Dimas warnt Autoindustrie vor Klimaschutz-Verweigerung

17. März 2007, 15:39
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EU-Umweltkommissar: Branche werde in Zukunft nicht mehr Kompromisse bei Auflagen durchsetzen können

Berlin - EU-Umweltkommissar Stavros Dimas hat die Autoindustrie davor gewarnt, sich gegen die Bewegung für mehr Klimaschutz durch Abgasfilter zu stellen. Die Branche werde in Zukunft nicht mehr Kompromisse bei den Auflagen durchsetzen können, um Belastungen zu begrenzen, sagte Dimas dem "Spiegel" laut Vorabbericht vom Samstag. "Das geht nicht mehr so wie früher, weil zu viele Menschen die fatalen Folgen kennen."

Dies gelte vor allem beim Feinstaub: "Da kann es keine Kompromisse mit der Automobilindustrie zu Lasten der Gesundheit geben." Er habe aber großes Vertrauen in die deutsche Autoindustrie. Aber er frage sich, warum sie bei der Entwicklung der lukrativen Partikelfilter gegen Dieselruß eine so geringe Rolle spiele.

Dem Magazin zufolge steht der Chef der deutschen Autolobby VDA, Bernd Gottschalk, wegen der Reaktion des Verbands auf die Klimadebatte unter Beschuss und muss mit seiner Ablösung rechnen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA), habe viel zu spät und zu lasch auf die Debatte um den CO-2-Ausstoß reagiert, monieren die Kritiker laut dem Bericht. Gottschalk habe nicht ausreichend über die Leistungen der deutschen Autohersteller zum Abbau des Ausstoßes von Kohledioxid (CO2) informiert. Schon in der Debatte um Feinstaub und Partikelfilter habe der Verband die Interessen der deutschen Firmen nicht wirkungsvoll vertreten. Die EU hatte am Freitag den Abbau der CO-2-Emissionen bis 2010 um mindestens 20 Prozent gegenüber 1990 beschlossen.

"Revolutionäre Fortschritte"

Dimas zog eine gemischte Bilanz der Klimabeschlüsse des EU-Gipfels vom Freitag. "Was wir gerade gemacht haben, reicht nicht", sagte er. Umgekehrt gelte: "Wenn wir das mit dem vergleichen, was vor zwei Jahren möglich schien, sind das schon revolutionäre Fortschritte." Er gab zu, dass die Verteilung des Emissionsabbaus auf die EU-Mitgliedstaaten noch unklar und sehr strittig sei. "Wenn es dann ernst wird, hapert es bei manchen an der Umsetzung. Und dann zeigt sich, dass vieles pure Heuchelei ist", kritisierte er. Dimas setzt nach eigenen Worten darauf, dass die nächste US-Regierung gegenüber der Politik von Präsident George W. Bush eine Kehrtwende beim Klimaschutz macht. (APA/Reuters)

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