Dalai Lama jederzeit zu Autonomie-Gesprächen mit Peking bereit

14. März 2007, 16:38
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Tibets Exil-Oberhaupt beklagt am Jahrestag des Volksaufstands weitere "Einschränkungen und Repressionen"

Neu-Delhi - Anlässlich des 48. Jahrestages des blutig niedergeschlagenen Volksaufstands gegen die chinesische Besatzungsmacht in Tibet hat der Dalai Lama am Samstag seine Bereitschaft bekräftigt, jederzeit mit Peking Gespräche über eine Autonomie für seine Heimat zu führen. Aus seinem Exil in Indien sagte das mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete politische und religiöse Oberhaupt, seine Exilregierung habe seit 28 Jahren das Gespräch mit Peking gesucht. Oberstes Ziel bleibe die Autonomie Tibets. Nach dem Volksaufstand in Lhasa vom 10. März 1959 war der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, mit über 100.000 seiner Landsleute ins Exil nach Indien geflohen.

Politische Einschränkungen und Repressionen

Der Dalai Lama sprach von "weiteren politischen Einschränkungen und Repressionen" in Tibet seitens der chinesischen Machthaber im vergangenen Jahr und kritisierte die im vergangenen Juli eröffnete Eisenbahnstrecke von Qinghai nach Lhasa. Seit der Eröffnung der Bahnlinie seien zunehmend Han-Chinesen im tibetischen Hochland angesiedelt worden. Zudem habe der Betrieb Umweltschäden nach sich gezogen. Die 1965 von den Kommunisten errichtete "Autonome Region Tibet" ist flächenmäßig wesentlich kleiner als das vor 1950 faktisch unabhängige Tibet, das große Teile der heutigen chinesischen Provinz Qinghai und den Westen der Provinz Sichuan umfasste.

Vor der chinesischen Botschaft in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi protestierten am Samstag Dutzende tibetische Jugendliche gegen die Eisenbahnlinie. In der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu gedachten rund 500 Tibeter des Volksaufstandes. Die Polizei stoppte den Demonstrationszug kurz vor der chinesischen Botschaft.

Demonstrationszug von Exil-Tibetern

In Wien fand am Samstagnachmittag ein Demonstrationszug von Exil-Tibetern von der chinesischen Botschaft zum Parlament und anschließend zum Ballhausplatz und Stock-im-Eisen-Platz statt, um auf den Widerstand des tibetischen Volkes aufmerksam zu machen. An die österreichische Bundesregierung wurde laut Aussendung der Gesellschaft "Save Tibet" appelliert, ihr Vorgehen bezüglich der militärischen Unterstützung Chinas zu überdenken. Obwohl in der EU ein Waffenembargo gegen die Volksrepublik bestehe, bilde das Bundesheer chinesische Offiziere für den Hochgebirgseinsatz aus. "Zusätzlich zur bisher fehlenden Thematisierung der Lage in Tibet leistet Österreich nun einen aktiven Unterstützungsbeitrag zur Unterdrückung Tibets", kritisierte "Save Tibet".

Mehrere Nationalratsabgeordnete haben eine Anfrage an Außenministerin Ursula Plassnik gerichtet, um Auskunft über Aktivitäten der Bundesregierung zur Unterstützung der Dialogbemühungen des Dalai Lama zu erhalten. (APA/dpa)

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