Goldgruben in Osteuropa

12. März 2007, 23:59
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Die an der Wiener Börse notierten Schwerge­wichte kaufen sich groß in die neuen EU-Länder ein und erzielen kräftige Gewinne, institutionelle Anleger naschen fleißig mit

Nicht erst seit der EU-Mitgliedschaft der acht mittelosteuropäischen Staaten schauen österreichische Unternehmen Richtung Osten. Österreichs Wirtschaft orientiert sich schon seit den neunziger Jahren erfolgreich in diese Richtung.

Neben der geographischen Nähe zu Tschechien, Ungarn, der Slowakei oder Slowenien versteht sich Östereich als Drehscheibe zwischen Ost- und Westeuroa. Dabei kommen die historischen Bande zugute: schließlich sind die großen Wirtschaftsäume der ehemaligen K.u.K. Monarchie wieder unter einem Dach vereint.

Wie stark das Engagement österreichischer Unternehmen in den mittelosteuropäischen Ländern ist, beweist die Statistik. Nach einer Studie des Wiener Instituts für Witschaftsforschung (Wifo) hat die Wirtschaft Österreichs in den vergangenen Jahren 18,6 Milliarden Euro in den östlichen Wirtschaftsraum investiert, davon 14,1 Milliarden in die acht neuen EU-Länder. Mit einem Anteil von 15 Prozent ist Östereich einer der größten Einzel-Investoren.

"Nahezu alle großen Unternehmen und Konzerne Österreichs haben sich inzwischen in der Ostregion eingekauft. Dies schlägt sich auch in den Börsenergebnissen nieder", so Elke Cerny, Vermögens- und Versicherungsberaterin bei Save Your money. In den einzelnen Österreichfonds der Wiener Börse findet man immer wieder dieselben Big-Player in unterschiedlichen Gewichtungen, die am Gewinn mitnaschen lassen.

OMV

Die Dividende will die OMV für 2006 um 17 Prozent von 0,90 auf 1,05 Euro je Aktie erhöhen. Zum Betriebserfolg, der um fünf Prozent auf 2,061 Mrd. Euro zulegte, trug die rumänische OMV-Tochter Petrom mit 677 Mio. Euro einen signifikanten Beitrag bei.

Erste Bank

Die börsenotierte Erste Bank hat 2006 - nach neuerlich massiver Erweiterung des Bankgeschäfts in Osteuropa - ihre Ergebnisse wieder deutlich zweistellig angehoben. Auch die Aktionäre bekommen mehr Geld: Bei der Hauptversammlung am 31. Mai wird die Dividende von 55 Cent auf 65 Cent je Aktie angehoben.

Voriges Jahr hat die Erste Bank ihr Kapital erhöht. Die im Jahr 2006 ausgegebenen neuen Aktien sind für das gesamte Geschäftsjahr 2006 dividendenberechtigt. Erst seit Oktober 2006 ist die rumänische Großbank BCR (Banca Comerciala Romana) in die Bilanz einbezogen. Das Betriebsergebnis der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen stieg nach vorläufigen Zahlen um 20,7 Prozent auf 2,003 Mrd. Euro. Ohne BCR hätte der Betriebsgewinn um 15,3 Prozent zugelegt.

Verbund

Im Jahr 2006 konnte der Verbund seine internationalen Geschäftsaktivitäten weiter erfolgreich ausbauen. Das Unternehmen hat 25 Prozent am führenden unabhängigen Stromversorger Frankreichs, der Poweo S.A. sowie 40 Prozent am gemeinsamen Kraftwerks-Joint-venture Poweo Production SAS erworben. In Italien konnte das Verbund-Joint-Venture Sorgenia das 770-MW-Gaskraftwerk in Termoli in Betrieb nehmen. Mit dem Bau eines weiteren Gaskraftwerkes wurde begonnen, für zwei weitere konnten die erforderlichen Genehmigungen eingeholt werden. Darüber hinaus wurden im Jahr 2006 Tochtergesellschaften in Tschechien, der Slowakei und Rumänien sowie Joint-ventures in Griechenland und der Türkei gegründet. Für 2007 sind Gründungen von Tochtergesellschaften in Kroatien, Serbien und Mazedonien projektiert.

