Federer ist doch nicht unschlagbar

30. März 2007, 21:59
63 Postings

Schweizer unterlag in Indian Wells Guillermo Canas mit 5:7 und 2:6 - Erste Niederlage nach 41 Erfolgen en suite, zwei Rekorde verpasst

Indian Wells - Die Jagd von Roger Federer nach gleich mehreren Tennis-Rekorden ist am Sonntag (Ortszeit) vom Argentinier Guillermo Canas abrupt gestoppt worden. Der Lucky Loser besiegte beim Masters-Series-Event von Indian Wells den mit einem Erstrunden-Freilos versehen gewesenen Schweizer in Runde zwei 7:5,6:2 und beendete damit dessen Serie von davor 41 Erfolgen. In Indian Wells hatte Federer in den vergangenen drei Jahren triumphiert.

Diesmal hatte er wie oft in seinen Auftakt-Partien leichte Anlaufprobleme, bekam es dabei aber mit einem hoch motivierten Gegner zu tun. Denn Canas' Ziel nach seiner im vorigen Sommer überstandenen 15-monatiger Dopingsperre ist es, so schnell wie möglich in die Top 20 zurückzukehren. Mittlerweile arbeitete sich der 29-Jährige von "Null" schon auf 60 vor, und nun geht es natürlich weiter kräftig aufwärts.

Sein Sieg war der erste eines Lucky Losers gegen eine Nummer eins seit der Niederlage des Steirers Thomas Muster in der 1. Dubai-Runde 1996 gegen den Australier Sandon Stolle. "In meinem ersten Masters-Series-Turnier nach der Sperre so zu spielen,", erklärte Canas nach seinem Erfolg, "ist wirklich großartig. Das gibt mir viel Selbstvertrauen."

Der "Gaucho" agierte gegen den nun schon die 163. Woche an der Spitze des Entry-Ranking platzierten Federer respektlos, attackierte vor allem dessen zweite Aufschläge. Da kam der zehnfache Grand-Slam-Sieger lediglich auf einen Prozentsatz von 36. So breakte der Südamerikaner im ersten Satz zweimal und war im zweiten Durchgang noch souveräner, als er sich keinem einzigen Breakball gegenüber sah.

Federer fabrizierte eine ungewöhnlich hohe Anzahl an unerzwungenen Fehlern, war mit seinem Spiel aber dennoch nicht unzufrieden. "So schlecht habe ich sicher nicht gespielt, daher ist die Niederlage okay", meinte er. "Denn Guillermo hat wirklich sehr gut gespielt. Ich habe meine Chancen ausgelassen und habe den Preis dafür gezahlt."

Trotz der Niederlage war Federer auf seine hingelegte Serie stolz. "Ich hatte einen unglaublichen Lauf, und in meiner ersten Runde habe ich seit mehr als zwei Jahren nicht mehr verloren. Also kann ich glücklich sein, früher oder später musste es passieren." Der Australian-Open-Sieger hat nun eine mehr als einwöchige Pause, ehe er ins Masters-Series-Turnier in Miami einsteigt. Auch dort ist er Titelverteidiger.

Canas ist der erst elfte Sieger gegen Federer, seitdem dieser am 2. Februar 2004 die Weltranglisten-Spitze übernommen hat. Die anderen sind Tomas Berdych (CZE), Albert Costa (ESP), Richard Gasquet (FRA), Tim Henman (GBR), Dominik Hrbaty (SVK), Gustavo Kuerten (BRA), Andy Murray (GBR), Rafael Nadal (ESP), David Nalbandian (ARG) und Marat Safin (RUS). Dabei gewann nur Nadal mehr als einmal, nämlich gleich sechsmal.

Federer war mit seiner Niederlage als Favorit an diesem 11. März in guter Gesellschaft, denn im Herren-Turnier schieden insgesamt 13 Gesetzte aus. So erwischte es Safin (Nr. 23) gegen Nicolas Mahut, wobei er gegen das erste Service des Franzosen nur fünf Punkte machte. Las-Vegas-Sieger Lleyton Hewitt (19.) unterlag dem Serben Janko Tipsarevic, der Australier war aber durch eine im ersten Game zugezogene Rückenblessur gehandicapt.

Beachtlich auch das 7:6,6:4 von Michael Russell gegen den Tschechen Tomas Berdych (11.). Der US-Wildcard-Spieler hatte vor diesem Turnier vier Challenger en suite bzw. 20 Matches gewonnen und schiebt sich nun schon unter die Top 70 vor. Ebenfalls gescheitert sind u.a. der Spanier Tommy Robredo (7.) und der Zypriote Marcos Baghdatis (17.).

Bei den Damen verlief in Runde drei vorerst alles programmgemäß. Die topgesetzte Titelverteidigerin Maria Scharapowa setzte sich gegen die Französin Nathalie Dechy 7:5,6:2 durch, Martina Hingis (3.) besiegte die Vorarlberger Qualifikantin Yvonne Meusburger 6:2,6:4 und die Serbin Jelena Jankovic (7.) behielt gegen die Deutsche Martina Müller die Oberhand.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Roger Federer geht als Verlierer vom Platz.

Share if you care.