Essen mit Blick ins Presshaus

9. März 2007, 19:13
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Ehemaliges Jugendzentrum wird zum ersten Weinrestaurant von Wien: Im Gastgarten kann man bei der Weinlese zusehen

Wien – "Ich habe überhaupt nichts gegen Heurige – im Gegenteil", betont Stefan Hajszan. Aber das, was derzeit unterhalb von Grinzing entsteht, ist nun einmal etwas vollkommen anderes: Wiens erstes Wein-Restaurant. Und zwar im umfassenden Sinne. Quasi von der Rebe bis ins Glasl.

Das ehemalige Jugendzentrum in der Grinzinger Straße Nummer 86 hat durchaus große Weintradition: In der Zwischenkriegszeit hatte hier Wiens größter Wein- und Getränkehändler seinen Sitz – davon zeugt noch die gewaltige Weinkelleranlage, die sich bis weit unter dem Heiligenstätter Park hinter dem Gebäude erstreckt.

Wehrhafte Käthe Musil

In den 70er-Jahren sollte das Haus abgerissen werden – was aber von Käthe Musil, der legendären Besitzerin der 10er-Marie, verhindert wurde. Das Jugendzentrum, das dann eingerichtet wurde, kennen noch viele aus den Jahren 1982 bis 2003 vom Abfeiern. Jetzt arbeitet Stefan Hajszan, der mit 14 Hektar Rebfläche bereits unter den Top Ten von Wien weilt, mit Hochdruck daran, aus dem Ensemble einen innovativen Vorzeigebetrieb zu schaffen, der am 24. Mai eröffnet werden soll.

Das Besondere: Hier entsteht auf 1400 m² nach den Plänen von Christian Maar ein Produktionsbetrieb, in dem ein Restaurant integriert wird, wie Hajszan im Standard-Gespräch erläutert. Zur Grinzinger Straße hin entsteht als Neubau das Presshaus. "Wenn die Gäste im Gastgarten sitzen, können sie durch die Glasfront zusehen, wie drinnen der Wein entsteht." Aber auch drinnen im Lokal wird freier Blick auf die jeweiligen Produktionsstätten gewährt: Im vorderen Gastraum der Blick in die Küche, die von Franke eingerichtet wird, dieses Unternehmen hat etwa auch im Steirereck seine "Ferrari"-Herde (sie kosten nämlich fast genauso so viel) eingebaut.

Küche "mit Touch"

Wer für die Küche verantwortlich sein wird, ist derzeit noch in Verhandlung – die Linie steht für Hajszan aber schon fest: "Heimische Küche mit Touch." Traditionelles neu interpretiert – oder auch klassische, aber vergessene Gerichte sollen aufgetischt werden. Auch der Verkostungstisch für die biologisch-dynamischen Hajszan-Weine wird nicht abgetrennt, sondern ins Restaurant integriert. Sogar der zweite, hintere Gastraum wird neben einem Kachelofen wieder einen freien Einblick bieten: Durch eine Glaswand auf das Gewölbe des Barrique-Kellers.

Und dann quasi als Krönung noch der Park auf der Anhöhe hinterm Haus: Der wird erhalten und soll in der warmen Jahreszeit für Weinpräsentationen genützt werden. Mit freiem Blick auf den Pfarrplatz, den Nussberg und den Kahlenberg. Also quasi die schönste Aussicht auf die "Schöne Aussicht" in Döbling. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD print, 10.3.2007)

  • Auf 14 Hektar zieht Stefan Hajszan seine Bioweine, ...
    foto: fischer

    Auf 14 Hektar zieht Stefan Hajszan seine Bioweine, ...

  • ...jetzt baut er das Jungweinzentrum von Döbling zum Produktionsbetrieb um
    foto: hajszan

    ...jetzt baut er das Jungweinzentrum von Döbling zum Produktionsbetrieb um

  • Die Kreuzgewölbe wurden wieder freigelegt: Die Gasträume werden in den Winzerbetrieb integriert
    foto: hajszan

    Die Kreuzgewölbe wurden wieder freigelegt: Die Gasträume werden in den Winzerbetrieb integriert

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