mehr zu bieten als nur Klischees

Afrika – darüber gibt es zwar jede Menge filmische Schmachtfetzen, aber kaum Zertifikate. Dabei haben die Goldman Sachs-Analysten mit Ägypten und Nigeria gleich zwei „N-11“-Länder auf dem Kontinent ausfindig gemacht. Als besonders spannend, wenngleich nicht unriskant, erachten wir Ägypten. Das Schwellenland im Norden Afrikas verfügt über bedeutende Unternehmen aus dem Industrie-, dem Tourismus- und dem Agrarsektor. Ein besonderer Vorteil ist die zentrale Lage des Landes, die Handelsbeziehungen über alle Kontinente – Europa, Afrika und Asien – erleichtert. Unlängst weilte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Staatsbesuch in Kairo und knüpfte dabei auch wirtschaftliche Kontakte.

Aufschwung im Schatten der Pyramiden

Nach der deutlichen Korrektur vor Jahresfrist schickt sich auch die ägyptische Börse wieder an, ihre alten Hochs zu erklimmen. Mit dem „Open end“ Ägypten-Zertifikat (ISIN NL 000 004 799 1) von ABN Amro lässt sich auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends im Land der Pharaonen setzen. Das Produkt partizipiert am CASE 30, dem Leitindex der Börse Kairo. Zu den Schwergewichten gehören mit Orascom Telecom (Anteil: 34 Prozent) und Telecom Egypt (13 Prozent) zwei Telekommunikationskonzerne. Neben diesem Klumpenrisiko tragen Anleger auch die Gefahr von religiösen Konflikten, obwohl das Land als vergleichsweise stabil gilt. Ein weiterer Nachteil: Bei dem nicht währungsgesicherten Produkt gehen die Dividenden verloren, da es sich beim CASE 30 um einen Kursindex handelt. Außerdem fällt der Spread mit 3,6 Prozent ziemlich happig aus. Dafür entfallen Managementgebühren.

Reiches Nigeria, armes Nigeria

Nigeria ist mit knapp 150 Mio. Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Auch an naturgegebenem Reichtum fehlt es dem Staat nicht, trotzdem leben rund 45 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Dieser Widerspruch ist schnell erklärt: Nigeria verfügt über enorme Vorkommen an Rohöl und steht an zehnter Stelle der erdölfördernden Länder. Leider liegt darin auch das Übel, denn um die Profite aus der Ölförderung wird mit grausamer Gewalt gekämpft. Die Folge sind bürgerkriegsähnliche Zustände. Dazu kommen Korruption, Bandenterror und ethnische Konflikte zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, findet im „Afrika Opportunity“-Zertifikat (ISIN DE 000 LBB 1Y0 8) der Landesbank Berlin ein Produkt, mit dem sich zumindest eine „kleine Portion“ Nigeria ins Depot holen lässt. Der Anteil von nigerianischen Unternehmen steht zwar noch nicht fest (das Zertifikat befindet sich noch in der Zeichnungsphase), dürfte aber nur gering bemessen sein. Der Hauptanlageschwerpunkt liegt eindeutig auf Südafrika – womit das Produkt keine reinrassige „N-11“-Anlage ist.

Im 6. Teil: Unsere „N-11“-Reise endet in der Türkei

Unsere „N-11“-Reise endet in der Türkei

Die letzte Station auf unserem Zertifikate-Trip durch die „N-11“-Staaten ist die Türkei. Der mögliche Beitritt des Landes am Bosporus zur Europäischen Union ist in den EU-Mitgliedstaaten zwar heftig umstritten. Mit der Empfehlung zur Aufnahme sendete die EU-Kommission allerdings ein deutliches Signal Richtung Ankara und honorierte damit den eingeschlagenen Reformprozess des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Aber auch ohne EU-Phantasie bietet die Türkei eine reizvolle Investmentstory. Das ehemalige Osmanenreich wächst fast doppelt so schnell wie die EU-Staaten und hat in den vergangenen Jahren auch das große Sorgenkind der Wirtschaft, die hohe Inflation, zumindest begrenzt. Wer in ein ökonomisch und politisch gefestigtes Schwellenland investieren will, trifft mit der Türkei eine gute Wahl.

