"Preis für Bank Austria ist zu niedrig"

24. Juli 2000, 18:24

IHS-Experte: Potenzial unterbewertet - Wifo-Experte: Andere Banken in Österreich unter Druck

Wien - Der Preis, den die HypoVereinsbank mit einem Aktientausch im Verhältnis 1:1 für die Bank Austria zahle, liege am unteren Ende und spiegle nicht das strategische Potenzial, das die Bank Austria in die Fusion einbringe, wider, meint Christian Helmenstein, Finanzexperte des Instituts für Höhere Studien. Denn die BA sei viel mehr wert als zuletzt in den Börsennotierungen zum Ausdruck gekommen sei.

Die rund 30 Prozent Aufschlag, die das Tauschverhältnis für BA-Aktionäre gegenüber dem aktuellen Börsenkurs darstellten, würden allenfalls den Wien-spezifischen Abschlag kompensieren, unter dem die Kurse am illiquiden Finanzplatz litten, so Helmenstein. Eine strategische Bewertung könne da noch nicht enthalten sein, vor allem, wenn man sich die Beteiligungen der Bank ansehe.

Der Deal biete nun jedenfalls eine elegante Gelegenheit, die Bank endgültig aus dem staatlichen Einfluss zu lösen. Die Konstruktion der Gemeinde-nahen Anteilsverwaltung Zentralsparkasse (AVZ) als Eigentümer habe jetzt ihren Sinn verloren.

Grundsätzlich sei es aber sehr erfreulich, dass nun endlich in Europa auch grenzüberschreitende Banken-Fusionen möglich werden. Bisher habe sich die Konzentration im Finanzsektor ja vor allem innerhalb nationaler Grenzen abgespielt. Der bayerisch-österreichische Bankendeal sei auch nur ein Aufgalopp für weitere Entwicklungen, erwartet Helmenstein. Dass Österreich da von Anfang an dabei sei, sei ein positiver Aspekt.

Franz Hahn vom Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sieht die Bankenehe als "Initialzündung" für andere heimische Großbanken, einen strategischen Partner zu suchen. Die Bank Austria sei wegen ihres hohen Streubesitzanteils und aufgrund der Ertragsentwicklung ein potenzieller Übernahmekandidat gewesen. Es sei eine richtige Management-Entscheidung gewesen, einen passenden Partner zu wählen.

Die anderen österreichischen Großbanken, vor allem Erste Bank und Raiffeisen Zentralbank, müssten sich nun ebenfalls möglichst rasch nach einem starken strategischen Partner umsehen, wenn sie das Handeln weiterhin mitbestimmen wollten. "Sonst wird man übernommen", so Hahn. "Absurd" sei aber, dass alle österreichischen Banken im mittel- und osteuropäischen Raum reüssieren wollten. Vor allem für die Erste Bank und die RZB dürfte es in dieser Region immer enger werden.

Änderungen erwartet Hahn bei der Zwei-Marken-Strategie der Bank Austria, die für ihn einer der Gründe ist, warum die Fusion zwischen BA und Creditanstalt (CA) nicht so erfolgreich war. (jost/APA)

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