Bartenstein: "Brauchen neuen Feminismus"

10. März 2007, 18:02
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ÖVP-Minister will im STANDARD-Gespräch berufstätige Frauen fördern und fordert ganztägige Betreuung für Kinder bis zehn

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein will berufstätige Frauen fördern: Jedes Kind bis zehn Jahre solle einen Anspruch auf ganztägige Betreuung haben, sagte er zum STANDARD. Ideologische Debatten seien nicht länger zielführend, meint der ÖVP-Politiker.

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Wien – Martin Bartenstein sagt, er denke heute über viele Dinge anders als früher. Und zwar wegen seiner Frau und seiner Familie: "Ich habe für die Politik eine allein erziehende, berufstätige Mutter von fünf Kindern zurückgelassen, das prägt." Wohl am meisten Frau Bartenstein selbst, aber offenbar auch den Herrn Minister, denn der fordert nun für einen ÖVP-Politiker beinahe Revolutionäres zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bartenstein zum Standard: "Jedes Kind bis zehn Jahre soll Anspruch auf einen ganztägigen Betreuungsplatz haben, wenn die Eltern den Bedarf haben."

Wichtig sei, dass ein Kind fixe Bezugspersonen habe – "das muss nicht nur die Mutter sein". Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr sei die Betreuung gut, meint Bartenstein, aber: "Wir müssen auch davor und danach etwas tun." Er spreche von "qualitätsvoller Betreuung", sagt der Minister – und er denke dabei auch an Tagesmütter.

Hier müsse "eine Lösung her", findet Bartenstein, "und zwar gemeinsam mit den Ländern". Warum ihm dies gerade jetzt ein Anliegen sei? "Die Debatte in Deutschland ist wichtig und richtig, und auch in Österreich müssen wir sie jetzt führen." Und damit keine Missverständnisse aufkommen: "Die deutsche Familienministerin Ursula Van der Leyen ist eine mutige Frau." Man könne auch hierzulande "nicht wegschauen, uns fehlen die Kinder". Denn: "Frauen haben nur dann die gleichen Berufschancen, wenn sie am Arbeitsmarkt annähernd gleich verfügbar sind wie Männer." Dafür bräuchte es ganztägige Betreuung – oder Frauen entscheiden sich gegen Kinder.

Das ist insofern erstaunlich, als Bartenstein in der schwarz-blau-orangen Regierungszeit stets die Politik seiner ÖVP unterstützte, die da lautete: "Wahlfreiheit für Frauen". Was die meisten ÖVP-Männer als "Freiheit, daheim zu bleiben" interpretierten. Bartenstein will zu diesen nie gehört haben, immerhin habe er das "Berufsverbot" in der Babypause aufgehoben, indem er Zuverdienstgrenzen beim Kindergeld eingeführt habe. Doch er verhehle nicht: "Es wäre besser gewesen, das schon früher zu diskutieren." Und dass es in der ÖVP "Leute gibt, die da nicht einer Meinung mit mir sind", sei ihm klar – "aber immer mehr sind meiner Meinung".

Überhaupt will Bartenstein von Ideologie nichts mehr wissen: "Die eindimensionale Sichtweise der Linken, dass nur eine berufstätige Frau eine gute Frau ist und der Rechten, dass nur eine Mutter, die daheim bleibt, eine gute Mutter ist, bringt uns nicht weiter." Daher, so Bartensteins Forderung: "Wir brauchen einen neuen Feminismus." (Petra Stuiber; DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10./11.3.2007)

  • Bartenstein: "Die eindimensionale Sichtweise der Linken, dass nur eine berufstätige Frau eine gute Frau ist und der Rechten, dass nur eine Mutter, die daheim bleibt, eine gute Mutter ist, bringt uns nicht weiter."
    foto: standard/hendrich
    Bartenstein: "Die eindimensionale Sichtweise der Linken, dass nur eine berufstätige Frau eine gute Frau ist und der Rechten, dass nur eine Mutter, die daheim bleibt, eine gute Mutter ist, bringt uns nicht weiter."
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