Ultimatum für deutsche Geiseln läuft ab

20. März 2007, 11:48
7 Postings

Entführer verlangen Abzug aus Afghanistan - Zweites Video auf Islamisten-Webseite GIMF

Berlin - Im Fall der beiden deutschen Geiseln im Irak gibt es nach Angaben der deutschen Bundesregierung auch am Tag des Ablaufs des Ultimatums keine Neuigkeiten. "Es gibt keinen neuen Stand", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Dienstagmorgen. "Die Bemühungen des Krisenstabes um die Freilassung der Geiseln bleiben unvermindert hoch."

Die 61-jährige Hannelore Krause und ihr Sohn Sinan waren am 6. Februar im Irak verschleppt worden. Die Entführer hatten in einem am 10. März veröffentlichten Video mit der Ermordung der Geiseln gedroht, falls die Bundeswehr nicht binnen zehn Tagen mit dem Abzug aus Afghanistan beginnt.

In einem Video, das auf der Webseite der "Globalen Islamischen Front" (GIMF) auftauchte, haben die Entführer von zwei Deutschen im Irak die Bundesregierung in Berlin unter Druck gesetzt. In dem am Samstag veröffentlichten Film kündigen die Entführer die Tötung der 61-jährigen Frau und ihres Sohnes an, wenn die Bundeswehr nicht binnen zehn Tagen mit einem Abzug aus Afghanistan beginne.

Die 61-Jährige flehte Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe an. Außenminister Frank-Walter Steinmeier nannte das Video "ein bedrückendes, ein erschütterndes Dokument". "Wir werden nichts unversucht lassen, um die beiden entführten Deutschen wieder gesund zu ihren Familien zurückzubringen." Zur Forderung nach dem Truppenrückzug, der auch in einer zweiten Botschaft von Islamisten am Samstag erhoben wurde, äußerte er sich nicht.

Deutschland dürfe sich nicht von Terroristen erpressen lassen, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag nach einem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai in Berlin gesagt. "Das ist bitter, aber so geht die Bundesregierung vor." Sie sei in großer Sorge, jedoch nicht erpressbar.

Im Irak sind in der Vergangenheit bereits mehrfach Deutsche entführt worden. Sowohl die Archäologin Susanne Osthoff als auch die beiden Leipziger Ingenieure Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke waren nach wochenlanger Geiselnahme freigekommen. Laut Medienberichten hatte die Bundesregierung dabei Lösegeld bezahlt. Auch in diesen Fällen hatten die Entführer zunächst politische Forderungen gestellt, die aber nicht erfüllt wurden. Ultimaten waren in beiden Fällen mehrmals verstrichen. (APA/Reuters, red, DER STANDARD, Printausgabe 12.3.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Erschütterndes Dokument": Mutter und Sohn flehen um Hilfe.

Share if you care.