Wo einst der Apfelbaum stand, steht jetzt der Berg

9. März 2007, 20:07
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Die Huberbuam aus Bayern gelten als beste Kletterer der Welt - Alexander und Thomas haben schwierigste Routen erstbestiegen und unzählige Rekorde erzielt

Wien - Der Apfelbaum im Garten ist für die Huberbuam in ihrer Jugend mangels Mitfahrgelegenheit in die Berge oft die einzige Möglichkeit, ihre Kletterfertigkeit zu trainieren. Er wird zur schwierigen Felswand, wenn die Brüder Überhänge überwinden oder schwere Routen der damaligen Zeit, wie die"Torre Trieste Südwand" simulieren.

"Der Thomas wollte im Winter einmal sogar im Baum biwakieren", erzählt Alexander Huber. "Unser Vater hat gesagt, lasst ihn nur, in ein paar Stunden wird es ihm sicher zu kalt." Und so war es dann auch. Thomas: "Wir wollten dem Vater nacheifern. Er hat einmal in einer Wand biwakiert, und wir Buben wollten es ihm nachmachen."

Die ersten Gipfel

Die Brüder stammen aus Trostberg in Oberbayern, Thomas ist Jahrgang 1966, Alexander zwei Jahre jünger. Von den Eltern erben sie die Bergbegeisterung. Mit zwölf steht Alexander im Wallis auf seinem ersten Viertausender. Gemeinsam mit dem Vater, einem ausgezeichneten Kletterer, besteigen sie in drei Jahren mehr als 30 weitere Gipfel in den Westalpen. Immer schwierigere Touren in den Dolomiten oder im Wilden Kaiser formen die beiden zur starken Seilschaft, beim Sportklettern wie im alpinen Fels.

1992 klettert Alexander in Berchtesgaden die weltweit zweite Route im elften Schwierigkeitsgrad, 1995 gelingt ihm mit der ersten Rotpunkt-Begehung der berühmten "Salathé-Route" am El Capitan der internationale Durchbruch. Die Huberbuam erklären den Begriff Rotpunkt folgendermaßen: "Du musst eine Route sturzfrei bis zum Ausstieg als Seil-Erster gehen können. Gesichert wirst du von unten, und als Haltepunkt beim Klettern darf ausschließlich die natürliche Felsoberfläche benützt werden."

1997 durchsteigen die Brüder als erste bei einer Expedition im Karakorum die Westwand des Latok II. Diese Gipfelwand ist mehr als 1000 Meter hoch, also eine so genannte Bigwall. Die beiden dringen auch hier in eine neue Dimension vor, indem sie schwierigste Kletteranforderungen an einem 7000er bewältigen.

Free-Solo-Touren

Weitere Meilensteine sind die Erstbegehung der "El-Niño-Route" am El Capitan 1998 und Alexanders Free-Solo-Touren an den Drei Zinnen in den Dolomiten. Free-Solo, das heißt freies Klettern, allein, ohne Seilsicherung, nur die natürliche Felsoberfläche darf zum Halten und zur Fortbewegung genützt werden. Da hängt man dann 300 Meter über dem Boden, manchmal nur mit drei Fingern an einem millimeterbreiten Felsvorsprung. "Wenn ich in eine schwierige Wand ohne Seil einsteige, habe ich Angst, die nimmt mir am Anfang fast den Atem, aber schließlich siegt die Konzentration, ich lass keine Panik aufkommen."

2003 klettern sie an der "Zodiac-Route" am El Capitan in 2 Stunden 31 Minuten neuen Speedrekord, um ihn ein Jahr später auf 1:51 Stunden zu verbessern. Im aktuellen Kinofilm "Am Limit" versuchen sie sich am Rekord an der berühmtesten Kletterroute der Welt, der "Nose" am El Capitan im Yosemite-Nationalpark. Thomas erklärt ihre Philosophie des Speed-Kletterns so: "Wir wollen komplett an die Grenzen gehen. Dabei wird jeder Zentimeter Fels, jeder Zug, jede Sicherung genau geplant, alles ist total abgespeichert. Es muss laufen wie ein Uhrwerk. Wenn ein Rädchen nicht funktioniert, kannst du es vergessen. Natürlich ist da eine ordentliche Portion Risiko dabei - und die Möglichkeit, es nicht zu schaffen. Im Leben eines Extrembergsteigers ist das Scheitern das Alltägliche, und die Erfolge sind selten."

Apropos Erfolg. 2005 werden sie nach Gössl am Grundlsee in der Steiermark eingeladen, sie sollen während des "Festes der Berge" als Erste die mit dem neunten Grad bewertete Gössler Wand durchsteigen. "Ihr müsst das doch können", meinen die Einheimischen. Die Brüder schauen sich die Wand einen Tag lang genau an. "Des kriag ma hin." Und während die Leute dann ihr Fest gefeiert haben, sind die Huberbuam durch die Wand geklettert. (Martin Grabner, DER STANDARD Printausgabe 10.03.2007)

  • Superlative im Yosemite-Nationalpark. Thomas Huber 
pendelt an der Nose am El Capitan. Die 1000 Meter hohe Nose ist die berühmteste Route, die Brüder Thomas und Alexander zählen zu  den besten Kletterern 
der Welt.
    foto:heinz zak

    Superlative im Yosemite-Nationalpark. Thomas Huber pendelt an der Nose am El Capitan. Die 1000 Meter hohe Nose ist die berühmteste Route, die Brüder Thomas und Alexander zählen zu den besten Kletterern der Welt.

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