Raiffeisen International

Die Raiffeisen Bank, die 2002 mit der im Juli 2001 erworbenen Banca Agricola fusioniert wurde, nahm ihren Betrieb 1998 auf. Sie ist war zum Ultimo 2005 mit einer Bilanzsumme von 3,0 Milliarden Euro die drittgrößte Bank Rumäniens und mit 216 Geschäftsstellen landesweit präsent. Im Jahr 2005 verzeichnete das Privatkundengeschäft der Raiffeisen Bank signifikantes Wachstum: Zum Jahresende wurden knapp zwei Millionen Kunden gezählt; die Kredite stiegen um knapp 90 Prozent auf 516 Millionen Euro, die Einlagen um mehr als die Hälfte auf 517 Millionen. Mit der Raiffeisen Banca pentru Locuinte (Bausparkasse) hat die Raiffeisen Bank das Bank-in-Bank-Konzept eingeführt: In 88 Geschäftsstellen werden die Kunden speziell zum Thema Wohnraumfinanzierung beraten.

  • Bulgarien: Die Raiffeisenbank (Bulgaria) EAD nahm 1994 als erste vollständig im Eigentum befindliche Tochter einer westlichen Bank den Betrieb auf. Ihre Bilanzsumme verzeichnete 2005 ein Wachstum von 40 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro und entwickelte sich damit deutlich besser als der übrige Bankenmarkt. Die Bank liegt mit einem Marktanteil von 8,5 Prozent nach Bilanzsumme an vierter Stelle unter den lokalen Instituten. Sie verfügte zum Stichtag über 74 Geschäftsstellen mit mehr als 1.300 Mitarbeitern.

  • Slowakei: Die Bilanzsumme der Bank stieg 2005 um zwölf Prozent auf knapp 4,9 Milliarden Euro, sie war somit hinter der Raiffeisen Bank in Ungarn die zweitgrößte Bank des Raiffeisen International-Konzerns. Das Netzwerk der Tatra banka bestand zum Stichtag aus 136 Geschäftsstellen, in denen mehr als 500.000 Privatkunden und 2.100 Firmenkunden betreut wurden.Über Tochterfirmen werden weitere Dienstleistungen, unter anderem Leasing, angeboten.

  • Ungarn: Mit einer Bilanzsumme von 4,9 Milliarden Euro Ende 2005 ist sie die sechstgrößte Bank des Landes und größte im Raiffeisen International-Konzern. Die Raiffeisen Bank eröffnete im abgelaufenen Jahr 28 neue Geschäftsstellen (sechs davon in Budapest), die Gesamtzahl erhöhte sich damit auf 99. Per Ende 2005 wurden mehr als 300.000 Privatkunden (plus ein Drittel) und 26.000 Firmenkunden (plus 41 Prozent) betreut.

  • Bosnien Herzegowina: Die Raiffeisen International ist seit Juli 2000 in Bosnien und Herzegowina aktiv, als sie die damals mittelgroße aber hoch profitable Market banka akquirierte. Die Bank wurde in Raiffeisen Bank d.d. Bosna i Hercegovina umbenannt und war bereits 14 Monate später die größte Bank des Landes.

  • Polen: Die 1991 gegründete Raiffeisen Bank Polska konzentriert sich vor allem auf lokale Klein- und Mittelunternehmen sowie Privatkunden. Die Entwicklung der Bank ist sehr dynamisch: Zum Jahresende 2005 betreute sie 220.000 Privatkunden (um knapp die Hälfte mehr als Ende 2004) und 3.000 Firmenkunden in 83 Geschäftsstellen. Mit einer Bilanzsumme von 2,9 Milliarden Euro befindet sie sich auf Rang 12 der lokalen Banken.

