Zielfonds: Vorsorgen mit Autopilot

11. März 2007, 23:59
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Steffen Selbach, Leiter Vermögens-Management der DekaBank, im derStandard.at-Interview über das Anlagekonzept, mit Nichtstun individuelle Sparziele zu erreichen

Für ein optimales Ertrags-Wachstums wird mit einem Zielfonds zu Beginn in ertragsstarke Aktien investiert. Im Verlauf wird das Anlagevermögen von Fondsmanagern in stabilere Werte umgeschichtet. Dem Anleger entsteht keine Arbeit. Steffen Selbach, Leiter Vermögens-Management der DekaBank, spricht im Interview mit Sigrid Schamall über weitere Vorteile dieser Vorsorgeprodukte, über Chancen und mögliche Risiken und versucht zu verstehen, weshalb Europa den USA in punkto Zielfonds hinterher hinkt.

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derStandard.at: Was genau sind die Vorteile von Zielfonds gegenüber Aktienfonds?

Steffen Selbach: Die Deka-Zielfonds orientieren sich an den Bedürfnissen und Wünschen der verschiedenen Lebensabschnitte der Kunden. Sie eignen sich beispielsweise für das Sparen auf bestimmte Ziele wie den Kauf eines Autos. Auch für das Rentenalter bietet sich eine Vorsorge über Zielfonds an. Häufig nutzen Anleger die Fonds auch, um beispielsweise für Familienmitglieder zu sparen oder vorzusorgen und legen Geld für die Schulzeit der Kinder oder Enkelkinder, für das Studium oder den Führerschein an.

Besonderes Merkmal der Deka-Zielfonds ist, dass die Anlagestruktur der Dachfonds mit Annäherung an das Sparende automatisch defensiver aufgestellt wird. Hiermit wird ohne Aufwand für den Kunden sichergestellt, dass sein im Zeitablauf angespartes Vermögen nicht durch unvorhergesehene Ereignisse kurz vor der Auszahlung negativ beeinflusst wird. Um dies zu erreichen, wird die Asset Allocation (Vermögensstruktur) der Dachfonds dynamisch an einen optimierten Anlagezielpfad ausgerichtet. Dies bedeutet, dass sich die monatlich angepasste Dachfondsstruktur von chancenreichen Aktienfonds hin zu weniger schwankungsanfälligen Renten- und Geldmarktfonds bewegt. Neben dem positiven Effekt, dass der Anleger gegen Ende seiner Sparphase vor Schocks am Aktienmarkt geschützt wird, hilft dies auch die weit verbreitete Neigung vieler Anleger im falschen Zeitpunkt einseitig Risiken am Aktienmarkt einzugehen, zu verhindern.

Die Notwendigkeit, dass der Anleger sich permanent informieren muss, um die richtigen Anlageentscheidungen zu treffen, entfällt. Auch Transaktionskosten, die anfallen würden, wenn der Anleger selbst seine Anlagestruktur entsprechend der noch verbleibenden restlichen Ansparzeit anpassen müsste, bleiben aus.

derStandard.at: Wo liegen die Risiken?

Selbach: Gegenüber Aktienfonds weisen die Deka-Zielfonds über die Laufzeit gesehen deutlich niedrigere Risiken auf. Dies resultiert natürlich aus dem kontinuierlich abschmelzenden Aktienfondsanteil innerhalb der Struktur. Theoretisch besteht auch bei den Deka-Zielfonds das Risiko, dass aufgrund von negativen Marktentwicklungen während der Laufzeit der Kunde bei Ablauf des Produktes eine negative Wertentwicklung verzeichnet. Eine Rückrechnung für Zielfonds mit einer Laufzeit von 10, 15 und 20 Jahren hat allerdings ergeben, dass historisch gesehen kein einziger Fall einer negativen Gesamtrendite eingetreten ist.

derStandard.at: Die so genannten "Target Fonds" sind vor allem in den USA ein Renner. Warum werden diese Fonds-Produkte in Europa eher verhalten angeboten?

