der schönste Tag der Woche: Pub(l)ic Hair

9. März 2007, 00:00
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Bestimmte Perücken heißen in Japan übrigens "Blumen der Nacht" und werden aus echtem Menschenhaar hergestellt

Die Nachrichten, die mich in letzter Zeit per E-Mail erreichen, werden immer mysteriöser: your obstrusio; your subsum; your inconsecutiv; your persuasio; your equiangula; your cornco; your toymo; your hussa; your squea. Mein Englischwörterbuch gibt keine Auskunft, und auch sonst habe ich nicht die geringste Ahnung, wer mir da was sagen möchte. Ist meine E-Mail-Adresse irrtümlicherweise in den Verteiler eines Geheimdienstes geraten? Möchte ein Wesen von einem anderen Stern mit mir Kontakt aufnehmen? Sehr rätselhaft, das Ganze. Falls Sie helfen können, schicken Sie bitte Ihre zweckdienlichen Hinweise unter dem Kennwort "your scoopa" an die Redaktion. Danke.

Jetzt zu etwas ganz anderem. Sharon Stone hat Geburtstag, und zwar am 10. März, da wird sie 49. Dass Osama Bin Laden am selben Tag 50 wird, ist ein blöder Zufall, den wir aber dennoch nicht verschweigen wollen. Auch wenn sich George W. Bush darüber ärgert. Und weil wir schon bei Jubiläen sind: Vor 165 Jahren – am 10. März 1842 – wurde im Theater an der Wien Johann Nestroys Stück Einen Jux will er sich machen uraufgeführt. Von Nestroy wiederum gibt es einen Satz, der gut zu Bush passt: "Er is’ grad so ehrlich, daß man ihn nicht aufhängen kann." Passend wäre auch: "Der Geist ist der große Unbekannte in seinem Kopfe." Aber auch Sharon Stone hätte auf Nestroy hören sollen, der schon lange vor Basic Instinct II eindringlich vor den zweiten Teilen gewarnt hat. Und wenn man von Winnetou (II und III) und Richard (detto) einmal absieht, dann hatte Nestroy durchaus Recht, denn Fortsetzungen taugen tatsächlich selten etwas. Mrs. Stone hätte sich im Falle eines Verzichts auf das Basic Instinct-Sequel also nicht nur bissige Kritiken (genital daneben) , sondern auch die Wahl zur "schlechtesten Schauspielerin des Jahres" ersparen können.

Was wir Sharon Stone aber in jedem Fall hoch anrechnen wollen, ist ihr legendärer Beinüberschlag im ersten Basic Instinct-Film, der nicht nur in die Filmgeschichte einging, sondern der in gewisser Weise auch zu Stones Markenzeichen wurde. Was insofern ein bisschen merkwürdig ist, als es sich bei Stones "pubic hair", das durch den Film ja zum "public hair" wurde, um ein Toupet gehandelt haben soll. In Japan heißen solche Perücken übrigens "Blumen der Nacht" und werden aus echtem Menschenhaar hergestellt. Da in Japan eine üppige Schambehaarung als schick gilt, erfreuen sich solche Perücken angeblich großer Beliebtheit. Sachen gibt’s.

Im Film Babel bezeichnet die von Rinko Kikuchi gespielte taubstumme Tokioter Schülerin Chieko jenen Körperteil, den sie in aller Öffentlichkeit zur Schau stellt, in der Gebärdensprache allerdings als "haariges Monster", was darauf schließen lässt, dass es sich in diesem Fall um keine Perücke handelt. Bevor wir uns aber endgültig in der Abteilung für nutzloses Wissen verirren, noch eine gute Nachricht zum Schluss: Die defekte Eingangstür des Postamts 1072 Wien in der Zieglergasse 10 ist nach knapp vier Monaten repariert worden. Die Kunden müssen also nicht mehr durch Müllräume und Stiegenhäuser irren, um ihre Briefe aufgeben zu können. Der letzte Akt in einem postmodernen Drama sozusagen. Vorhang. (Kurt Palm /ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.03.2007)

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    foto: constantin film
  • Kurt Palm
    foto: michaela mandel

    Kurt Palm

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