    Die Leistungen der Raiffeisen Bank waren ausschlaggebend für zahlreiche lokale Auszeichnungen: So wählte sie die Gazeta Bankowa zur "Besten Bank 2005", und in der Forbes-Liste der besten Retail-Banken des Landes belegte sie Platz 2.

  • Weissrussland: Mit einer Bilanzsumme von 641 Millionen Euro zum 31. Dezember 2005 ist sie insgesamt die drittgrößte Bank des Landes und die größte Bank in Privatbesitz. Ihr wurde mit A1 das beste lokale Rating verliehen. Die Bank beschäftigt mehr als 1.800 Mitarbeiter in landesweit 43 Bankstellen. Die Zahl der Privatkunden wuchs 2005 um 10 Prozent auf 535.000. Unterstützt durch die Kreditkartenoffensive wurde 2005 die Anzahl von Kredit- und Debitkarten um knapp 40 Prozent auf insgesamt 390.000 gesteigert.

  • Russland: Die Raiffeisenbank Austria ist seit 1997 operativ. Ihre Bilanzsumme stieg 2005 um 86 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro, womit sie den zehnten Platz unter den russischen Banken einnahm. Das Erweiterungsprogramm in die Regionen wurde mit der Eröffnung von drei Geschäftsstellen in Ekaterinburg, Novosibirsk und Samara umgesetzt. In Moskau kamen vier, in St. Petersburg zwei weitere Geschäftsstellen hinzu, womit die Bank zum Jahresende über 27 Filialen verfügte. Auch 2005 setzte die Raiffeisenbank ihren erfolgreichen Weg fort und wurde ihrem guten Ruf als Anbieter qualitativ hochwertiger Dienstleistungen in allen Kundensegmenten gerecht. Die Zahl der von der Bank betreuten Firmenkunden erhöhte sich um ein Drittel auf 3.600 und das entsprechende Kreditvolumen stieg um drei Viertel auf 1,7 Milliarden Euro.

  • Albanien: Die ehemalige Banka e Kursimeve wurde von der RZB im April 2004 gekauft und ein halbes Jahr später umbenannt. Die Raiffeisen Bank ist die größte Bank des Landes. Zum Jahresende 2005 hatte sie eine Bilanzsumme von 1,65 Milliarden Euro. Im Segment der Privatkunden wurden Ende 2005 bereits 100.000 Konten und etwa gleich viele im Umlauf befindliche Visa-Debitkarten verzeichnet. Insgesamt stieg die Zahl der Kunden um 41 Prozent auf 427.000.

  • Kosovo: Die Raiffeisen Bank Kosovo wurde im November 2001 als American Bank of Kosovo gegründet und Ende 2002 zu 76 Prozent erworben. Die übrigen Anteile wurden im September 2003 an die Raiffeisen International verkauft. Mit Ende 2005 betrug die Bilanzsumme der Bank 264 Millionen Euro, ein Zuwachs um drei Viertel im Jahresabstand. Sie war damit nach wie vor die zweitgrößte Bank des Landes und beschäftigte mehr als 350 Mitarbeiter in 29 Bankstellen.

    C.A.T. oil

    Die österreichische C.A.T. oil AG, einer der führenden Anbieter von Öl- und Gasfeld-Dienstleistungen in Russland und Kasachstan, hat die Ergebnisse für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2006 veröffentlicht. Nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr und einem umsatzstarken dritten Quartal steigerte das Unternehmen den Konzernumsatz und das Ergebnis dank starker Nachfrage nach Hydraulic Fracturing-Services und Spezialdienstleistungen erneut deutlich. Insgesamt führte die C.A.T. oil AG im dritten Quartal 649 Servicejobs aus. Der Umsatz in den ersten neun Monaten des aktuellen Geschäftsjahres stieg um 26,4 Prozent auf 145,2 Mio.Euro im Vergleich zu 114,9 Mio. Euro im gleichen Vorjahreszeitraum. Das EBITDA nahm um 27,8 Prozent auf 38,6 Mio. Euro zu (Vj.: EUR 30,2 Mio.). Auch das EBIT stieg deutlich um 35,1 Prozent auf 32,0 Mio. verglichen mit 23,7 Mio. Euro in den ersten drei Quartalen des Vorjahres. Damit erhöhte die C.A.T. oil AG die EBIT-Rendite auf 22,0 Prozent im Vergleich zu 20,6 Prozent im Vorjahr.

