Architektur schwebt schwerelos im Raum

20. März 2007, 13:42
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Das Festival "Turn on" lieferte einen Überblick über die heimische Architekturszene

Wien - Zum fünften Mal öffnete am Wochenende das ORF-RadioKulturhaus seine Pforten für das heuer von der Architekturstiftung Österreich veranstaltete Festival Turn on. An die 20 Architekten präsentierten ihre Bauwerke. Mit von der Partie waren u. a. AllesWirdGut, Hermann und Johannes Kaufmann, Boris Podrecca, Peter Lorenz, gerner°gerner plus, Gerhard Steixner, Heinz Tesar und Hertl.Architekten. Den internationalen Input lieferten das binationale Büro AS-IF berlinwien sowie das niederländische UNStudio.

Lassen sich der calvinistische Westen und der barocke Osten - so spricht zumindest die Architektenschaft, wenn sie Vorarlberg und Wien zu umschreiben sucht - gar unter einen Hut bringen? Wie jedes Jahr stellte Organisatorin Margit Ulama den Rednern die essenzielle Frage nach der Identität österreichischer Architektur. Doch der größte gemeinsame Nenner ward nicht gefunden.

Boris Podrecca stellte fest: "Heute steht oft das Branding im Vordergrund und nicht mehr das architektonische Produkt selbst, wie es früher der Fall war." Marie-Therese Harnoncourt schien dies zu bestätigen. Österreich sei in den vergangenen Jahren beispielgebend nach außen getreten. Der Tiroler Architekt Peter Lorenz brachte die Diskussion überhaupt auf den Punkt: "Ich frage mich, ob die Frage nicht obsolet ist. Als Architekt schwebt man irgendwo schwerelos im Raum. Vor allem, wenn man ein so nationalloser Architekt ist wie ich."

Ein Blick von außen sollte helfen. "In Österreich herrscht eine sehr große Vielfalt, das kann man an den unterschiedlichen Bundesländern und Kulturen ausmachen", erklärte Hubertus Adam, Redakteur des Schweizer Magazins Archithese, und setzte hinzu: "Doch es ist schwierig, eine Nationalpsychologie auf formaler Ebene zu generieren."

Heinz Tesar fasste das Architekturfestival zusammen: "Es hat keinen Sinn, das zu diskutieren, denn ein Spezifikum hat jede Architektur. Ob man sie jedoch an einem politischen Land festmachen kann, traue ich mich nicht zu sagen." Mit solchen Fragen habe man sich bereits in den 60er-Jahren herumgeschlagen - und scheiterte.

Bleibt der Eindruck eines soliden Architekturfestivals, in dessen Rahmen ein vielfältiger und wertvoller Überblick über die österreichische Szene geboten wurde. Nicht zuletzt wurde dies durch ein ebenso vielfältiges Publikum bestätigt, das sich nicht ausschließlich aus den üblichen Verdächtigen zusammensetzte. Sehr erfreulich. Doch vielleicht könnte man sich nächstes Jahr einer leichter zu beantwortenden Frage widmen. (Wojciech Czaja/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 3. 2007)

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