Familie Jukic fliegt nicht mit zur WM

12. März 2007, 11:41
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Ein Großteil des Schwimmteams bricht am Montag zur WM nach Australien auf - Mirna, Dinko und Vater haben ausgeschlossen, dass sie mitfliegen

Wien - Keine Rede davon, dass sich die Wogen glätten. Insofern hat sich der Präsident des österreichischen Schwimmverbands (OSV) getäuscht. Paul Schauer war noch am Samstag, da die Schwimmer im australischen Pub Billabong am Wiener Parkring zusammensaßen, davon ausgegangen, dass Mirna Jukic den Flug nach Melbourne mit den anderen Schwimmern antreten würde. "Das tue ich nicht", sagte Jukic am Sonntag, "hundertprozentig nicht."

Das internationale Comeback von Mirna Jukic (20), die zweimal Europameisterin und WM-Dritte über 200-m-Brust war, ist schwer gefährdet. Mit ihr bleiben Bruder Dinko (18) und Trainervater Zeljko, man kann auch sagen, Mirna und Dinko bleiben mit ihrem Vater in Wien. Der liegt stellvertretend für den Verein SC Austria mit dem Landesschwimmverband Wien (LSV) im Clinch, man streitet um Bahneneinteilungen im Training, macht einander Vorwürfe, schreibt böse Briefe und prozessiert.

Einen für 15. März, also just zur WM-Zeit angesetzten Termin, hatte der LSV auf OSV-Druck verschoben, damit gibt sich Familie Jukic nicht zufrieden. "Es muss sich viel verändern", sagt Mirna Jukic, "es läuft seit fünf, sechs Jahren so viel falsch. Wenn ich jetzt zur WM fliege, bin ich unglaubwürdig. Unser Klub hatte im letzten Training wieder nur zwei Bahnen für zwanzig Schwimmer, daneben ist ein anderer Klub auf drei Bahnen mit zwölf Schwimmern. Verzichte ich auf die WM, laufe ich Gefahr, Förderungen und Sponsorengelder zu verlieren. Aber es geht nicht anders."

Mirna Jukic hofft, dass man sich seitens der Stadt Wien, vielleicht gar der Republik für sie und ihren Bruder einsetzt. Dinko sollte oder soll in Melbourne nicht zuletzt in der ersten OSV-Staffel schwimmen, die seit 1988 bei einem Großereignis zum Einsatz kommt. "Es kann nicht sein", sagt Mirna Jukic, "dass alle behaupten, ihnen seien die Hände gebunden. Schließlich steht doch der österreichische über dem Wiener Schwimmverband."

Sie schließt eine WM-Teilnahme noch nicht völlig aus, hält sich und dem Bruder eine Hintertür offen. Möglich, dass man den anderen noch hinterher fliegt. "Die Schwimmbewerbe beginnen ja erst in zwei Wochen." Und wenn sich in den nächsten Tagen gar nichts tut? "Dann hätte ich", sagt Jukic, "das Gefühl, man will nicht, dass ich für Österreich schwimme." Maxim Podoprigora, ebenfalls Austria-Schwimmer, betont zwar seine grundsätzliche Solidarität mit Familie Jukic, kann es sich "mit 28 aber nicht leisten, auf eine WM zu verzichten". (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 12.03.2007)

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