"So eine Emanzengeschichte"

20. März 2007, 13:18
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Trainingsstart zum 20. Frauenlauf der am 3. Juni steigt, Erinnerungen an die Anfänge von Gründerin und Organisatorin Dippmann

Wien - Das habe jetzt, sagt Ilse Dippmann, gar nichts mit dem Frauentag zu tun. Seit 1988 organisiert sie den "Österreichischen DM Frauenlauf", er steigt also heuer, und zwar am 3. Juni, zum 20. Mal. Zeitgerecht hat Dippmann vor Kurzem auf den beinahe ebenso traditionellen Trainingsplan "Fit in 12 Wochen" hingewiesen. Laufbegeisterte Frauen bereiten sich mittlerweile nicht nur bei mehreren Lauftreffs in Wien, sondern auch in Graz, Linz und Salzburg auf die entweder fünf oder zehn Kilometer lange Belastung vor. Hauptsponsor DM legt in allen Filialen Trainingspläne auf, dort gibt's auch eine Tasche mit diversen Proben und Anmelde-Ermäßigungsbon.

Der Frauenlauf im Wiener Prater hat im Vorjahr mehr als 12.000 Teilnehmerinnen versammelt. Schon 2005 hat die Lehrerin Dippmann aufgehört zu unterrichten, das Organisieren ist vom Neben- zum Fulltimejob geworden, die Wienerin führt eine Firma mit vier Mitarbeitern. Wie alles begonnen hat? 1986 betreute Dippmann ihren damaligen Freund beim Wien-Marathon, er und seine Lauffreunde saßen am Abend zusammen und waren enthusiasmiert, Dippmann saß daneben und war einfach nur müde. "Da hab ich mir gedacht, es muss sich etwas ändern." Im Herbst reiste sie nach New York, lief dort ihren ersten Marathon, 1987 folgten vier weitere Marathons, und 1989 dämpfte die seinerzeit starke Raucherin ihre letzte Zigarette aus.

In New York war Dippmann auch auf die Frauenlauf-Idee gekommen, von Bekannten wurde diese Idee zunächst als "so eine Weiber-, so eine Emanzengeschichte" abgetan. Am 12. Juni 1988 hat Dippmann die Idee realisiert, 440 Frauen nahmen in Laxenburg ihre Füße in die Hände. "Von Frauen für Frauen", lautete das eine Motto, "Gewinnen kann jede, verlieren keine" das andere. Carina Lilge-Leutner, damals die schnellste Gewinnerin, lobt heute noch Dippmanns Durchsetzungskraft. "Man darf nicht vergessen, ein Frauenlauf war etwas ganz Besonderes. Damals sind Frauen, sieht man von Spitzensportlerinnen ab, nicht gelaufen. Den Wellness-Gedanken hat es noch nicht gegeben, und im Leistungssport lautete die Prämisse: no pain, no gain."

Der Frauenlauf, von Laxenburg in den Prater, in den Donaupark und wieder zurück in den Prater übersiedelt, ist nach dem Wien-Marathon der zweitgrößte Laufevent im Land geworden. Seit einigen Jahren gehen auch Spitzenläuferinnen wie die Irin Sonia O'Sullivan und die Deutsche Sabrina Mockenhaupt an den Start. Heuer wird zum dritten Mal der "DM Frauenlauf Award" verliehen, mittlerweile gibt's Rail-Tours-Austria-Packages, Bustransfers aus Linz, Graz und Salzburg, Kinderbetreuung sowieso, eine eigene Frauenlauf-Boutique. Seit 1. März läuft die Online-Anmeldung, mehr als 1000 Frauen haben schon den ersten Schritt zum Sieg gesetzt. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 10.03.2007)

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