    Wienerberger

    Während der Umsatz in Zentral-Osteuropa um vier Prozent auf 507,3 Mio. Euro gesteigert werden konnte, ging das EBITDA um vier Prozent auf 136,7 Mio. Euro zurück. Dieser Rückgang war im Vergleich zum außergewöhnlich guten Jahr 2004 eine Folge schwächerer Märkte in Polen und Ungarn, was durch die Ergebnissteigerungen in Tschechien, Rumänien und der Slowakei sowie bei Semmelrock nicht vollständig ausgeglichen werden konnte. Dass dieser Bereich trotzdem ein Umsatzwachstum von vier Prozent ausweist, ist ein Beweis für den Erfolg unserer Expansionsstrategie.

    Wiener Städtische

    Darüber hinaus strebt die Vienna Insurance Group in ihren Kernmärkten in der CEE-Region (dazu zählen die Tschechische Republik, die Slowakei, Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Serbien sowie Ungarn) danach, mindestens zu den fünf größten Versicherungen des jeweiligen Landes zu gehören.

    Bank Austria

    Die UniCredit Group ist die klare Nummer eins am Bankenmarkt Zentral- und Osteuropas. Sie betreibt das mit Abstand führende Bankennetzwerk in der Region. Innerhalb der UniCredit Group ist die Bank Austria Creditanstalt für das Bankgeschäft in Zentral- und Osteuropa verantwortlich.

    Immoeast

    Die Immoeast AG wurde 1999 als Tochter der Immoeast gegründet, um deren Zentraleuropaaktivitäten abzudecken, und notiert seit Dezember 2003 an der Wiener Börse. Das Unternehmen setzt wie keine andere Gesellschaft in Zentral- und Osteuropa auf das erfolgreiche Konzept der Diversifikation. Derzeit ist die Immoeast in Ungarn, Tschechien, Polen, Rumänien, der Slowakei, Bulgarien, Estland, Russland, der Ukraine, Slowenien, Kroatien und Serbien vertreten. Das Immobilienportfolio umfasst 251 Objekte mit 3,8 Mio. m² Nutzfläche. Es werden alle Immobiliensektoren abgedeckt - von Büros, Geschäftsflächen, Garagen, Logistikimmobilien, Wohnungen bis zu Hotels - wodurch die Immoeast von den Entwicklungen der einzelnen Märkte unabhängig ist. Diese breit diversifizierten Investitionen in einen der attraktivsten Zukunftsmärkte brachten den Aktionären bisher ausgezeichnete Renditen: Die Ein-Jahres-Performance per 31.01.2007 betrug 30,68 Prozent.

    Und last but not least: Meinl, dessen Produkt Meinl European Land den Umsatz innerhalb des Jahres 2006 verdoppelt hat und die Kurssteigerung der Aktie in einem Jahr 16,7 Prozent betragen hat. Meinl Euopean Land konnte die Position als bedeutender Immobilieninvestor in Zentral- und Osteuropa festigen und die Weichen für das weitere Wachstum in Zukunft stellen. (red)

    • Im Osten viel Neues: Laut Wifo hat die Wirtschaft Österreichs in den vergangenen Jahren 18,6 Milliarden Euro in den östlichen Wirtschaftsraum investiert, davon 14,1 Milliarden in die acht neuen EU-Länder.
      foto: sigrid schamall

      Im Osten viel Neues: Laut Wifo hat die Wirtschaft Österreichs in den vergangenen Jahren 18,6 Milliarden Euro in den östlichen Wirtschaftsraum investiert, davon 14,1 Milliarden in die acht neuen EU-Länder.

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