Der ganze Stolz der Türkei in einem Zertifikat

Unser Favorit für ein Investment in das eurasische Land ist das „ISE National 30 Open End“-Zertifikat (ISIN NL 000 046 000 4) von ABN Amro. Das nicht währungsgesicherte Endlos-Papier partizipiert am ISE, der die 30 größten Aktiengesellschaften des Landes enthält. Der Leitindex der Börse Istanbul geriet zwar im vergangenen Jahr aufgrund neuer Inflationsängste unter Druck, hat sich zuletzt aber dank guter Konjunkturdaten wieder gefangen. Wie nahezu bei allen Index-Zertifikaten ist auch das Produkt der Niederländer nicht währungsgesichert. Der Spread beträgt moderate 1,2 Prozent. Auf Dividenden müssen die Anleger verzichten, dafür entfällt eine Managementgebühr.

Im 7. Teil: Auf die geballte „N-11“-Power setzen

Auf die geballte „N-11“-Power setzen

Wie gesehen fiel unsere Bewertung für die einzelnen Länder sehr unterschiedlich aus. Nicht oder kaum investierbar sind der Iran, Bangladesch und Nigeria. Zu riskant erscheinen uns Pakistan und Indonesien. Verhalten positiv sind wir für Südkorea, Ägypten und die Türkei gestimmt. Am meisten trauen wir aber den Philippinen, Mexiko und (spekulativ) Vietnam zu. Was bleibt, sind die typischen Länderrisiken. Diese lassen sich durch geschickte Diversifikation reduzieren. Wer sich diese Arbeit ersparen will, findet auf dem Markt derzeit zwei Zertifikate, die auf gebündelte „N-11“-Power setzen. Das von DWS GO emittierte endlose „N-11“-Zertifikat (ISIN DE 000 DWS 0GG 1) basiert auf einem „Total Return“-Index, der von DWS aktiv gemanagt und von Standard & Poor’s berechnet wird. Derzeit umfasst er 22 Titel aus acht Schwellenländern (nicht berücksichtigt wurden Iran, Bangladesch und Nigeria). Den höchsten Anteil haben dabei mexikanische und südkoreanische Aktien.

Die Deutsche Bank hat das bessere Konzept

Dividenden werden bei der DWS zwar reinvestiert, dennoch kann uns das Produkt nicht überzeugen. Abgesehen von der hohen Managementgebühr von jährlich 1,8 Prozent stört uns vor allem die geringe Anzahl der Unternehmen, die im Index enthalten sind. Im statistischen Mittel gehen für jedes Land nur 2,75 Unternehmen an den Start. Als repräsentativ kann diese Anzahl nicht bezeichnet werden. Besser macht es der DWS-Mutterkonzern, die Deutsche Bank. Der Großbank ist mit ihrem „S-BOX N-11 Index“-Zertifikat (ISIN DE 000 DB0 N11 5) eine Glanznummer gelungen. Wie beim DWS-Produkt sind auch hier anfänglich keine Unternehmen aus dem Iran, Bangladesch und Nigeria vertreten. Die Gewichtung der verbleibenden Länder orientiert sich am erwarteten Wirtschaftswachstum. Die Faustformel dafür lautet: Je besser die Prognose, desto höher ist das Gewicht. Als Basis dafür dienen die halbjährlichen Wachstumsschätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Geringere titelspezifische Risiken

Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dem ökonomischen Umfeld eines jeden Landes Rechnung tragen zu können. Gleichzeitig ist sichergestellt, dass die aussichtsreichsten Märkte besonders stark im Index vertreten sind – was wiederum die Performancechancen erhöht. Ein weiteres Argument: Halbjährliche Anpassungen sorgen dafür, dass der „S-BOX N-11“-Index immer auf dem neuesten Stand bleibt. Aus jedem Mitgliedsland werden anschließend die fünf nach Marktkapitalisierung größten heimischen Aktien ausgewählt, wobei eine Marktkapitalisierung von mindestens 500 Mio. US-Dollar vorausgesetzt wird. Dieser Logik folgend befinden sich anfänglich 40 Standardwerte aus acht „N-11“-Ländern im Index. Damit ist der Basiswert hinsichtlich der titelspezifischen Auswahl deutlich breiter aufgestellt als die Variante der DWS. Auch bei der Managementgebühr liegt die Deutsche Bank mit einem jährlichen Satz von 1,5 Prozent etwas niedriger. Lediglich bei den Dividenden hat das „S-BOX N-11 Index“-Zertifikat das Nachsehen, da es sich hier um einen Kursindex handelt, der Ausschüttungen nicht berücksichtigt. Allerdings sind die Dividenden in vielen Schwellenländern sehr gering.

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