Gans und Mensch "verdammt ähnlich"

11. März 2007, 15:18
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Zoologe Kotrschal: "Tiere sozial viel komplexer organisiert als bisher angenommen"

Linz - Gans und Mensch sind einander in mancher Beziehung "verdammt ähnlich". Zu dieser Erkenntnis ist Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau (Bezirk Gmunden) in Oberösterreich, gelangt. Das Team rund um den Zoologen hat 25 Graugänsen vor rund zwei Jahren Sonden implantiert und seitdem die soziale Interaktion an deren Herzschlag gemessen.

Dass sich die Herzfrequenz von Gänsen, die im Ruhezustand bei etwa 50 Schlägen pro Minute liegt, bei körperlicher Anstrengung stark erhöht, überrasche nur wenig, so Kotrschal. Dass aber das Herz von Tieren, die sich nicht bewegen und soziale Kontakte ihrer Artgenossen nur beobachten, in der Minute plötzlich 300 bis 400 Mal schlägt, hält der Forscher für hoch interessant: "Gänse sind sozial viel komplexer organisiert als bisher angenommen", betonte er im Gespräch mit der APA.

"Aufregend"

Man könne nun tatsächlich nachweisen, dass es auch bei Wirbeltieren eine emotionale Beteiligung an Verhaltensweisen gebe. Damit sei bewiesen, dass nicht nur Primaten und Menschenaffen über die Beziehungen Dritter Bescheid wissen, so Kotrschal. "Es ist aufregend, dass wir mit Vögeln identisch ticken."

Das Forschungsprojekt, an dem sich auch Kollegen aus dem Ausland beteiligt haben, lieferte noch eine weitere Erkenntnis: Da es auch unter Gänsen verschiedene Persönlichkeitstypen gibt - das eine Tier ist forsch, das andere verhält sich zurückhaltender -, gehen sie auch mit ihrem Energiehaushalt individuell um. Eines sei klar, erklärte der Zoologe: Ein guter Partner hilft dabei, Kräfte zu sparen. Auch bei den Graugänse gebe es ideale und weniger gut funktionierende Beziehungen. (APA)

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