"Ich geh weg, zur Raiffeisenkasse"

24. Juli 2000, 17:54

Das Spektrum der Kundenreaktionen auf die Bankenfusion reicht von Gleichgültigkeit bis zur Ablehnung

Wien - Kunden der Bank Austria sehen die de-facto-Übernahme der Bank durch die bayerische HypoVereinsbank (HVB) zumeist mit wenig Emotion. "Größe einer Bank allein macht die Kunden nicht zufriedener", bringt ein großer Wertpapierkunde der Bank Austria die Meinung vieler Kunden auf den Punkt. Für aufgeklärte Kunden seien die Gebühren derzeit viel zu hoch, ob sie im größeren Bankenverbund nun sinken, werde sich zeigen. Die APA hat sich in und vor einigen Filialen der Bank Austria und der Creditanstalt (CA) umgehört:

Ad hoc erwarten sich die Kunden jedenfalls keine Vorteile. Kosteneinsparungen müssten erst durchgesetzt werden. Es werde aber dauern, bis Kunden davon profitierten.

Dass die Bank Austria zu einer Tochter eines bayrischen Bankkonzerns wird, stört die Kunden wenig. "Grundsätzlich ist mir egal, wem die Bank gehört", sagt ein Kunde. Er hätte sich allerdings eine "besser genährte" Mutter für die Bank Austria gewünscht. Dass die Bank Austria gerade mit einer der weniger profitablen deutschen Banken zusammen geht, hält er für nachteilig. Eine Schweizer oder US-Bank wäre vorteilhafter gewesen.

"Zur Raiffeisenkasse"

Ein treuer Kunde, er war bereits bei der Zentralsparkasse, hat von den Fusionen offenbar die Nase voll. Er sieht es keinesfalls positiv, dass die größte Bank Österreich nun in "ausländische Hände" kommt und erwartet einen größeren Druck aus dem Ausland. Der Herr in den besten Jahren äußerte heute jedenfalls die Absicht, die langjährige Bankverbindung zu beenden. "Ich gehe weg", sagte er. Nachsatz: "Zur Raiffeisenkasse". Eine Kundin erwartet sich zwar Vorteile, zeigt sich jedoch ebenfalls etwas enttäuscht darüber, "dass so viele Unternehmen von den Deutschen geschluckt werden".

Die meisten anderen Kunden im Kassensaal einer Bank Austria-Filiale sind von dem Deal relativ unbeeindruckt. Eine ältere Dame meint, es sei "egal", wem die Bank nun gehöre, sie bleibe jedenfalls der Filiale treu. "Bank ist Bank". Eine rund 20-jährige Frau teilt ihre Einstellung: "Mir ist das auch egal". Offenbar gute Erfahrungen mit Bayern hat eine Dame mit westösterreichischem Akzent gemacht: "Ich kenne die HypoVereinsbank schon." An ein Abbrechen der Bankverbindung mit der Bank Austria denkt sie daher auch nicht. (APA)

Share if you care.