Fall Fuentes wird zu den Akten gelegt

20. März 2007, 13:16
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Keine gesetzliche Handhabe in Spanien gegen Doping - Aber Berufungen gegen Entscheidung des Richters möglich

Madrid - Die spanische Justiz hat die Ermittlungen im bisher größten Dopingskandal im Radsport eingestellt. Der zuständige Untersuchungsrichter Antonio Serrano legt den Fall nach Presseberichten vom Samstag zu den Akten, weil Doping in Spanien noch nicht strafbar war, als vor knapp einem Jahr im Sport verbotene Praktiken im Zuge der "Operacion Puerto" aufgedeckt worden waren. In den Sog des Skandals um den mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes waren mehr als 50 Radprofis geraten, unter ihnen Jan Ullrich (GER), Ivan Basso (ITA) und Francisco Mancebo (ESP).

Sehr verlässliche Quellen

Die Internet-Site Todociclismo und die Tageszeitung El Mundo berufen sich bei ihren Meldungen vom Samstag auf nicht genannte, aber "sehr verlässliche" Quellen. Die Entscheidung des Richters soll am Montag offiziell mitgeteilt werden. Die Staatsanwaltschaft und der Radsportverband Spaniens haben jedoch die Möglichkeit, dagegen Berufung einzulegen.

Die Medien zitieren auszugsweise aus Serranos Bericht, wonach "im Gegensatz zu Frankreich und Italien es bei Auffliegen des Falles in Spanien kein Gesetz gab, das Doping-Praktiken unter Strafe gestellt hätte". Der Richter urteilte weiter, dass die vom Arzt Fuentes geübten Praktiken der Eigenblut-Transfusion bzw. der Beifügung von Substanzen wie EPO zum Blut keine ernste Gefahr für die Gesundheit der Athleten dargestellt hätten. Fuentes könne daher nicht wegen Gefährdung der Gesundheit zur Rechenschaft gezogen werden.

Die spanischen Behörden hatten im vergangenen Mai im Zuge der "Operacion Puerto" bei Razzien in Madrid und Saragossa große Mengen anaboler Steroide, Hormone und Medikamente wie EPO sowie Wachstumshormone aus chinesischer Produktion, mehr als hundert Beutel mit eingefrorenem Blut sowie mehr als hundert Beutel mit Blutplasma beschlagnahmt. Außerdem wurden Aufzeichnungen über Dopingpraktiken und Trainingspläne von Radprofis gefunden, denen Code-Namen zugewiesen worden waren.

Fünf Festnahmen

In der Folge wurden fünf Personen festgenommen. Dabei handelte es sich um den Gynäkologen Fuentes (er war früher Teamarzt von Kelme und Once), Manolo Saiz (Manager des Teams Liberty Seguros), Ignacio Labarta (stellvertretender Sportlicher Leiter im Radteam Comunidad Valenciana), den Arzt Jose Luis Merino sowie den Mountainbike-Fahrer Alberto Leon.

Das Auffliegen der Affäre und der Verdacht von Doping-Praktiken führte dazu, dass Rad-Topstars wie Ullrich und Basso am Tag vor dem Beginn der Tour de France 2006 von ihren Rennställen nicht für das wichtigste Rennen berücksichtigt wurden.

Fast alle Profis haben jedoch seither, weil keine Beweise vorlagen, wieder Verträge erhalten. Meist bei Rennställen zweiter Kategorie, sieht man von Basso ab, der trotz Protesten der übrigen Pro-Tour-Teams bei der Ex-Armstrong-Equipe Discovery Channel unterkam. Jan Ullrich, der Doping stets bestritten hat, gab hingegen Ende Februar sein Karriere-Ende bekannt und fungiert künftig als Berater des Vorarlberger Volksbank-Teams.

Keine Beweise vorgelegt

Es bleibt abzuwarten, wie der Radsport-Weltverband auf die Einstellung des Verfahrens reagiert. UCI-Präsident Patrick McQuaid hatte im Vorjahr mehrfach erklärt, er werde von den spanischen Behörden Unterlagen erhalten. Doch mittlerweile hat die Saison 2007 längst begonnen, ohne dass Beweise vorgelegt wurden.

Gegen Ullrich läuft allerdings in Deutschland ein von einer Privatperson initiiertes Verfahren wegen Betrugs. Das Gericht könnte Klarheit in eine mögliche Verwicklung des Ex-Tour-de-France-Gewinners durch einen Abgleich seiner DNA-Probe mit dem in Spanien aufgefundenen Blut bringen. (APA/Reuters)

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