Gas geben zur Aufholjagd

15. März 2007, 07:00
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Beim neuen Zertifikat der Landesbank Berlin setzen Anleger auf die Kursdifferenz zwischen Stamm- und Vorzugsaktien des Autokonzerns VW - von Christian Scheid

Um kaum eine Aktie aus dem DAX ranken sich derzeit so heiße Spekulationen wie um Volkswagen. Übernimmt der Sportwagenbauer Porsche den Konzern? Fusioniert das Unternehmen mit MAN und/oder Scania? Oder haben Konzern-Lenker Martin Winterkorn und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ein weiteres As im Ärmel? Neben den Gerüchten sorgen aber auch die Fundamentaldaten für steigende Kurse: Volkswagen übertraf mit seinen 2006er-Zahlen die Erwartungen der Analysten. Der Umsatz stieg um 11,6 Prozent auf 104,9 Mrd. Euro, der operative Gewinn vor Sondereinflüssen sogar um 52 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro. Kein Wunder, dass sich der Wert der Aktie seit Jänner 2006 verdoppelte. Für Anleger, denen der Kurs der im DAX notierten VW-Stammaktien schon zu gut gelaufen ist, hat die Landesbank Berlin eine besondere Spekulation parat: Bei ihrem neuen Zertifikat setzen Investoren auf die Kursdifferenz zwischen Stämmen und Vorzügen (ISIN DE 000 LBB 1ZG 3).

Der Spread der Aktiengattungen ist auf historisch hohem Niveau: Lagen die Papiere Anfang 2006 nur 12,00 Euro auseinander, wuchs die Differenz nun auf rund 28,00 Euro an. Entsprechend attraktiv ist die Bewertung der Vorzüge. Ihr Kurs/Gewinn-Verhältnis für 2007 beträgt ca. zehn, das der Stämme 14. Allerdings hat der Abschlag Tradition: Da viele Institutionelle nur Stammaktien kaufen dürfen, griffen in der Vergangenheit oft nur Private zu den Vorzügen. Die Funktion des Zertifikats ist eher kniffelig: Am Emissionstag, dem 19. März, ermittelt die Emittentin den Spread – beispielsweise 28,00 Euro. Dazu wird der Emissionspreis von 30,00 Euro addiert und als Basis festgelegt (hier 58,00 Euro). Der Wert des Papiers berechnet sich aus der Basis abzüglich des Spreads. Fällt dieser während der Laufzeit von 28,00 auf 23,00 Euro, legt das Zertifikat kräftig zu: 58,00 minus 23,00 gleich 35,00 Euro.

Anleger profitieren also von einem engeren Spread. Weitet er sich dagegen auf 35,00 Euro aus, hagelt es Verluste: Das Zertifikat würde auf 23,00 Euro abstürzen. Möglich wäre sogar ein negativer Stand. Um diesen zu vermeiden, wird bei einem Wert des Zertifikats von zehn Euro, was einem Spread von 48,00 Euro entsprechen würde, die Position liquidiert und der Restwert den Anlegern ausgezahlt. Gerüchte sprechen dafür, dass die Spekulation aufgeht: Die Investmentbank Dresdner Kleinwort stellte die Überlegung an, Porsche decke sich mit Vorzügen ein, um seine Beteiligung zu erhöhen. Die Bank begründete dies mit einem hohen Handelsvolumen. Ganz von der Hand zu weisen ist die Annahme nicht. Porsche ist mit einem Stimmrechtsanteil von rund 27 Prozent größter Anteilseigner bei Volkswagen. Zudem ließen sich die Stuttgarter vom Aufsichtsrat eine Erhöhung des Anteils an Volkswagen bis auf 29,9 Prozent genehmigen. In Unternehmenskreisen wurden die Marktgerüchte jedoch zurückgewiesen.

Fazit: Eine heiße Spekulation. Analysten halten den Positionsaufstockung von Porsche genauso für möglich wie den Einstieg von Hedgefunds oder einem Zukauf von Aufsichtsratschef Piëch. Chancenorientierte Investoren zeichnen das marktneutrale Papier.

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