Schönes fremdes Land Schicksal

16. März 2007, 10:46
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Austria hat den Anschluss ans Glück geschafft, Sturm den Anschluss an den Fußball und beide Teams müssen sich keine Sorgen machen

Graz - Sturms Trainer Franco Foda war nach dem Ende des Spiels nicht wenig traurig. "Wir haben guten Fußball gespielt, aber wir haben keine Punkte dafür bekommen." Sturm Graz ist Letzter der T-Mobile Liga, ein Abergläubischer könnte der Ansicht sein, der Verein habe sein Schick-sal mit dem überstandenen Zwangsausgleich und der Fixierung der nächsten Lizenz ausreichend auf die Probe gestellt. Jetzt muss die Mannschaft mehr als guten Fußball zeigen, sie muss das Schicksal zwingen. Am Samstag war Christoph Leitgeb der einzige Sportler, von dem man den Eindruck gewinnen konnte, er sei auf dem Weg, ein Fußballer zu werden. Den Lohn der Mühe, freilich keineswegs des Spiels, nahm die Austria mit nach Hause. Eine missglückte Kopfabwehr von Lamotte genügte, Austrias Kapitän Jocelyn Blanchard sprintete in den auf ihn zurollenden Ball, knallte ihn flach ins linke Eck. 1:0 für die Austria, sie hat den letzten Platz abgegeben, und wenn sie, wie schon gegen Wacker Tirol und Rapid, auch weiterhin das Schicksal becircen kann, wird sie dort auch nicht mehr landen.

Georg Zellhofer, Austrias Trainer: "Das war ein sehr schweres Stück Arbeit. Gut gespielt haben wir heute nicht." Das ist noch untertrieben, die erste Halbzeit gehörte zu den miesesten Darbietungen, die Austria seit Langem ablieferte, die zweite war nicht viel besser, wenn auch einige Grundfertigkeiten wie Laufen angewendet wurden. Kiesenebner (verlor jeden Ball, bewegte sich wie ein Traummännlein), Standfest (Passes nach dem Zufallsprinzip), Mai (bei statischem Spiel kommen seine technischen Unfertigkeiten am besten zum Tragen), Gercaliu (er bemüht sich, aber er weiß nicht, was er tut), Tokic (wird schnell langsam) und Lasnik (wann hat er das letzte Mal einen Gegner überspielt?): so trostlos wie der Tabellenplatz am Beginn des Spiels.

Sturm spielte wie eine aufgeweckte Jungschartruppe, die sie ja auch ist. Die zwei Hineinhaudegen Ledwon und Verlaat (steht noch immer dort, wo ein Innenverteidiger stehen muss) hielten das Spiel zusammen und Leitgeb, Säumel, Rabihou und Krammer mischten die Austrianer ständig neu. Mario Haas ist eben Mario Haas, plus etliche Jahre dazu. Doch alle Schüsse (9.: Rabihou am langen Eck vorbei; Säumel 20.: drüber; 27.: Ledwon nach Safar-Patzer drüber; 61.: Haas aus der Drehung) blieben wirkungslos.

Die Entscheidung

In der 65. Minute zog Blanchard das erste Mal ab, es wirkte wie ein Verzweiflungsschrei über die Harmlosigkeit der Kollegen, die auch die zwei Tschechen Sverkos und Lafata nicht ins Spiel einbinden konnten. Drei Minuten später entschied er das Spiel mit einem Gewaltschuss.

Wenn Foda angesichts der animierten Vorstellung seiner Mannschaft "noch gut schlafen" kann, wie er sagt, so kann Zellhofer sich wenigstens auf die punktuell vorhandene Klasse seiner Spieler verlassen. Wie eben Blanchard und die zwei Tschechen. Von einem kompakten, zusammenhängenden, kultivierten oder gar inspirierten Spiel ist die Austria weiter weg als die Grazer Polizei von einem Verkehrskonzept (die schafft es nicht, dem Umleitungswirrwarr die Ampelschaltungen anzupassen). Zellhofer weiß, dass der Sieg über Sturm ein Schrittchen war, mehr nicht. Aber er scheint bis jetzt nicht imstande, der Mannschaft ein Spielkonzept zu oktroyieren.

Wahrscheinlich müssen sich beide Teams keine Sorgen machen. Altach fällt wie ein Stein. Und es mehren sich die Anzeichen, dass der GAK keine Lizenz schaffen wird. Die Liga muss die Lizenzierungszügel anziehen, um nicht den letzten Rest an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Gut möglich, dass die Meisterschaft nach der 36. Runde in einem Ligabüro fertig gespielt wird. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 12.03.2007)

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    Die Austria bejubelt sich. Nach dem 1:0 bei Sturm muss sie dazu aufwärts blicken.

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