Deutsche Geiseln im Irak flehen in Video um ihr Leben

11. März 2007, 18:49
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Irakische Kidnapper drohen mit Ermordung - Abzug aus Afghanistan gefordert - Entführte Frau appelliert an Merkel

Kairo/Berlin - Mehr als ein Monat nach der Entführung zweier Deutscher im Irak haben sich die Kidnapper mit einem Video zu Wort gemeldet, auf dem die Geiseln unter Tränen um ihr Leben flehen. Die Entführer drohten mit der Ermordung der 61-jährigen Frau und ihres erwachsenen Sohnes, falls Deutschland nicht binnen zehn Tagen alle Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan abziehe. Die Geisel Hannelore Marianne K. appellierte in dem am Samstag von arabischen Fernsehsendern ausgestrahlten Band direkt an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Forderung zu erfüllen.

"Bitte, bitte gehen Sie auf diese Forderung ein. Mit diesen Leuten ist nicht zu spaßen", sagte die Frau auf Deutsch. Weder Hannelore Marianne K., die ein blaues Kopftuch und eine Brille trägt, noch ihr Sohn, der neben ihr auf dem Boden sitzt, schauen in der Aufnahme direkt in die Kamera. Ihre Worte werden in dem Video mit arabischen Untertiteln wiedergegeben. Außerdem wird ein deutscher Reisepass eingeblendet sowie ein Ausweisdokument mit dem Namen und dem Foto der Frau, deren Geburtsjahr mit 1945 angegeben wurde.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier wertete das Video als "erschütterndes Dokument". "Wir schauen natürlich mit Sorge auf das Schicksal der beiden im Irak entführten Deutschen", sagte Steinmeier am Samstag in Berlin, nachdem er unmittelbar zuvor den Krisenstab besucht hatte. "Unser Mitgefühl ist bei den Angehörigen, bei den Familien."

Hannelore Marianne K. sagte: "Diese Leute wollen meinen Sohn vor meinen Augen umbringen und hinterher mich, wenn die deutsche Regierung sich nicht aus Afghanistan zurückzieht." Sie bat darum, ihr Leben und das ihres Sohnes zu retten: "Ich möchte nicht auf diese Art und Weise sterben." Ihr Sohn äußerte sich nicht auf dem Video, lediglich sein Schluchzen war zu hören.

Appell an Merkel

An Merkel gewandt fuhr sie fort, sie wisse nicht mehr, wer ihr noch helfen oder was sie tun könne. Ihr Sohn sei erst seit zwei Monaten verheiratet, seine Frau sei möglicherweise schwanger. Hannelore Marianne K. rief auch nichtstaatliche Organisation auf, Druck auf die deutsche Regierung auszuüben.

Anschließend tragen drei maskierte Bewaffnete ihre Forderung nach einem vollständigen Abzug aller deutschen Soldaten aus Afghanistan vor. Das Video, das die Satellitensender Al-Arabiya und Al-Jazeera ausstrahlten, stammt von der bisher unbekannten Gruppe "Pfeile der Rechtschaffenheit".

Spezialisten analysieren Video

Steinmeier sagte, Spezialisten würden das Video detailliert analysieren. Der Krisenstab sei seit viereinhalb Wochen dabei, "eine Aufklärung des Falles herbeizuführen und die entführten Deutschen wieder in Freiheit zu setzen", so der Minister. Bisher sei das nicht gelungen, aber die Öffentlichkeit könne sicher sein, dass die Bemühungen darum weiterhin fortgesetzt würden.

Telefonate mit Angehörigen in Deutschland

Nach Medienberichten handelt es sich bei den Entführten um die 61-jährige deutsche Ehefrau eines irakischen Arztes und deren 20-jährigen Sohn, der als Techniker für das Außenministerium in Bagdad arbeiten soll. Sie waren unbestätigten Angaben zufolge aus ihrem Wohnhaus in Bagdad verschleppt worden. Die Entführer sollen sich in mehreren Telefonaten an Angehörige in Deutschland gewandt haben, um ihnen Lebenszeichen der beiden Geiseln zu übermitteln.

Im Jänner 2006 waren die beiden deutschen Ingenieure Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke auf dem Weg zur Arbeit im Irak verschleppt worden. Sie kamen im Mai nach mehr als dreimonatiger Geiselhaft wieder frei. Ende November 2005 wurde die damals 43-jährige Susanne Osthoff zusammen mit ihrem Fahrer im Irak entführt. Nach mehr als drei Wochen wurde sie in Bagdad freigelassen. (APA/AP)

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