Mit immer Neuem aus Entenhausen wird der Anleger zum Asset Manager

15. März 2007, 23:59
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Tick, Trick und Track wohnen in Entenhausen. BRIC, BRICK und RICH kommen aus den Marketing-Abteilungen der Fondshäuser - Von Werner Hedrich

Mit der Einschränkung des Anlageuniversums transferieren Fondsgesellschaften die Länderallokation auf den Investor.

Die Konzentration auf vier oder fünf Länder im Spektrum der Schwellenländerbörsen ist zu hinterfragen. Glücklicherweise hat die Fondsbranche sich im Marketing-Wettbewerb schon selber ad absurdum geführt: Am Anfang stand eine Studie von Goldman Sachs, die im Zuge der Globalisierung den Aufstieg Brasiliens (das "B"), Russlands (das "R"), Indiens (das "I") und Chinas (das "C") zu den führenden Wirtschaftsnationen in den nächsten Jahrzehnten prognostiziert. Da Südkorea auch ein starker Player in Südostasien ist, hängt der nächste Asset Manager eben noch ein "K" für Korea dran. Ein anderer entdeckt den türkischen Aktienmarkt, und ein Plätzchen für das "T" lässt sich schon finden. Die blaue Bank schreibt zwar BRIC drauf, meint es aber dann doch nicht so eng: BRIC-Länder mindestens je 10 Prozent des Anlagevermögens, der Rest kann auch außerhalb investiert werden. Begründet wird dies mit der Diversifizierung, was richtig ist, aber nicht der Produktklarheit und Transparenz dient.

Langfristige Investments in den Schwellenländern sollten für zusätzliche Rendite sorgen. Die Fondslösung bietet sich hierfür geradezu an: Der Anleger überlässt Experten die Auswahl der Länder, Sektoren und Unternehmen. Durch die Risikokontrolle (Korrelationen der nationalen Aktienmärkte und Einzeltitel) sollte ein Asset Manager die Schwankungsanfälligkeit der Emerging Markets austarieren können. Zur Generierung von Performancebeiträgen gehört auch das Market Timing, das Erhöhen und Absenken der Kassequote (Liquiditätssteuerung). Eine weitere Performancequelle kann das Währungsmanagement sein. Warum sollen Fondsanleger die Investmententscheidung "Welcher Markt zu welchem Zeitpunkt" mit der Einschränkung auf vier oder fünf Länder übernehmen? Mit dem Kauf eines Länder- oder Regionenfonds in der Kategorie Schwellenländer übernimmt der Anleger einen Großteil der Investmententscheidung, die in der Kompetenz des Asset Managers liegen sollte. Der Fondsmanager hat ein Team, das Top-down (Makro- und Länderresearch) und Bottom-up (Stock Picking) Elemente vereint. Die Fondsgesellschaft wird für die Asset Allocation bezahlt, wann Mexiko, wann Südkorea, wann Thailand oder wann Südafrika.

Die Globalisierung macht Volkswirtschaften, die nicht den G7-Staaten angehören, zu interessanten Zielregionen für Investoren. Die hohe Wachstumsdynamik, konstitutionelle Stabilität und institutionelle Fortschritte dieser Staaten und eine sich verbessernde Corporate Governance der Unternehmen erlaubt eine relativ höhere Bewertung gegenüber den etablierten Aktienbörsen als vor zehn Jahren, i.e. eine niedrigere Risikoprämie. Die Schwellenländer performen nunmehr seit fünf Jahren besser als die reifen Kapitalmärkte.

Die fundamentalen Bewertungen haben in den letzten drei Jahren aufgeschlossen. So rechnet Morgan Stanley zum Beispiel vor, dass der Abschlag gegenüber Wall Street, London und Tokyo nunmehr nur noch 23 Prozent ausmacht (37 Prozent vor einem Jahr und 55 Prozent Ende 2001). Es stellt sich nun die Frage, wer die Kurse weiter nach oben treiben soll. Alleine 2005 flossen 20 Mrd. US-Dollar seitens der Amerikaner in die Emerging Markets, eine Rekordsumme. Da Wall Street seit Monaten auf der Stelle tritt, kaufen US-Anleger beherzt Schwellenländerfonds. Der Osteuropa-Spezialist Charlemagne konstatiert, dass osteuropäische Bankentitel mittlerweile höher bewertet sind als Finanzdienstleister der Eurozone. Es gibt erste Fondsmanager, die keine indischen Aktien mehr im Portfolio halten (Gewicht im MSCI Emerging Markets Index: 5,6 Prozent). Kurzum, die Risiken liegen in der Bewertung dieser Märkte, der Abschwächung globalen Wachstums, geopolitischen Krisen und einem Dollar-Crash.

Die Idee ist gut, Fondssparer für Schwellenländerbörsen zu begeistern. Der Weg über einen Investmentfonds an die Börsen von Seoul, Taipeh und Mexiko ist besser als sich selbst Titel ins Depot zu kaufen. Der Weg über "private" Einzeltitelselektion kann klappen oder auch nicht – es ist Glücksache, macht sich aber gut beim Prahlen am Tresen. Mit der Beschränkung auf Themen, Regionen oder Sektoren übernimmt der Anleger die Rolle des Vermögensverwalters. Breit diversifizierte Schwellenländer-Fonds sind Trumpf, die den MSCI Emerging Markets risikoadjustiert schlagen – sonst kann man ja auch passiv investieren.

Werner Hedrich ist Leiter Fondsresearch bei Morningstar Deutschland.

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