Trial versus Einbauküche

15. März 2007, 17:00
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Dr. Redl gibt exklusive Trial-Nachhilfe - Damit sich Guido Gluschitsch in Zukunft nicht so oft ausbreitet - Mit Video-Beweis

"Geh, das kann ja nicht sein", sagt Dr. Redl am Telefon. "Die Aprilia und die BMW ausgebreitet. Wie kann man nur so ein Nudler sein?" Mir fehlen ein bisserl die Argumente. Weil ganz so viel Bodenkontakt wie ich meist habe kann nicht gut sein. Schotterallergie und Erdausschlag ? wie ich Schürfwunden und blaue Flecken nenne.

Dr. Redl hat aber eine Idee. Er bietet mir eine Nachhilfestunde im Trialgarten an. Im Trialfahren macht ihm keiner was vor.

Nur, wo eine Trial hernehmen? Da fällt mir nur einer an, den ich da anschnorren kann: Wolfgang "Lupo" Leitner. Der Trialgott bei BLM in Bruck an der Mur stellt mir binnen weniger Tage eine Gas Gas in die Nähe von Wien. "Aber hau sie mir bitte nicht zusammen, ich brauch sie noch", gibt er mir im Vertrauen noch mit auf den Weg. Ich weiß auch nicht, wie er da drauf kommt.

Dr. Redl hat mir ja verboten zu stürzen. Deswegen ja da Training. "Weil", sagt der Dr. Redl, "einbauen tumma Küchen!" Und das ist auch der wichtigste Leitsatz des Übungstages. Fotograf Sulzi hat leider absagen müssen. Er müsse sich dringend das Testbild im Fernsehen anschauen, oder seine Oma küssen ? ich hab vergessen, was jetzt wirklich seine Ausrede war. So gab es für die Reißerische kein Entrinnen. Sie musste mit um zu fotografieren. Recht glücklich war die Reißerische, als wir im Trialgarten ankamen. Denn es war kalt und windig.

Für den Anfang begnügte ich mich mit geradeaus Fahren. Dr. Redl hupft derweilen mit seiner Trial in der Gegend herum. Die Reißerische langweilt sich und friert. Dann fragt mich Dr. Redl, wann ich denn nun gedenke, ihm nachzufahren. Es bringe recht wenig, wenn er mir vorfahre und ich inzwischen am Parkplatz den Sputnik mache, wenn es hoch hergeht. "Dorthin fahren, wo dich die Reiben hinzaht, ist ja kein Kunststück." Ich schau mir einmal die kleine Runde an, die Dr. Redl mir vorgibt. Schaut ja babyleicht aus, wie wir weiland im Kindergarten sagten.

Wenn man aber mit dem Vorderradl auf die kleine Schupfen zeigt, über die der Dr. Redl grad drübergerollt ist, dann wirkt das wie ein unüberwindbarer Berg. Aber ich weiß jetzt schon, bevor ich die Auffahrt nehme, muss ich leicht ans Gas. Ich soll nicht auf Grip hoffen, sondern mit Schwung das Hügerl nehmen. Zu viel Schwung heißt aber, am höchsten Punkt abzuheben. Am höchsten Punkt abzuheben, heißt für mich auf den Schneidezähnen zu landen.

Nach vier oder fünf Redl-Runden nehm ich mir die erste Pause. Vielleicht sind inzwischen 20 Minuten vergangen. Meine Arme sind verkrampft und schmerzen. Ich nehme den Helm ab und dehne meine Pfoten. So schnell kann ich gar nicht schauen wie mir die Reißerische den Fotoapparat in die Hand drückt, sich den Helm krallt und mit der Gas Gas losbrettert. Wieso kann sie das und ich nicht? Sie steht von Anfang an richtig drauf und bewegt die Trial über Stock und Stein.

>>> 1:0 für Gluschitsch

Dr. Redl hüpft inzwischen wieder auf diversen Felsen herum. Nimmt Abfahrten, die ich zu Fuß nicht wagen würde. Und wenn er unten ist, sagt er "Wenn?s owe geht, geht?s aufe a", dreht um und fährt rauf. Es sieht aus, als wäre es die einfachste Übung der Welt. Außer man ist selbst dran mit Fahren.

Die Reißerische gibt mir gnädigerweise die Gas Gas wieder und ich übe weiter. Dr. Redl spielt sich inzwischen vor der Kamera. Wheely, Stoppie, Wheely, Stoppie. Und dann, ein Bild für Götter. Der Herr Doktor reißt seine Gas Gas aufs Hinterradl, ganz weit rauf und setzt sich auf den Allerwertesten. Ich bin noch nicht am Boden gehockert, der Redl schon.

1:0 für mich tatert ich sagen. Dr. Redl vermutet, dass er die Hinterradbremse ein wenig nachstellen muss, weil sie grad nicht gegriffen hat. Sonst hätte er die Gas Gas über die Bremse wieder runtergeholt. Der nächste Versuch klappt wieder. Er lernt ja schnell.

Ich lerne langsam. Sehr langsam. Die Reißerische, die mir bei jeder Gelegenheit die Gas Gas fladert fährt mir auch schon um die Ohren. Sie spielt mit dem Dr. Redl fangen und ich wiesel mit der Kamera hinterher. Aber wenigstens kann ich eines sagen: Ich bin nicht gestürzt. (Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Gabriele Fischer und Guido Gluschitsch, derStandard.at, 15.3.2007)

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BLM
  • Dr. Redl zeigt Gluschitsch seine beste Seite.
    foto: gluschitsch

    Dr. Redl zeigt Gluschitsch seine beste Seite.

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