Schulden der Schwellenländer verlieren Reiz des Abenteuers

20. April 2007, 12:23
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Starkes Wachstum und vernünftige Wirtschaftspolitik in vielen Schwellenländern macht deren Anleihen zunehmend attraktiv. Da das Risiko zurückgeht, sinken auch die Zinsen

Für Veteranen der vielen Finanzkrisen der Neunzigerjahre klingt es wie ein Hohn, aber Staatsanleihen der Schwellenländer wie Brasilien, Argentinien oder Russland gelten heute nicht nur als besonders profitable, sondern auch als sichere Anlageformen.

"Emerging-Market-Anleihen haben andere Papiere in den vergangenen zehn Jahren eindeutig geschlagen, und das Risiko ist nicht größer als bei Aktien", sagte Cathy Hepworth, Emerging-Markets-Strategin beim US-Finanzriesen Prudential Financial. "Die meisten Länder im Index sind bereits ,Investment Grade' und hängen nicht mehr so stark vom internationalen Kapital ab. Externe Schocks treffen ihre Volkswirtschaften daher nicht mehr so stark wie früher. Die Volatilität und vor allem die Ansteckungsgefahr durch andere Krisen nimmt ab."

Hepworth sprach in Miami auf der Investmentkonferenz der Privatbank Sal. Oppenheim (Österreich), die Prudentials "Emerging Markets Fixed Income Fund" im Inland vertreibt.

Mittelfristig rentabel

Selbst in den Krisenjahren wären die Papiere mittelfristig sehr rentabel gewesen, betonte Hepworth, denn die Rückschläge hätten nie länger als einige Monate angehalten. Nun würden die Anleihen zwar weniger als vor einigen Jahren bringen, weil der Zinsabstand zu US-Papieren gesunken ist (siehe Grafik), aber selbst im Vorjahr betrug die Rendite auf den JP-Morgan-EMBI-Global-Diversified-Index 9,9 Prozent.

Auch für die Zukunft bleibt Hepworth zuversichtlich. Starkes Wachstum in China und Indien, der "Rohstoff-Superzyklus", der vielen Ländern zugute kommt, und die Ausbreitung pragmatischer Wirtschaftspolitik auf allen Kontinenten spreche für eine positive Entwicklung von Anleihen aus Brasilien, Mexiko, Korea, Russland oder der Türkei. Dazu kämen hohe Sparquoten in diesen Ländern und eine wachsende Bereitschaft der Bürger, das Geld im eigenen Land zu lassen.

"In Brasilien sind die Währungsreserven auf 100 Milliarden Dollar gestiegen, und die Zentralbank muss intervenieren, damit der Real nicht zu stark wird", sagt Hepworth. "Aber auch in anderen Ländern liegt die Inflation unter sechs Prozent und sind die Budgets viel solider. Selbst ein Land wie Peru wächst 8,5 Prozent im Jahr. Die Regierenden mögen Populisten sein, aber sie wissen, dass sie vernünftig bleiben und die Inflation niedrig halten müssen." Viele dieser Staaten können in naher Zukunft mit einer Ratingverbesserung rechnen.

Auch der Linksruck in Lateinamerika macht Hepworth überraschend wenig Sorgen. Ihr Fonds investiert auch in Ecuador und Venezuela, wo zwar von einseitigem Zahlungseinstellungen gesprochen wird, doch dies nicht wirklich zu erwarten sei.

Lokale Währung

Selbst Länder wie Indonesien, die Philippinen und die Elfenbeinküste hätten Potenzial, wenig attraktiv seien hingegen Nigeria und Thailand, erklärte Hepworth.

Ihre wachsende Stärke erlaubt es immer mehr Schwellenländern, Schulden in der lokalen Währung aufzunehmen statt in US-Dollar. Diese Papiere bieten höhere Zinsen - und dank sinkender Inflation fantastische Realzinsen.

Ein oft verwendetes Argument für Schwellenländer-Schulden ist die geringe Korrelation mit anderen Märkten, was die Diversifizierung erleichtert. Doch als Ende Februar die globalen Aktienmärkte ins Rutschen kamen, waren auch diese Festverzinslichen betroffen. Auch in Zukunft wird man für "Emerging Markets" starke Nerven brauchen. (Eric Frey aus Miami, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.3.2007)

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    An der Börse von São Paolo gehen die Emotionen hoch. Die Wirtschaftsdaten Brasiliens geben Grund zum Jubeln.

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