Fundamentalistin der Aufklärung?

9. März 2007, 20:47
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Konturen einer Debatte

Der hier veröffentlichte Essay von Ulrike Ackermann ist der vorerst letzte Eintrag in eine ebenso facettenreiche wie spannende Diskussion, die das deutsche Online-Magazin "Perlentaucher" initiiert hat:

Wen soll der Westen unterstützen: Gemäßigte Islamisten wie Tariq Ramadan oder islamische Dissidenten wie Ayaan Hirsi Ali? Hat die Gruppe höhere Rechte als das Individuum? Betreibt Europa gegenüber dem Islam eine "Appeasementpolitik", die Toleranz mit Einübung in die Ohnmacht verwechselt?

Zu diesen und angrenzenden Fragen im Spannungsfeld zwischen Glauben und Vernunft, Multikulturalismus und Integration haben sich in der Zwischenzeit zahlreiche Intellektuelle aus Europa und Übersee zu Wort gemeldet.

Auslöser war eine Polemik des französischen Essayisten Pascal Bruckner gegen das vor Kurzem auch auf Deutsch erschienene Buch von Ian Buruma "Der Mord an Theo van Gogh - die Grenzen der Toleranz", das der Historiker Timothy Garton Ash in der New York Review of Books wohlwollend rezensiert hatte. Tenor der kurz darauf erschienen Repliken der beiden angegriffenen Autoren:

Hirsi Ali sei eine "Fundamentalistin der Aufklärung", Integrationspolitik könne nicht auf der Annahme basieren, dass Millionen von Muslimen in Europa ihren Glauben aufgeben (siehe auch Dokumentation Seite 30). Was Pascal Bruckner postwendend als Symptom eines "Rassismus der Antirassisten" qualifizierte.

Vorläufiges Fazit der US-Historikerin Anne Applebaum, die sich via Washington Post in die Debatte eingeschaltet hat: "Was die Europäer am meisten zu erstaunen scheint, ist seltsamerweise die Begeisterung, mit der Hirsi Ali ihren eigenen Säkularismus und die westlichen Werte umarmt hat. Obwohl die Intellektuellen dieses Kontinents den Papst gerne als irrelevanten Dinosaurier verspotten, scheint sie Hirsi Alis Zurückweisung von Religion im Namen von Vernunft und Emanzipation irgendwie nervös zu machen ..." (red/DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2007)

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