Al-Maliki fordert Geschlossenheit im Kampf gegen Terror

11. März 2007, 18:49
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Sicherheitskonferenz in Bagdad: Appell des Regierungschefs zur Versöhnung - Anschläge nahe Tagungsort - Geiselnehmer setzen Deutschland unter Druck

Bagdad/Berlin - Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat die Staaten in der Region aufgefordert, sich geschlossen gegen die Extremisten in seinem Land zu stellen. Der Irak brauche die Unterstützung seiner Nachbarländer umzu verhindern, dass sich die Gewalt zwischen sunnitischen und schiitischen Moslems auf andere Länder der Region ausbreite, erklärte Maliki am Samstag bei einer Konferenz in Bagdad vor Delegierten aus Nachbarländern, arabischen Staaten sowie den ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats.

"Wir rufen alle dazu auf, moralische Verantwortung zu übernehmen und sich klar und deutlich vom Terrorismus im Irak zu distanzieren", sagte Maliki und mahnte die Teilnehmer, den Irak nicht als Schauplatz für eigene Konflikte zu missbrauchen. Er nannte keine Länder im Einzelnen. Die USA haben jedoch dem Iran und Syrien des öfteren vorgeworfen, die Gewalt im Irak etwa durch Waffenlieferungen an militante Gruppen anzuheizen. Kurz nach dem die Gespräche begannen, schlugen mehrere Geschosse nahe des Konferenzgebäudes ein. Ein Selbstmordattentäter riss in der Stadt sechs irakische Soldaten in den Tod und verletzte rund 20 weitere.

Versöhnungsinitiative

Maliki hatte zu Beginn der Regionalkonferenz die nationale Aussöhnung als Schlüssel zur Zukunft des Landes bezeichnet. "Die Versöhnungsinitiative ist das Schiff, das uns retten wird", sagte Al-Maliki in seiner Eröffnungsrede. Iraks Außenminister Hoschijar Sebari betonte, sein Land dürfe nicht zum Schlachtfeld anderer Staaten werden, die dort ihre offenen Rechnungen begleichen wollten.

Die Konferenz fand im Gebäude des Außenministeriums statt und nicht, wie von irakischen Beobachtern zunächst erwartet, in der von irakischen und amerikanischen Soldaten abgeriegelten "Grünen Zone" im Herzen der Hauptstadt. Für Gegner der US-Militärpräsenz im Irak ist die "Grüne Zone" ein "Ort der Besatzung", den sie nicht betreten. An der Konferenz nahmen neben den Vertretern der Nachbarstaaten auch Repräsentanten der Arabischen Liga und der fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates teil.

Ferrero-Waldner fordert Versöhnung

Der irakische Außenminister Hoshyar Zebari betonte, sein Land dürfe nicht zu einem Schlachtfeld anderer Staaten werden, die dort ihre offenen Rechnungen begleichen wollten. Die USA, die 141.000 Soldaten im Irak stationiert haben, werfen Teheran und Damaskus vor, Extremisten im Irak zu unterstützen. Der scheidende US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, hatte am Freitagabend angedeutet, dass die USA bilaterale Gespräche mit dem Iran über die Sicherheitslage im Irak führen könnten. Sein Land sei zu einem Treffen bereit, falls sich dies als nützlich erweisen sollte, sagte Khalilzad. US-Senatoren hatten ein Übergreifen des Irak-Krieges auf die Nachbarländer Iran und Syrien befürchtet, sollte die US-Armee Extremisten über die Grenzen hinweg verfolgen. US-Präsident George W. Bush hatte angekündigt, "den Strom der Unterstützung zu unterbrechen" und die Netzwerke zu zerstören, die Waffen in den Irak lieferten.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner hat auf die Notwendigkeit hingewiesen, einen Prozess in Gang zu setzen, der zur Versöhnung im Irak führe. Dazu seien die Nachbarn, vor allem Syrien und der Iran, "enorm wichtig", sagte sie am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Man müsse die einzelnen Bevölkerungsteile, Sunniten, Schiiten, Kurden zusammenführen. "Außerdem muss vor allem der Einfluss, der von außen ausgeübt wird und der bisher negativ war, zurückgedrängt werden", unterstrich sie.

Geiselnehmer setzen Deutschland unter Druck

Die Entführer von zwei Deutschen im Irak haben mit der Ermordung ihrer Geiseln gedroht, falls die deutsche Bundeswehr nicht innerhalb von zehn Tagen aus Afghanistan abziehen sollte. In einem Video, das am Samstag auf einer Islamisten-Internetseite auftauchte, bittet eine 61 Jahre alte Deutsche unter Tränen Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe. Einer der Entführer, die sich "Brigade der Pfeile der Rechtschaffenheit" nennen, verliest in dem Videofilm eine Botschaft. Darin erklärt er: "Wir Muslime sind eine einzige große Nation". Die Frau und ihr Sohn waren am 6. Februar in Bagdad verschleppt worden. Beide sollen seit Jahrzehnten im Irak leben. Gegen erheblichen Widerstand quer durch die Parteien hatte der deutsche Bundestag am Freitag die umstrittene Entsendung von deutschen Aufklärungs-Tornados nach Afghanistan beschlossen.

Die irakische Armee hat nach Angaben eines Sprechers Zweifel, ob sie tatsächlich den Chef der Al-Kaida-Gruppierung "Islamischer Staat im Irak", Abu Omar al-Bagdadi, gefasst hat. "Ich kann nicht bestätigen, dass es sich um Bagdadi handelt. Wir sind uns nicht zu hundert Prozent sicher über seine Identität", sagte der Sprecher am Samstag in Bagdad.

Granaten nahe Ministerium

In der Nähe des Tagungszentrums der Sicherheitskonferenz in Bagdad sind am Samstag mehrere Granaten eingeschlagen. Im irakischen Außenministerium, in dem das eintägige Treffen stattfindet, seien mehrere Fenster geborsten, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben irakischer Soldaten wurde ein Gebäude 50 Meter vom Ministerium entfernt von drei Granaten getroffen. Zu möglichen Opfern gab es keine Angaben.

Explosion in Sadr-City

Bei einer Explosion in einem Vorort von Bagdad sind am Samstag zudem mindestens zwanzig Menschen ums Leben gekommen. Der TV-Nachrichtensender Al-Arabiya berichtete, der Sprengsatz sei in dem schiitischen Vorort Sadr-City explodiert. Nach Angaben der Sicherheitskräfte töteten Extremisten in Bagdad außerdem drei irakische Soldaten. (red/APA/Reuters/dpa)

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