Selbach: In den USA sind die Target Fonds schon seit geraumer Zeit sehr erfolgreich und etabliert. In Europa fehlte bisher womöglich die notwendige Aktienkultur. Viele Menschen sind nicht "mutig" genug, auch für langfristige Investments einen hohen Aktienanteil zu berücksichtigen, da insgesamt eine eher konservative Anlagementalität vorherrscht.

derStandard.at: Als erste deutsche Fonds-Gesellschaft bietet die Deka Zielfonds an. In Österreich ist der Vertrieb verboten. Welche Produkte bietet Ihr Institut an, wie ist die Nachfrage danach?

Selbach: Die Deka bietet zur Zeit vier Varianten der Deka-Zielfonds an: Die Deka-Zielfonds 2015, Deka-Zielfonds 2020, Deka-Zielfonds 2025 und Deka- Zielfonds 2030. Die Jahreszahl im Namen steht für das Laufzeitende des Fonds. Die Nachfrage nach Zielfonds nimmt immer mehr zu.

Die Deka-Zielfonds sind als Dachfonds aufgelegt und investieren in ausgewählte Spitzenfonds aus den Segmenten Aktien-, Renten- und Geldmarkt. Die Deka- Zielfonds verfolgen einen weltweiten Investmentansatz und investieren sowohl in die Standardaktienmärkte Europas, der USA und Japan als auch in die erfolgsversprechenden Aktienmärkte der aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien, Osteuropa und Lateinamerikas. Auf der Rentenfondsseite finden neben dem klassischen europäischen Staatsanleihesegment beispielsweise auch High- Yield-Rentenfonds und Schwellenländerrentenfonds Beachtung.

derStandard.at: Welche Varianten gibt es?

Selbach: Das Besondere an den Deka-Zielfonds ist der optimierte Anlagezielpfad. Dieser bestimmt, wie hoch - bezogen auf die Restlaufzeit - der Aktienfondsanteil ist. Neun Jahre vor Ablauf beträgt die Aktienfondsquote gemäß Zielpfad beispielsweise 50 Prozent, während bei fünfjähriger Restlaufzeit nur noch rund 16 Prozent im Aktiensegment investiert sind. Trotzdem kann das Dachfondsmanagement je nach Markteinschätzung in bestimmten Grenzen eine höhere beziehungsweise niedrigere Aktienfondsquote als den vorgegebenen, optimierten Anlagezielpfad wählen. So kann bei einer Eintrübung des Umfelds für Aktienfondsanlagen ein zusätzlicher Risikopuffer eingebaut werden.

Ein weiteres Merkmal der Deka-Zielfonds ist, dass sie als Dachfonds aufgelegt sind. Damit profitiert der Anleger stark von der effizienteren Rendite/Risiko- Struktur als bei Anlagezielfonds, die Direktinvestments tätigen.

derStandard.at: Wie haben sich die Deka-Zielfonds seit der Auflegung entwickelt?

Selbach: Die Performance (Stand: 07.03.2007) der Deka-Zielfonds seit Auflegung am 15.07.2005:
- Deka-Zielfonds 2015: +12,68 Prozent
- Deka-Zielfonds 2020: +22,92 Prozent
- Deka-Zielfonds 2025: +25,12 Prozent
- Deka-Zielfonds 2030: +25,59 Prozent

derStandard.at: Wie hoch sind die Managementgebühren?

Selbach: Die Verwaltungsgebühr der Deka-Zielfonds beträgt ein Prozent pro Jahr. Der Ausgabeaufschlag von 3,5 Prozent (Bei einer Restlaufzeit von weniger als fünf Jahren wird beim Erwerb kein Ausgabeaufschlag erhoben.) fällt im Vergleich zu traditionellen Aktienfonds gering aus.

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